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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-03-09 · Heft 11 (9.3.1846) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 11 (9.3.1846)
Date
1846-03-09
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 In Portugal sind bereits die Juden nicht selten. Aus einem Memoire des Herrn Joaquim Joze Ferreira Gordo, Mitglieds des Kapitels des Patriarchats und Erzbisthums von Lissabon und der Akademie der Wissenschaften, Oberbibliothekars der k'önigl. Bibtiothek, vom Jahre 1826, mitgetheilt in No. 48 dieser Zeitung vom I. 1841, zählte derselbe damals bereits über 2000, von denen 500 in Lissabon selbst. Sie sind größtentheils aus Afrika und tragen das Kostüm der Barbaresken. Einige von ihnen fabriziren türkische Pantoffeln, die Anderen treiben Seehandel, indem sie Getreide aus den Kolonieen nach Marokko führen, und dafür Gummi, Lack, Felle, maroquirtes Leder erhalten. Einige aus Gibraltar wohnen in Porto. Mehre durchziehen mit Waaren das Land, und werden nirgends beunruhigt oder beschimpft. Die Juden in Lissabon haben in Winkeln versteckt 3 Synagogen (eine sogar eine Zeitlang in einem Mönchskloster, und die Mönche wußten es wohl) und benutzen einen Winkel des englisch-protestantischen Gottesackers als solchen. Sie stehen unter englischem Schutze, und die Regierung duldet sie stillschweigend. Auch Spanien wird jetzt öfter von Juden besucht, wir glauben aber kaum, daß diese sich dort als solche zu erkennen geben. Einer unserer Korrespondenten ist in diesen Tagen dahin abgegangen, und hat uns Nachrichten, so viel wie ihm möglich, versprochen. Es ist demnächst wol an der Zeit, daß die Aufmerksamkeit aller einflußreichen Israeliten nach der pyrenäischen Halbinsel gerichtet werde, um die gesetzliche Duldung der Israeliten in Portugal und Spanien zu erlangen. Mau kann hierbei sicherlich nicht von egoistischen Zwecken sprechen. Es gilt einen Theils den immer größern Sieg der Glaubensfreiheit, jener Duldung, ohne welche die menschliche Gesellschaft niemals eine höhere Stufe erreichen kann, ohne welche Leidenschaften im Schooße der menschlichen Gesellschaft genährt werden, die der Obherrschaft der Wahrheit, des Rechts und der Liebe die feindseligsten sind. Jeder Stein, der zu dem erhabenen Bauwerk dieser Glaubensfreiheit und Duldung getragen wird, kann nicht bloß als eine Erreichung eines persönlichen Zweckes angesehen werden, sondern als im Dienste der Humanität dargebracht. Anderntheils kann es den zerrütteten und daniederliegenden Verhältnissen Spaniens selbst nur vortheilhaft werden, wenn Einwanderungen von Männern stattfinden, welche die gesunkene Industrie und den matten Handel Spaniens zu heben vermögen. In diesem Sinne ist es gewiß eine edle und .würdige Aufgabe, für die Wiederaufnahme der Juden in die pyrenäische Halbinsel zu wirken. Gewiß wird daher der edle Sir Isaak Lyon Goldschmid, Baron de Palmeira, unsere an ihn gerichtete Aufforderung berücksichtigen, und der Herr seine Bemühungen mit Segen krönen. Mögen diese Zeilen bei den höher stehenden Israeliten überhaupt ein geneigtes Ohr finden, um ihren Einfluß auf eine so gefahrlose, und doch höchst segensreiche Mission zu lenken. Zeitungsnachrichten. Großbritanieu. London, 28. Februar. (Privatmitth.) Sir Moses Montsiore ist nach St. Petersburg abgereist. Es versteht sich von selbst, daß man für den Augenblick nichts hinzufügen kann, als den innigsten Ausdruck der ihn begleitenden Segenswünsche! London, '25. Februar. (Privatmitth.) In Deutschland wird der Zwang, den vr. Adler unlängst gegen Einige von den, zur reformirten Synagoge in Burton Street Gehörigen bei ihrer Vermählung ausübte, indem sie zuvor sich von dieser lossagen mußten, ebenso ausgefallen sein, wie daß die Betreffenden dies gethan. Da vr. Adler durchaus in Deutschland diese Entschiedenheit nicht zeigte, daselbst auch einen unendlichen Lärmen gegen sich erregt haben würde, man sich aber auch nicht einbilden wird, daß die Betreffenden es lediglich gethan, um den Segen Avler's zu empfangen: so bedarf dies einiger Erläuterung, durch die ich zwar das Verfahren Adler's an sich durchaus nicht rechtfertigen will, doch aber den Einblick in die hiesigen Verhältnisse erleichtern werde. Hier in England findet durchaus nicht jene Verschwommenheit der Parteiungen statt, wie in Deutschland. Mit Nichten besteht hier eine immense Masse derer, welche, wie Röhricht, sich nach dem Winde beugen, bald dahin, bald dorthin sich neigend, und darum jedes charakteristische Benehmen verurtheilend. In England muß ein Jeder, der eine öffentliche Stellung einnimmt, ein festes Prinzip annehmen, und dieses Prinzip in allen seinen Konsequenzen verfolgen. Jedes Schwanken stürzt ihn unverzüglich

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