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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-05-11 · Heft 20 (11.5.1846) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 20 (11.5.1846)
Date
1846-05-11
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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299 oder wenn Du lieber Dein Leben in Gefahr bringen willst, tödte mich, damit ich nicht Zeugin Deiner Selbstsucht und Deines Meineides sei." Meine Mutter war eine Frau schwacher Thatkrafr, aber das inbrünstige Gebet, daß sie so eben an das höchste Wesen gerichtet, die Liebe, die sie zu meinem Vater hatte, gaben ihr eine Energie und eine Kraft, deren ich sie nicht fähig gehalten. Meine Mutter sank in ihrer Aufregung zusammen, mein Blick richtete sich auf sie, ich fühlte, daß der Schmerz, der sie so handeln machte, sehr tief sein müsse, daß er so gänzlich ihre Natur umgewandelt. Ich sah, daß ich unwillkürlich der Henker meines Vaters und meiner Mutter werden würde. Tief ergriffen, vergaß ich mein Herzleid, um nur an das Wohl meiner Eltern zu denken, ich schleuderte die Waffe, die mich hatte rächen sollen, weit weg, warf mich zu den Füßen meiner Mutter und versprach ihr nochmals, die Tochter des Bankiers zu heirathen. Geistig gänzlich niedergeschlagen, unfähig zu denken und zu handeln, folgte ich maschinenmäßig meiner Mutter, ähnlich einem blinden Greise, der sich von einem Kinde führen läßt. Einen Monat später waren meine Eltern befriedigt, ich war verheirathet. Am Ende des Jahres waren alle ihre Wünsche erfüllt: meine Frau schenkte ihnen einen Enkel. Sie ahnten nicht, daß dies Kind, das sie hätschelten, die Frucht zweier Opfer, zweier Märtyrer war. Meine Frau war sehr unglücklich, sie that Alles um mein Herz zu gewinnen, und alle meine Bemühungen wurden durch die Verschiedenheit unsrer Erziehung vergeblich. Sie nahm die abergläubischen Gebräuche für Religion, meine Gieichgültlgkeit für Mangel an Frömmigkeit. Der Kreis, in dem sie leben wollte, entsprach nicht den neuen Bedürfnissen, die ich mir geschaffen. Unsre Kleidung, unsre Sprache, unsere Wünsche, unsere Gedanken waren niemals in Einklang. Sie weinte und betete; ich ergriff den kleinsten Vorwand um das Haus verlassen zu können, das mir unerträglich geworden. Das Kind, das uns durch ein gleiches Band der Liebe vereinigen sollte, wurde der Gegenstand unsrer steten inneren Kämpfe. Die ganze Familie fürchtete meinen Einfluß auf dasselbe: „er wird einen Ungläubigen, einen Verdammten ans ihm machen," war der Refrän jedes Tages." (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen lVt Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandtung. Nachdem die von dem seligen königl. Kommerzienrath Jonas Franckel vermittelst Testaments errichteten Familienstistungen die gesetzliche Bestätigung erhalten haben, fordern wir dessen Verwandte, welche in gerader Linie von den Geschwistern seines Vaters Joel David Franckel, wie seiner Mutter Edel Franckel, geb. Joseph Jonas Franckel, abstammen, hiermit auf, unter Beibringung der durch Geburtszeugnisse gehörig begründeten Legitimation ihres Verwandtschaftsgrades sich bei uns schriftlich oder persönlich zu melden, um zum Genüsse der im Testamente §. 1 und §. 2 erwähnten Familienstistungen zu gelangen. Den sich legitimirenden Verwandten werden wir den die Familienstistungen betreffenden Extrakt aus dem Testamente einhändigen. Breslau, im April 1846. Die Testaments-Erekutoren des Kommerzienrath-Fränckelschen Nachlasses. Samuel Jakob Levy Loebel Milch. Joseph Prinz. Gesuche. Von der hiesigen Gemeinde wird zu Michaelis d. I. ein Lehrer gesucht, der zugleich als Borbeter und Schächter fungiren muß. Das Gehalt ist auf 80 Thlr. Pr. Crt., freie Wohnung, Beköstigung und Holzbedarf, nebst dem nicht unbedeutenden Ertrag des Schachtens, festgestellt, und kann sich der Lehrer sein Einkommen durch den Unterricht im Deutschen bedeutend erhöhen. Hierauf Reflektrrende haben sich in portofreien Briefen zu melden bei dem Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Ncukalden in Mecklenburg-Schwerin. Pattensen bei Hannover. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen Religionslehrer, welcher möglichst das Schächter- und Vorsängeramt nach altem Ritus mit versehen kann, unter annehmlichen Bedingungen fördersamst zu engagiren. Hierauf Reflektirende wollen sich baldmöglichst wenden an D. M. Elias, Vorsteher. Ein iscael. Lehrer, der sowol für den Religionsals auch für den ganzen deutschen Elementhrunterricht von mehreren königl. preuß. Regierungen konzessionict ist, der zugleich Vorsänger und nöthigen Falls auch ümtt und

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