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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-12-25 · Heft 53 (25.12.1848) · p. Seite 755

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 53 (25.12.1848)
Date
1848-12-25
Page
Seite 755 (sequence 3)
Language
German
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755 Albions überschritten, und an der russischen Grenzsperre noch keinen Einlaß gewonnen haben — mag es selbst in Deutschland, zwar von den Lippen seiner Gesetzgeber und im Herzen eines großen Theils seiner Völker wiederhallen, -aber in der Wirklichkeit noch viele Hindernisse zu überwinden haben — es ist doch da, es ist gegeben, es ist ausgesprochen, es hat den Thron der Welt bestiegen, es wird die ihm noch den Gehorsam versagen, zu bändigen wissen, es wird das siegreiche Szepter sich niemals wieder entreißen lassen. Und durch diese „Gleichheit vor dem Gesetze" haben wir Juden denn mit einem Male den Wüstensand von unseren Füßen geschüttelt, und die Joche von unseren Nacken genommen und zerbrochen. Wir sind Menschen, freie Menschen geworden, deren Glauben ihnen nicht mehr eine weltliche Fessel in die Wiege legt, deren Bekenntniß ihnen nicht mehr eine Pfrieme ist, welche das Ohr zum Zeichen ewigen Sklaventhums an die Pforte bohrt. Wir sind Bürger, freie Bürger geworden, wo man uns so lange die Thore des bürgerlichen Lebens vor der Nase zuschlug, wo man, als man die Thore öffnen mußte, immer neue Jnnenpforten errichtete, welche uns dennoch nur eine und die andere Vorhalle gestatteten. Dies Alles hat uns das Jahr 1848 gebracht, dessen Geschichtefür die Juden allein einen ganzen Band ausmachen wird, eine Jahreszahl, welche-eine Epoche bilden wird in unserer Geschichte. O, wir wären sehr undankbar, wenn wir dich, Jahr 1848, nicht mit unverlöschlichen Chiffren in unsere Herzen eingrüben, wenn wir dir nicht in unseren Herzen einen Altar errichteten, auf dem Opfer Weihrauchwolken duften Menschengedenkenlang. Wer hat es geahnt, M du anbrachest? als du bescheiden und einfach in die Welt tratest. Niemand sah es dir an, ganz im Gewände deinen gewesenen Brüdern gleich? Bald aber warfest du die Hülle ab, und standest da in deiner welterschütternden Macht und Kraft. Freilich! hast du auch viel Schmerzen gebracht; Blut ist geflossen, Thränen nicht minder; vieler Einzelner Glück ist zertrümmert oder beschädigt; Vielen hast du Sorgen bereitet und Verluste — und nicht allein Solchen, die es verdient und die es unmittelbar treffen mußte. Aber du erhebest deine gewaltige Hand, und sprichst: „So Ihr darum mich verwünschet, seid Ihr selbst ein verwünschtes Geschlecht; so Ihr darum mir fluchet, seid Ihr meines Segens nicht werth. ^Jch Habe meine Schritte gezügelt nach Kräften, Habe , meinen Fuß so. sanft wie möglich hingefetzt; aber ich hätte nicht -wandeln können zu meinem Ziele, hatte Alles verschont bleiben sollen"- Nein, erhabenes Jahr, wir wollen dir keine Thränen weinen, wir wollen tragenwas wir-zu tragen haben, um dessentwillen, wessen du uns erleichtert hast, uns und unsere Nachkommen.... Ein inhaltsreiches Jahr, wo der'Kampf hin-und herwogte, wo Viele sanken und wieder stiegen, Viele stiegen und wieder sanken; wechselvoll, überraschend, jeglichen Tages ein Neues, Erstaunendes. Aber was es auch brachte, was es auch wieder zurückgeöracht, das,da schon in wilder Flucht geflohen — das Eine hat es als unwiederruflichen Gewinn an die Stirn der zivilisirten Gesellschaft gebunden, ein kostbares Diadem: „die Gleichheit vor dem Gesetze." Die Länder, die sich vor ihm verschlossen, werden sich ihm öffnen müssen, früher,, spater, balder als sie es denken; diejenigen, die ihm noch widerstreben, werden sich fügen müssen, zu ihrem eigenen Schaden, wenn sie dagegen ankämpfen. Es ist erwacht, es ist zum Bewußtsein gekommen in der Brust aller Menschen, daß die Gesellschaft sie ihrer, von Gott verliehenen Gleichheit der Berechtigung nicht berauben könne — und was erst als Wahrheit erkannt ist im Geiste -der Menschen, das kann niemals auf die Dauer unterdrückt werden. Hat uns so das Jahr' ein Großes und Herrliches gebracht: vergessen wir nicht, daß eß W Hs ist, -diese Gabe würdig zu benutzen, und gedeihlich für uns und Andere zu machen. Jg, unser Pfad ist jetzt ein anderer, denn ehedem, ein Weg, wie wir ihn bis jetzt noch nie beschritten hadern - Die Menschheit äst-jetzt H uns getreten, und spricht: „wir wollen einen Schleier breiten über die Vergangenheit; sie soll'uns nur noch Warnung sein vor dem, wohin den Menschen Unrecht und Jrrthum bringet—" So wir in der Zukunft nicht ganzen Herzens mitstrebten am großen Werke der Menschheit, so wir besondere Wege gingen, und ein anderes Interesse kennten und verfolgten, als das allgemeine: würden wir Verrath üben; es wäre Nichts, womit wir uns entschuldigen und rechtfertigen können. Jndiesem Sinne müssen wir unsere Jugend erziehen, und Heren Zukunft bereiten. Aber um so mehr müssen wir fest halten an unsere Lehre, treu anhangen unserm Bekentttniß. Das ist kein besonderer Weg, den wir gehen, denn Ihr -wisset, er ist für die ganze Menschheit; und was er Besonderes hat, das ist eben das Besondere, worin der Mensch' immer besteht, wozu er bestimmt ist, und was dem Allgemeinen 53*

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