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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-06-01 · Heft 23 (1.6.1846) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 23 (1.6.1846)
Date
1846-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. SS X. Jahrgang. AligklNtine Zeitung des Zu-cnthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ju Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 1. Juni 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate -r- 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Verhandlungen derbaier'schen Stände. Zeitungsnachrichten: Rußland: von der russischen Grenze. Preußen: Posen, Neuß, Posen, Breslau, Köslin, Magdeburg. Deutschland: aus Württemberg, Wiesbaden, Wolfenbüttel, Stuttgart. Oesterreich: aus dem Oesterreichischen, Prag. Literarische Nachrichten: Magdeburg. Korrespondenz: Hechingen. Leitender Artikel. Magdeburg, den 24. Mai. Die Verhandlungen der baier'schen Stände. In einem baier'schen Landstädtchen bemerkte man, einige Stunden nach Ankunft der Post, die nur zweimal wöchentlich ihren Auferweckungsruf in demselben ertönen läßt, eine große Bewegung, namentlich in einer der Paar Straßen, welche auf diesen Namen Anspruch machen. Eine Anzahl Personen eilten von verschiedenen Seiten nach einem kleinen Hause, und die Heftigkeit ihrer Empfindungen machte sich schon auf der Straße -durch lebhafte Diskussion und Gestikulation, öfteres Stillstehen und wieder Forteilen kund. Sie riefen sich an, befrugen sich, staunten, eiferten, und bald wäre der ganze Haufe vor der Thüre des Hauses geblieben, wenn nicht zuletzt zwei ernste Männer, deren Haltung gemessener, erschienen wären, vor denen der Haufe sich theilte; sie schritten in das Haus, die Anderen folgten. Ein kleiner Saal nahm sie Alle auf; jene beiden Männer ließen sich an einem grün behangenen Tische nieder, die Anderen auf Bänke längs der Wände. Es war die israelitische Gemeinde des Städtchens, ihr Vorsteher und Rabbi. Der Versammelten Zahl betrug über dreißig, sämmtlich Familienväter, von denen nur Wenige noch im ersten Mannesalter. Nach einer Pause begann der Vorsteher: „Ihr wisset, daß wir sämmtlich uns zusammengethan, aus unserm Vaterlande, ja aus diesem Welttheile auszuwandern, um jenseits des Ozeans die bürgerliche Freiheit zu finden, die uns hier verweigert ist, und in der doch allein der jetzige Mensch sich glücklich fühlen und sein Brod erwerben kann. Es ist längst die Zeit vorüber, wo Druck dem Menschen erträglich war, so er ihm nur nicht an's Leben ging, und wo Beschränkung, da sein Nachbar wieder auf andre Weise beschränkt war, ihm den Erwerb sicherte. Wer jetzt noch ausnahmsweise beschränkt wird in Handel und Gewerbe, muß am Ende verhungern; unglücklich fühlt er sich aber stets. Das ist uns Allen klar geworden; und weil wir das Aeußerste nicht erst kommen lassen wollten, beschlossen wir, Europa mit allen Unsrigen zu verlassen. Wohl wissend aber, daß der Einzelne überhaupt ein großes, schwieriges Werk nur halb vollbringen kann, und daß in der Gemeinsamkeit die sicherste Bürgschaft des Gelingens liegt; andrerseits aber auch die Aermeren unsrer Gemeinde nicht jm Stiche lassen wollend: war es unsre Absicht, die Uebersiedlung auf gemeinschaftliche Kosten und völlig zusammenhaltend auszuführen, bis in der neuen Welt angelangt,

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