Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1846)
- Date
- 1846-05-25
- Page
- Seite 327 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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meinen dadurch fördern helfen. Wir wollen mit,wenig Worten sagen, was der Gemeinde jetzt vor Allem Noch thut und wie die Männer denken sollten, die sowol in das 9r-Kolleg, als auch in den Vorstand gewählt werden. — Wir verwahren uns hiermit im voraus, daß wir es nie mit einzelnen Personalitäten zu thun haben, die wir stets achtungswerth gefunden, sondern nur mit den Korporationen und dem Geiste der da, vorherrschend ist. — Ein Mitglied des 9r- Kollegs soll gebildet, und in religiöser Beziehung nicht ganz farblos dastehen, d. h. es muß so viel an ihm liegt eine israelitische Gemeinde zu vertreten verstehen, und gesinnungstüchtig sein. Ein solches /Mitglied darf in den Sitzungen kein Amensager sein, besonders da das 9r-Kolleg gegen den Vorstand oft den Appellhof abgiebt. — Ferner muß dahin gewirkt werden, daß der Vorstand nur von der Gemeinde gewählt wird und nicht sich selbst ergänzt. — Die pekuniären Interessen der Gemeinde sind und waren seit 40 Jahren stets in den besten Händen, wie allgemein bekannt ist. Allein wie steht.es mit den politischen und religiösen Angelegenheiten in unsrer alten, ehrwürdigen Gemeinde?! Zwei Hauptgegenstände wollen wir nur, in politischer Hinsicht anregend erwähnen. Wie steht es mit den Ehebeschränkungen? wohin werden diese uns noch führen? welches Unheil haben sie nicht schon seit 1824 über Gemeinde und Staat gebracht! Hat der Gemeindevorstand seit mehr denn vier Dezennien je daran gedacht, den Judeneid abschaffen zu machen, wann geschah je an hohen Senat ein Antrag, ähnlich dem von anderen Judengemeinden in anderen Staaten des deutschen Bundes? Sind Schritke,geschehe», dieses mittelalterische Gespenst in Form und Sprache zu beseitigen, damit bei dem Eide der Jude mit dem christlichen Bürger derselbe gleiche Formen und Worte zu beobachten habe? — Hat der Vorstand sammt 9r-Kolleg die religiösen Forderungen der Zeit im Auge gehabt und Anordnungen dazu getroffen? Seit mehr den 30 Jahren geschah gar nichts. Man ließ Alles beim Alten. Denn als mit dem Eintritte des Herrn Rabbiner Stein ein peues Gotteshaus in Aussicht stand, so verschwand diese Hoffnung sogleich, als die freiherrlich v. Rothschild'sche Familie die zugesagten 100,000 Fl. — zurücknahm. Wir aber wissen, daß der Bau mehr denn 250,000 Fl. nach diesen Plänen gekostet haben würde, also die Gemeinde 150,000 Fl. wenigstens hätte beistsagen müssen. Mit dieser letztem Summe hätten wir, gleichwie in Hessen-Kassel, Dresden, Hamburg rc., ein einfaches Haus, würdig der Bestimmung, hinstellen können. Aber der Eifer fehlte und fehlt noch. Freilich hört man oft als Entgegnung: Der Zustand der Gemeinde sei ein trauriger; die Ehebeschränkungen so wie viele §§. des Gesetzes von 1824 treten lähmend und nachtheilig im höchsten Grade den Leitern der Gemeinde entgegen. Allein warum ließet ihr diesen Krebsschaden so lange um sich fressen. Eure subtile Art zu Petition»«» und zu bitten hat uns, sowie die Geheimnißkrämerei, die dabei herrschte, um kein Haar breit weiter gebracht! Aengstliche Barbiere machen faule Wunden, die unsre ist in Eiterung übergegangen und droht der Gemeinde mit einer Abzehrung (i. e. Aussterbung). Dieses Alles mögen sich die Wähler bei der nächsten und den folgenden Wahlen in's Gedächtniß rufen und alsdann werden wir sehen, wie nach und nach die Wahlen ganz anders ausfallen werden. Auch wollen wir nicht die Hoffnung aufgebendaß unsere christlichen Mitbürger baldigst in ihren Wirkungskreisen das Ihrige dazu beitragen werden, obigen Uebeln zu steuern, und veraltete Mißbräuche, ja solche, die selbst dem Staate höchst nachtheilig sind, baldigst abzuschaffen trachten werden. Denn kein Körper ist ganz gesund, wenn auch nur ein Glied krankhaft ist; das Weh theilt sich nach und nach dem ganzen Körper mit. — Uebrigens war u.nd ist die hiesige Judengemeinde für den Staat eine , fette Pfründe, die stets viel der Staatskasse eingetragen, und der nichts dagegen geleistet wird; ja nicht einmal daS Geringste, wie es in anderen Staaten der Fall ist. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Nachdem die von dem seligen kynigl. Kommerzienrath Jonas Fränckel vermittelst Testaments ercichteterr Familienstiftungen die gesetzliche Bestätigung erhalten haben, fordern wir dessen Verwandte, welche in gerader Linie von den Geschwistern seines Vaters Joel David Fränckel, wie seiner Mutter Edel Franckel, geb. Joseph Jonas Franckel, abstammen, hiermit ans, unter Beibringung der durch Geburtszeugnisse gehörig begründeten Le^