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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-01-01 · Heft 1 (1.1.1846) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 1 (1.1.1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Laut tönet durch der Feinde Schwarm Der Siegerruf, und weit; llnb wird mit Schweiß und Blut Um jeden Fuß breit Land gelitten: Der Wahrheit ewig Gut Wird, was sie einmal sich erstritten. So sammelt Strahl um Strahl Die Menschheit sich zu immer hcllrer Leuchte, Bis daß sie einst das ganze Erdenthal Als goldne Sonne klar durchleuchte- Dann geht sie nimmer, nimmer wieder nieder. Ein Band umschlingt der Menschheit Glieder, Auf immer wich die Nacht, Und alle Ehr' ist einem Gott gebracht! — Das weißt du, und du könntest zagen, Wenn es nicht will auf einmal tagen? Weil Nebel immer wieder dringen Ums Morgenroth mit weißen Schwingen? Und weil der Finsternisse Knechte Verkündend droh'u mit Mund und Rechte: „Verflucht sei eures Lichtes Pracht! Denn wieder kommt die Nacht!" Sie kommt nicht wieder, wo mit Prangen Ist unsres Gottes Sonne aufgegangen! Du wüßtest nicht, daß erst der Eiseshauch Des Nordwinds sich erhebt, Daß erst der Höhenrauch Am Stärksten aus der Nied'rung schwebt, Wenn quillet auS des Himmels Thor Des Morgenrothes erster Strahl hervor? Es ruft die Wacht: Die Nacht, Sie ist vollbracht! Mit frohem Muthe faltet Der Wissende dem Gott, der waltet, Die Hände: Daß Er in Gnade wende Zum Tage Ach, alle Seine Kinder! Und sonder Klage Alle sind' Er!! Darauf vertraut, Und schauet, Und hebet mit verjüngter Kraft i Die Waffe, die — den Frieden schafft!! Leitender Artikel. Magdeburg, 23. Dezember. Von der Lehre des Zudenthums. I. i Vorn Umschwung der Ideen. I Wenn irgendwo sich die Wahrheit des alten Spruches:! „die Extreme berühren sich," bewährt hat, so ist es im j Gebiete des Judenthums. Fünfzig Jahre zurück und j heute! Welche Verschiedenheit, ja, welche Gegensätze! Und nun zwei Männer, in denen diese Gegensätze verkörpert sind, neben einander gestellt, was nirgends schwer ist, denn solche findet man überall. Machen wir uns aber diese i Gegensätze — abgesehen vom intellektuellen und sozialen j Boden derselben — deutlich, so sind es insbesondere zwei, aus denen die anderen dann fließen. 1) DerGlaube an die göttliche Offenbarung in solcher Naivetät, daß jeder Synagogentriller darauf zurückgeführt wurde, und der Unglaube an die göttliche Offenbarung, der entweder geradezu und unzweideutig sich ausspricht, oder sich in die Offenbarung vermittelst der Geschichte, und daß große Menschengeister eben die Offenbarung Geltes sind u. dgl. einhüllen, ohne zu bedenken, daß damit doch nur eine Eskamolage getrieben wird, denn wozu dann „göttliche Offenbarung"? Dieser erste Gegensatz tritt aber so grell hervor, daß es, wie es nirgends so viel Gläubigkeit, so viele widerstandslose Hingebung an Afterglauben in dieser Beziehung gegeben hat, wie unter den Juden, so auch nirgends so viel Unglauben an die Offenbarung sich gehäuft hat, wie jetzt unter den Juden. 2) Der Werth der religiösen Formen, der so hoch bei den Juden gestellt war, daß die Uebung derselben das ganze Leben des ganzen Juden einnahm, und daß diese Uebung auch ohne innere Sittlichkeit, vom Individuum hoch angeschlagen wurde; und die Hintansetzung der religiösen Formen, welche bei Manchem bis |utu Haß gegen die religiösen Formen geht, und die sich jeglichem gemeinsamen Leben der Synagoge entziehen will.

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