Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1846)
- Date
- 1846-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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X. Jahrgang. No. 6. Allgemeine Zeitung des Zudrnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Jutereffe. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigfter Konzession.) Leipzig, den 2. Februar 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Ln Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22} Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesctzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die köriigl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhiex unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Von der Lehre des Judenthums. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M., aus Mittelfranken, München, Hannover, aus Württemberg. Preußen: Wevelinghoven, Soest, Berlin, Thorn, Berlin. O e ste x r c i ch : Papa. R u ß l a n d: Riga. Personal- und Lokalnachrichten: London. Literarische Nachrichten: Magdeburg. Korrespondenz: Berlin. Vorlesung des vr. S. Stern. VI. Auszüge: Der Kamps auf einem Grabe. Geschichtliches Ereigniß aus dem Polenkriege. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 27. Januar. Bon der Lehre des Judenthums. H. V o n der O ffe n b a r u n g. (Fortsetzung.) Die nächste Frage wird immer sein: wenn eine göttliche Offenbarung stattgefunden, warum an Israel, warum nicht an alle Menschheit? warum nicht öfter? u. dgl. Diese Fragen lassen sich aber sehr leicht dahin beantworten: daß die Wahrheiten der Offenbarung von der Menschheit NU r auf dem Wege freier Entwickelung angenommen werden sollten. Alles Menschliche hat nur einen Werth, insofern es in freier Erkenntniß rezipirt und bethätigt wird. Alles, was dem Menschen und der Menschheit durch irgend einen äußern oder moralischen Zwang aufgedrungen wird, hat keinen Werth. Es mußte daher nur ein Gesäß vorhanden sein, in welchem der Menschheit die Wahrheiten der Offenbarung dargeboten würden, um in der fortschreitenden Reifung der Völker und des gesummten Menschengeschlechts von diesem erst theilweise, dann ganz erkannt und angenommen zu werden. Nur auf diese Weise konnten Offenbarung und Freiheit des Menschengeschlechtes mit einander bestehen — und auf diese Weise ist es geschehen, und geschieht immerfort. Also Israel war nur das Gefäß der göttlichen Offenbarung. Es giebt kein Stück Weltgeschichte, welches sich so a priori konstrniren laßt, wie die Geschichte des israelitischen Volkes. Gehen wir von dem Gedanken aus, daß Israel der Träger der göttlichen Wahrheiten für die gesammte Menschheit sein sollte und sein sott: so können wir uns die Geschichte Israels fast ganz zusammensetzen, d. h. alle Forderungen, welche der Verstand von diesem Gedanken aus an die Geschichte dieses Volkes stellen kann, finden wir auf die überraschendste Weise verwirklicht. Auch daraus leuchtet uns überall die Wahrheit der göttlichen Offenbarung entgegen. Tie erste Bedingung mußte sein, daß dieses Volk als Träger der Offenbarung einen Bestand habe, bis daß der Inhalt der Letztem in die gesamune Meuschheit übergegangen. Das Gefäß darf nicht eher zerbrochen werden, als bis der Inhalt entnommen worden. Und so sehen wir auf eine an's Wunderbare grenzende Erhaltung des