Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1846)
- Date
- 1846-01-26
- Page
- Seite 75 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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75 einer rohen Auffaffungsweise, bekundet, mit Eifer niederzukämpfeu und zu entwaffnen. Die Regel, Keinen zu verdammen, bevor man ihn gehört habe, solle man auch auf jene alten Weisen anwenden und erst den Talmud kennen lernen, ehe man urtheile. Einige Proben, die der Redende gab, dienten dazu, die einfache und gesunde Lebens- und Anschauungsweise der Rabbinen zu charakterisiren, und sie von dem Verdachte der zu strengen Askese zu befreien. Kein Standpunkt des Menschen, keine Lage des Gemüths sei von ihnen unberücksichtigt geblieben, sondern hier zeige sich ein erstaunenswerther Scharfblick in der Auffassung. Ihre Phantasie betätigte sich in der sagenreichen Ausschmückung jedes einzelnen religiösen Elementes. So wie der Charakter der griechischen Mythologie die Belebung und Personifikation der Naturgegeustände und Kräfte sei, so habe sich die Phantasie der Rabbinen in der Belebung und Personifikation des Abstrakten bethätigt, wie wir es im Midrasch erblicken. Die verschiedenen Lehren und Institutionen haben ihnen dazu reiche Ausbeute gegeben. Einige Proben, in metrischer Form vom Redner vorgetragen, zeigten bei der Abstraktion keine unwürdigen Ideen. Der Gedanke, daß die Lehre schon vor Erschaffung der Welt vorhanden gewesen, den eine derselben manifesirrte, sollte von der Vorstellung ausgegangen sein, daß das Gesetz die Basis der sittlichen Welt und daher auch die uranfängliche Bedingung derselben sei. Hierin könne man eine begeisterte Anerkennung des Werthes der Lehre erblicken. Die andere Probe enthielt eine Personifikation des Sabbats, der sich dem Schöpfer vorstellt, um für Adam eine Gnade auszuwirken. Bei welcher Gelegenheit Adam als Danklied, weil er die Bedeutung und heilbringende Macht des Sabbats an sich erfahren durch Gewährung jener Gnade, den Psalm an den Sabbat gesungen habe, der später wieder dem Moses in den Mund gelegt wird. Diese Darstellungen zeigten von einer Naivität und Ungebundenheit, die der Logik kein Recht einräumen mag, und von einer lebhaften Phantasie, die sich zu keiner Rechenschaft verpflichtet fühlt. — Die fromme Innigkeit und das edelste Streben, das sich in allen diesen Dichtungen zu erkennen giebt, seien hinreichend, das härteste Unheil zu entwaffnen. Auch die Sittenlehre der Produzenten des Talmuds, in dem Lichte besehen, das in ihm selbst leuchtet, dürfe kühn und dreist mit der, welche so viele Kritiker und Verbesserer neuerer Zeiten leitet, in die Schranken treten. Einige Aussprüche, bestehend in Reflexionen, die der Redner zitirte, waren in psychologischer Rücksicht nicht uninteressant. Der eine enthielt den Gedanken, daß kein Mensch wegen seiner Stellung oder Berufsthatigkeit einen Vorzug vor dem andern verdiene, sondern daß alle Glieder der Gesellschaft als Menschen gleich berechtigt wären. Ter andere entsprang aus der Reflexion über die Mannigfaltigkeit der menschlichen Erscheinungen. Der dritte bekundete ein klares Dankbewußtsein für die Vortheile der menschlichen Wechselwirkung zur Befriedigung der Bedürfnisse. Der Dortrag wurde geschloffen mit der Bemerkung, daß die Betrachtung des Einflusses, den der Islam auf das Geistesleben der Juden ausgeübt, Gegenstand nächster Vorlesung sein würde. F. S a m o j e. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iVt Ngr. (l gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Die hiesige Gemeinde sucht für nächsten August oder spater einen tüchtigen Lehrer, der die israelitische Elementarschule übernehme, darin hebräischen, deutschen und womöglich französischen Unterricht ertheilen könnte, auch als Kantor in der Synagoge einen Chor zu leiten verstehe, außerdem auch in der Elementarschule Gesangunterricht ertheilen kann. Gute Zeugnisse müssen beigebracht werden. Der jährliche Gehalt betragt 250 bis 300 Thlr. Nähere Auskunft ertheilt auf frankirte Anfragen dcr israelitische Vorstand. Emanuel Nouff, Sohn. L. Lazard. I. Mayer. Saarlouis im Januar 1846. €5?” Wer alte ä'^eö einzeln oder in Parthien zu verkaufen wünscht, wird ersucht, der Redaktion d. Ztg. unter Zeichen N. B. Verzeichnisse cinzusendcn, die solche an einen soliden Käufer gelangen laßt. Vakanzen. Die hiesige israelitische Gemeinde beabsichtigt, zu bevorstehende Ostern (nvL) einen unverheiratheten Mann, der die Funktionen eines Synagogendieners, Re-