Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 15 (6.4.1846)
- Date
- 1846-04-06
- Page
- Seite 227 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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227 Literatur Ln Spanien unter der Herrschaft der Araber. Unter dem Einflüsse edler und wissenschaftlich gesinnter Kalifen wetteiferten, die Juden mit ihren arabischen Mitbürgern Ln den verschiedensten Zweigen der Wissenschaft, da sie nunmehr freier aufathmeten von dem geisterschlaffenden Drucke, dem sie unter der Herrschaft christlicher Regenten erlegen waren. War früher Babylon der Hauptsitz und der Schauplatz für das jüdische Geistesleben, so gewann jetzt das arabische Spanien diese Bedeutung und wurde ein neuer Heerd für jüdische Gelehrsamkeit, und eine sichre Stätte für die Beförderer derselben, nachdem diese das unglückliche Loos getroffen hatte, aus ihrem Vaterlande verjagt und durch die Aufhebung der babylonischen Schulen ihrer Wirksamkeit beraubt zu werden. Außerordentlich viel soll Rabbi Mose und sein Sohn für die Verbreitung der Kultur unter den spanischen Juden gethan haben. Derselbe war, nach einer Erzählung des Abraham ben Daud im Sepher Hakabata, mit seinem Sohne und zwei anderen Gelehrten auf einem Schiffe seinem Vaterlande entflohen und unterwegs von den Sarazenen gefangen genommen worden, die ihn nebst seinem Sohne als Sklaven nach Korduba gebracht. Daselbst losgekauft, begab er sich in die Synagoge, wo der Rabbiner des Orts gerade mit der Erklärung einer Stelle aus dem Traktat Joma beschäftigt war. Als Fremdling und mit zerrissenen Kleidern angethan setzte er sich bescheiden in eine Ecke und hörte aufmerksam zu. Als aber der Rabbi in der Erklärung auf eine Schwierigkeit stieß, sich verwickelte und nicht fort konnte, da trat der Fremdling aus der Ecke hervor, gab mit Bescheidenheit die Deutung der fraglichen Stelle und löste die Schwierigkeit. Da nun nach Beendigung des Vortrages, wie gewöhnlich, Leute an den Rabbi herantraten, um ihn über dies und jenes zu befragen, so lehnte er jede Entscheidung ab und verwies sie auf den zerlumpten Fremdling in der Ecke, der ihm an Kenntnissen weit überlegen sei, als den nunmehrigen würdiger» Lehrer der Gemeinde. Was der Redner auch für die Kultur der Juden in Spanien hätte günstiges sagen mögen, ein schöneres Zeugniß konnte er ihnen nicht geben als durch diese einfache Erzählung. Ein Günstigeres Licht, als auf den Ankömmling, fällt noch auf den Rabbi der Orts bei seiner Beschämung. Wo die Selbstverleugnung im Bewußtsein so tief wurzelt, daß alles und jedes selbstische Interesse, selbst da wo dieses rein geistig ist und ohne die geringste ungünstige materielle Nachwirkung im Auge behalten werden kann, verstummt und zurückgedrängt wird, da ist mehr als gewöhnliche Bildung. Der Mensch steht sehr hoch, welcher aus freier Selbstbestimmung sich so tief herabgesetzt erkennen und erklären kann, um der Wahrheit ihren bis m’§ Kleinliche vollständigen Triumpf zu erwirken. Herr Dr. Sachs hätte besser gethan, mit dieser Erzählung zu schlitzen, als uns unmittelbar darauf in den wenig übrigen Minuten auf ein neues Gebier nach Italien zu führen, wo uns zuerst das zusammengestoppelte Machwerk des Jostppon eutgegentrat, und uns kaum die Zeit zu vergönnen, das Schöne und Bedeutsame jener Erzählung aufzufassen. Ich erspare meinen Lesern und mir den weitern Bericht darüber bis zur nächsten Mittheilung. F. Sa moje. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Bei der hiesigen Korporation soll neben dem hier fungkrcnden Rabbiner die Stelle eines Rabbinars- Assessors kreirt werden. Zum Ressort dieser Stelle soll insbesondere das Abhalten deutscher Vorträge in der Synagoge allsonnabendlich und an Feiertagen, sowie die Leitung des Konft'rmanden-Untecrichts gehören. An fixem Gehalt werden von Seiten der Korporation 200 Thlr. jährlich bewilligt, doch kann ein Einkommen von mindestens 400 Thlrn. verbürgt werden. Kandidaten, die auf beregte Stelle reflektiren, mögen außer dem Curriculum vitae ihre Zeugnisse besonders über ihr absolvirtes triennum acallemicum und wo möglich auch ihre mnir recht bald portofrei an uns einsenden; wie ihnen dann über die Abhaltung von Probepredigten rc. das Nähere sofort mitgetheilt werden soll. Filehne a. N. im März 1840. Der israelitische Korporations-Vorstand. Hammerstein. Bei der hiesigen jüdischen Gemeinde wird zu Ostern d. I. ein Lehrer gesucht, welcher zugleich als Schächter und Vorbeter fungiren muß. Die Stelle trägt bei freier Mittag- und Abendbeköstigung, frei Logis und im Winter freie Heizung, an Gehalt 80 Thlr. Pr. Et. ein. Hierauf Reflektirende haben bei freier Einsendung ihrer Zeugnisse, und wenn es ein Ausländer einen Heimathschein ihrer Regierung beizufügen, sich zu wenden