Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1846)
- Date
- 1846-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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x. Jahrgang. Allgemeine No. 8. Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 16. Februar 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22-J- Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Ueber die Stellung der Juden in Deutschland. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Leipzig. Preußen: Berlin, Magdeburg, Breslau, Stettin. Oesterreich: Altofen, Prag, Prag. Rußland: Petersburg, Riga (Schluß). Personal- und Lokalnachrichten: Breslau, Hagenau. Literarische Nachrichten: Magdeburg (Fortsetzung), Leipzig. Leitender Artikel. Magdeburg, 10. Februar. Ueber die Stellung der Juden in Deutschland. Es ist eine alte, geschichtliche Wahrnehmung: „am Buntesten sieht es im heiligen römischen Reiche ans", die aber mit dem heiligen römischen Reiche nicht geschwunden ist. Deutschland war zu aller Zeit der Tummelplatz aller Parteien, weil eben — keine Partei in ihm ist. Während in allen Staaten eine oder zwei entschiedene Parteien bestehen, welche tu strenger Konsequenz ihre Handlungen bemessen, bei denen alles Thun und Treiben wie aus einem Gusse, von einem Prinzips beherrscht wird — wankt man in Deutschland von einer Seite zur andern, ist bald liberal, bald radikal, bald konservativ, bald alles drei mit einem Male, so wenig dies möglich scheint. Nichts schwieriger demnach, als aus Deutschland über den Stand einer Frage zu berichten, da die nächsten Tage diese wieder 100 Meilen rückwärts finden können, nachdem sie eben in raschem Vorwärts begriffen schien. Wenn in einigen Ländern Vieles „mit Dampf vorwärts" geht, so geht in Deutschland Alles „mit Dampf — im Kreise herum." Wer z. B. hätte nicht im vorigen Jahre über die vielen Beweise der freisinnigen, gerechten Gesinnung, die sich in Deutschland kund that, in Bezug auf die Juden, jnbiliren sollen? wer sich nicht der erfreulichsten Hoffnung hingeben? Die preußischen Städte mit ihren Petitionen! die preußischen, posen'schen, märkischen, schlesischen, rheinischen Landstände! Braunschweig mit landständischer Wählbarkeit! Hessen-Darmstadt mit Aufhebung des Napoleomscheu Dekrets! Die württembergischen Stände!- Die Brust hob sich, man athmete leichter. Aber als wenn sich der Wind mit Neujahr umgesetzt hätte! Zittel bringt eine Motion um Religionsfreiheit, beschränkt diese aber schnell trotz seinen hohen, überschwänglichen Worten auf die Deutsch-Katholiken. In Frankfurt am Main bildet sich ein allgemeiner „Reformverein", um auf die Reform aller Uebelstände zu wirken, man weist aber sofort die Juden hinaus — so weit hat man sich noch nicht selbst reformirt. In dem liberalen, oppositionellen Königsberg schließt man die Juden aus einem Unterstützungsvereiu aus. Die baier'schen Stände wundern sich, daß die Juden nur fordern können, man solle wenigstens die drückendsten der 110 Ausnahmen aufhebeu.