Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1846)
- Date
- 1846-01-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. S X. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnadigster Konzession.) Leipzig, den 5. Januar 1846. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22^- Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Harfenklänge. Die alte Zeder. - Zeitungsnachrichten ^Nordamerika: New-V ork. Preußen: Trier, Schwerin an der Warthe. Deutschland: aus Baden, Hannover, München, Mainz, Karlsruhe. Rußland: Petersburg. Personal- und Lokalnachvichten: Jaroslau. Literarische Nachrichten: Magdeburg, Magdeburg. Korrespondenz: Berlin. Vorlesung des Dr. S. Stern. IV. H a r fe n k l ä n g r. Die alte Zeder. Auf hohem Felsenhort uralte Zeder sieht, Vom Sturm der vier Jahrtausende umweht; Die Wurzel hat sich tief in das Gestein gesenkt Und in die Risse ihr Geweb' gedrängt; Vom Naß der Wolken wird der Wipfel ihr getränkt, Daß er gar oft der Wolken Zug beschränkt. Uralte Zeder, sprich, wie ist Dein Stamm verwittert, Bemoost, gebeugt, zerrissen und erschüttert? Wie Deiner Aest' und Zweige Viele Dir entschlagen. Daß ihrer statt die spitzen Stümpfe ragen? Wie kannst Du immer noch so kühn zu stehen wagen? — Ein kleiner Schößling, möcht' ich also fragen. „Du bist noch jung, dieweil nur noch der Sonne Glanz Umspielte Dich, der Frühlingslüfte Tanz; Den Wandel kennst Du nicht, der ans der Zeiten Schooß Sich macht voll Schrecken und Bedrängniß los, Und steigend in der eignen Wuth wächst riesengroß, Bis Du Dich beugst, des Schutzes baar und bloß. Mich traf der Feinde Vollgewicht, der grausen Zeiten, Mir ward erspart kein Schreckniß und kein Streiten; Bald dröhnte Ungewitter, Blitze zuckten nieder, Zerschlagend mir die Hälfte meiner Glieder, Bald schwellte Ström' empor des Sturmes Nachtgefieder, Daß ste der Wurzeln stärkste rissen nieder. Bald senkten sich Lauwinen von der Gletscherhöh', Begruben mich mit Bergen Eis und Schnee, Daß vieler Jahre Sonnen kaum den Riesenfall Verwandeln kouuteu in des Wassers Schwall, Und ich, befreit, erlöset von dem starren Wall, Begrüßt' mit Freudenruf das freie All. Sieh, darum ist mein Stamm zerrissen nnd zersplittert! Doch fragst Du mich, warum ich unerschüttert Noch immer mag auf hohem Felsenhorte ragen Und in die Wolken meine Wipfel tragen, Und, ob mir auch der Aeste Viele sind entschlagen, Ich unermüdet sprieße, ohne Zagen? Dieweil ich treu auf meinem Felsenhorte blieb, Mich Sehnsucht nicht zur fetten Ebne trieb: