Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1846)
- Date
- 1846-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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X. Jahrgang, No. S Allgemeine Zeitung des Zudenthuws. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigfter Konzession.) Leipzig, den 26. Januar 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Vogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. rv. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22* Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Wie ist den russischen Juden zu Hülfe zu kommen? Zeitungsnachrichten: Frankreich: Paris. Italien. Portugal: Lissabon. Oesterreich: Wien. Deutschland: Dresden, aus Lachsen, aus Sachsen, Mainz, Frankfurt am Main, Karlsruhe, Höchberg, Buchau, aus dem Württembergifchen. Literarische Nachrichten: Miskolc;. Korrespondenz: Berlin. Vorlesung des Di*. S. Stern. V. — Sachs'sche Vorlesungen. V. Leitender Artikel. Magdeburg, den 18. Januar. Wie ist den russischen Juden zu Hülfe zu kommen? Wir hatten mit der weitern Beantwortung dieser Frage noch eine Zeit warten wollen, um zu sehen, ob sich wol anderswoher befriedigende Stimmen vernehmen lassen. Wir haben hier die praktischeste Sache von der Welt vor uns liegen, wo eine Idee, wo ein leerer Aufruf, wo Phrasen gar nichts auszurichten vermögen, sondern wo der Stoff der Frage auf's Schärfste ohne alle Jdealisirung in'S Auge gefaßt sein will. Folgendes ist cs, was bei sorgfältiger Prüfung der Sachlage sich uns ergab. I. Wir haben es hier nicht mit einer Laune, mit einer vorübergehenden Tyrannei, mit einem auftauchenden und wieder verschwindenden Gedanken — wir haben es mit einem festen, gegliederten und gepanzerten Systeme zu thun, das nicht mit seinem Urheber nntergeht, das seine ehernen Fundamente bereits im Herzen des Gesetzbuches und im Schooße der Regierung geworfen und fest^ gestellt hat. Wir können den Ursprung verfolgen bis zu der unheilvollen Theilung Polens hinauf. Diese machte eS bei der Feindseligkeit zwischen Russen und Polen als Nationen den Ersteren nothwendig, die Letzteren zu e ntnationalisiren, sie zu russifiziren. Der Widerstand der Polen, der sich wiederholt tatsächlich äußerte, mußte dieses Prinzip immer nothwendiger machen, und daher immer mehr entwickeln und ausbilden; und wie groß auch der Stillstand gewesen sein mag, den die Ansichten und Gefühle Alexanders hineinbrachten, er konnte nur ein zeitlicher sein. Die polnische Revolution von 1830, die Erfahrungen, welche die russische Macht Ln derselben machte, die öfter sich wiederholenden Verschwörungen, ja selbst der Tscherkeffenkrieg, mußten die russische Regierung zu der Ansicht bringen, daß sie ihrem größten Feind — nicht außen — sondern Ln den Nationalitäten der Völker zu suchen habe, aus denen der russische Koloß besteht. Sie mußte einsehen, daß der russische Volksstamm selbst jenen Nationalitäten zusammengenommen nicht die Spitze bieten könne, daß er nicht die Bürgschaft Ln sich trüge, die Suprematie, die er jetzt ausübt, sich zu erhalten, allen jenen Völkerschaften gegenüber. Die russische Regierung mußte daher auf ein Mittel denken, durch welches eine Einheit in die dem russischen Zepter unter-