Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1846)
- Date
- 1846-06-29
- Page
- Seite 390 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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380 der Professoren, der notablen Muselmänner und Rajah's, so wie Der Häupter der religiösen Gemeinden, die bei dicher Gelegenheit ausgezeichnet wurden. Reschid Pascha's Anrede enthält folgende treffliche Stelle, nachdem er der hohen Gunstbezeugungen des Sultans dankbar erwähnt hatte: „Unser glorreicher Monarch wünscht das Wohl und die Sicherheit seiner muselmännischen Unterthanen; er wünscht ferner, daß die Christen und die Israeliten, die gleichfalls seine Unterthanen sind, eines gleichen Schutzes genießen. Die Verschiedenheit der Glaubensbekenntnisse berühren nur das Gewissen des Individuums; diese Verschiedenheit darf die Rechte der Unterthanen nicht gefährden. Wir sind Alle die Unterthanen eines und desselben Reiches, die Kinder eines und desselben Vaterlandes; wir sind alle Landsleute. Würde es wol schicklich sein, uns gegenseitig mit mißtrauischen Augen zu betrachten? Wandeln wir vielmehr auf der von unserem erhabenen Monarchen vorgezeichncten Bahn; folgen wir seinem Beispiele. Se. kaiserl. Majestät kennt keinen Unterschied der Religion zwischen seinen Unterthanen bei Vertheilung seiner Gnaden. Unsere Pflicht ist es, in guter Eintracht zu leben und mit allen unseren Kräften zu Allem, was zur Wohlfahrt des gemeinsamen Vaterlandes beitragen kann, mitzuwirken." Diese wahrhaft väterlichen, das Gepräge so erhabener Gesinnungen tragenden Worte, welche nichts als Güte, Toleranz und Eintracht athmen, sind mit lebhaftem Danke ausgenommen worden. Rußland. Mitau, 25. Mai. (Privatmitth.) Die Hieselbst beabsichtigte Berufung eines deutschen Rabbiners oder Predigers ist bis hierzu noch immer nicht zu Stande gekommen, und mit neidischen Blicken aber riuuli sehen die Bcssergesinnten auf die Gemeinde ihrer Nachbarstadt, Riga, woselbst trotz der geringen Zahl ihrer Gemeindeglieder eine gut organisirte Schule und in der Person Sr. Ehrwürden des Herrn vr. Neumann ein Hauptlehrer und Prediger der Gemeinde existirt. Denn während Letzterer seine Zuhörer durch regelmäßige und gehaltvolle Predigten innig erbaut, während er als erfahrner Schulmann gedachter Schule würdig vorsteht; während er alljährlich (so wie auch noch an diesem Wochenseste) mehre Jünglinge durch den erbaulichen Akt der Konfirmation öffentlich in den Schooß der Genmnde einführt, so daß selbst die löbl. Lehrbehörde dessen lobenswerthen Eifer zu würdigen wußte und der Herr Gouvcrnements-Schulen-Direktor in dieser Beziehung allen seinem Direktorate untergeordneten christlichen öffentlichen Schulanstalten vermittelst besondern Reskripts vorschricb: keinen israelitischen Knaben dahin eher aufzunehmen, bis er ein Zeugniß von Herrn Dr. Neumann beigebracht, daß er die dortige hebräische Schule und den Religionsunterricht in derselben mit Erfolg besucht habe, — während, sage ich, alles dieses in der kleinen riga'schen Gemeinde geschieht, steht leider unser großes Gotteshaus verwahrlost; ist großentheils unsre Jugend ohne Erziehung und ohne alle Religionskenntniß, und das Wort Gottes in Klarheit und Reinheit, das die Seele labt und erfreut, vernehmen wir hier nicht.— Aber nicht etwa an pekuniären Mitteln fehlt es uns, um Synagoge und Schule zu beleben und würdig zu erhalten; auch nicht an Männern, die fähig und berufen wären ihnen mit heiligem Eifer würdig vorzustehen, sondern Unentschlossenheit von Seiten der Bessergcsinnten, so wie manche Opposition von Seilen der sogenannten Orthodoxen— diese Klippen, an denen schon so mancher gute Wille scheitern mußte, — ist fast die alleinige Ursache, daß in dieser Beziehung bis hiezu noch Nichts geschehen konnte. Mögen aber die Bessergesinnten es einsehen, daß jede Verzögerung hier nur nachtheilig erscheint, so daß sie auf Gott vertrauend rasch zu Werke schreiten wollen, denn: 8^2« p ib yv?D7a niillb «aii. Großbritanjeu. Soit&Olt, I. Juni. (Nach Jew. Chron.) Am 27. Mai wurde der Grundstein zu einem Hospital für die hiesige Universität — bekanntlich die einzige in Großbritanien, wo Glieder aller Glaubensparteien studircn können, vor einigen Dezennien durch Aktien von Privatmännern, namentlich von Sir Jsak L. Goldsmid, errichtet — durch Lord Brougham gelegt, wobei der Lord Bischof von Norwich das Gebet hielt. In dieses Hospital können auch Juden und zwar mit Berücksichtigung der Speisegesetze aufgenom«