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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-18 · Heft 21 (18.5.1846) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 21 (18.5.1846)
Date
1846-05-18
Page
Seite 315 (sequence 15)
Language
German
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815 Juden wollen den Leichnam des Mannes, den sie bei seinen Lebzeiten nicht zu würdigen gewußt, nicht hergeben; die Katholiken wollten denjenigen, den sie trotz der Verschiedenheit des Glaubens als ihren Bruder betrachteten, unter die Ihrigen aufnehmen. „Hattet ein, haltet ein," .rief ein Mann aus dem Volke. Es war ein silberhaariger Greis, mit einem großmülhigen Herzen, einer mächtigen -Rednergabe, und dessen erhabener Geist über die Menge zu herrschen verstand. Beim Ton seiner Stimme hörte der Kampf auf. „Laßt uns nicht unser Blut vergießen und die Seele Berko's durch das Schauspiel eines Streites zwischen den Kindern eines und desselben Vaterlandes betrüben. Wenn er die Waffen für Polen ergriffen, so that er es, um uns zu nähern und nicht zu trennen. Achten wir seine Absicht und weihen wir ihm eine seines Gedächtnisses würdige Verehrung, indem wir ein ganz abgesondertes Grab zwischen den beiden Kirchhöfen, an einem gemeinschaftlichen Orte, wo gleicherweise Katholiken und Juden einem braven Bürger ihre Huldigung darbringen können, errichten. Beide Parteien riefen diesem Gedanken Beifall zu. Man brachte den Todtenwagen außerhalb der Stadt, Katholiken und Juden gruben eine Gruft und errichteten zugleich einen Grabhügel, der von Jahr zu Jahr wuchs, und welcher den Einwohnern aller Glaubensparteien in's Bewußtsein bringt, daß die Vaterlandsliebe und die Tapferkeit von allen Religionen geachtet werden. Dieses einfache Monument, durch die Hände des Volkes errichtet, besteht noch jetzt. Es ist ohne Zweifel der einzige Ort auf der Erdkugel, wo Katholiken und Juden sich vereinigen, um mitsammen ihre Gebete au den Ewigen zu richten. Ehre dem Andenken eines Tapfern, der eine so allgemeine Bewundrung einzustößen gewußt hat! Mathilde Philippson. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen I'/i Ngr. (l gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Nachdem die von dem seligen königs. Kommerzienrath Jonas Fränckel vermittelst Testaments errichteten Familienstistungen die gesetzliche Bestätigung erhalten haben, fordern wir dessen Verwandte, welche in gerader Linie von den Geschwistern seines Vaters Joel David Fränckel, wie seiner Mutter Edel Fränckel, geh. Joseph Jonas Fränckel, abstammen, hiermit auf, unter Beibringung der durch Geburtszeugnisse gehörig begründeten Legitimation ihres Verwandtschaftsgrades sich bei uns schriftlich oder persönlich zu melden, um zum Genüsse der im Testamente §. 1 und §. 2 erwähnten Familienstistungen zu gelangen. Den sich tegitimirenden Verwandten werden wir den die Familienstiftungen betreffenden Extrakt aus dem Testamente einhändigen. Breslau, im April 1846. Die Testaments-Cxekutorett des Kommerzienrach-Fränckelschen Nachlasses. Samuel Jakob Levy. Loebel Milch. Joseph Prinz. Konkurs. Bei gefertigter Jsraeliten-Gemeinde ist die Stelle eines Vorberers und Schächters erledigt. Darauf Reflektirende, mit moralischen Zeugnissen versehen, müssen die Fähigkeit besitzen, das Notariat in deutscher Sprache so wie das Vorlesen der Thora fehlerfrei zu versehen. Der Konkurs zur Besetzung dieser Stelle, womit ein Jahresgehalt von W. W. Fl. 400 und Schlachtsporteln wenigstens W. W. Fl. 300 verbunden ist, bleibt bis d. 20. 3uni d. I. offen, und die Bewerber haben sich in portofreien Briefen beim gefertigten Gemeindevorstand anzufragen. Jenen, die auf ■pT^Si üiön besitzen, wird, nebst angemessen erhöhtem Gehalte, der Vorzug gegeben. Fünfkirchen, am 18. April 1846. Der Vorstand allhier. Gesuche. lEin unverheiratheter, von einer preußischen Regierung geprüfter (Staatsbürger), mit homiletischen Kenntnissen begabter Lehrer, der in den gewöhnlichen Lehcgegenstanden, namentlich aber im Hebräischen gründlichen Unterricht ertheilen kann, Schächter und Vorbeter, der auch genügende musikalische Kenntnisse besitzt, um nöthigenfalls den Gottesdienst unter Mitwirkung eines Chors zu leiten, wird zu ynan jöirt ©an bei unsrer Gemeinde gesucht. Darauf Restektirende müssen nebst einem anerkannt moralisch-religiösen Charakter, eine regelmäßige Gymnasi'albildung genoffen, und in gedachten Eigenschaften bereits eine Reihe von Jahren fungirt haben. Das jährliche Einkommen ist bei freier Wohnung, Kost und Heizung, exklusive des Einbringens der 100 Thlr. preuß. Krt. Nur qualisizirte Bewerber wollen ihre Meldungen!

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