Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 46 (6.11.1848)
- Date
- 1848-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIL. Jahrgang. Allgemeine Nö. 46. Zeitung des ZudenthumS. Ein miparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgartners Buchhandlung R-abbiner zu Magdeburg. jU Leipzig. Leipzig, den 6. November 1848. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 86 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Ln Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22\V Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die rönigl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Reaktion. Zeitungsnachrichtenr Deutschland.: Frankfurt a. M., Magdeburg, Anklam, Anklam, Stavenhagen, Bamberg, Neustadt a. d. Hardt. Ungarn: Pesth. Großbritanien: London. Kuriosum. Literarische Nachrichten: Berlin. Korrespondenzen: Debatten über das jüdische Schulwesen. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. ' Magdeburg, 36. Oktober. Die Reaktion. Sollte es wahr sein? Sollte nach dem raschen Vorwärts abermals ein Rückwärts kommen? Sollten mit den Stürmen des Herbstes auch die Stürme der Reaktion kommen, und die Eisdecke des Winters schnell sich legen über die Blüten und Früchte des denkwürdigen Frühlings und Sommers? Sollten endlich die Maschen des Nesses fertig sein, des lang und fein gesponnenen, das von Italien bis zur Ostseeküste wieder ausgebreitet werden soll über Deutschland? Und wird das Netz stark und dauernd genug sein, um wieder niederzuhalten, was so stürmisch, so unaufhaltsam emporgekommen? Und wie wird es dann d em Theile des Volkes ergehen, den die ungünstige Laune der Gewalthaber stets am Ungünstigsten traf, und auf das man allseits die Unbill zu walzen, immer am Geneigtesten ist—den Juden? Wird ' man ihnen die zugesagte Gleichstellung schnell wieder zerbrechen, und die Kette des alten Gesetzes wieder anlegen? Oder wird man's ihnen noch saurer machen, denn vordem,- denn wer wollte dem wehren? Solche, Fragen ziehen jetzt durch die Brust jedes Besonnenen: denn der Sturmvögel sind schon genug anhergeflogen, und haben den nabenden Wetterbruch verkündet.... Der Leser kennt uns; feit v/elen Jahren haben wir uns ein bescheiden Plätzchen neben dem Steuerruder und Kompaßhäuschen der Zeit aüsgewählt, wo wir das Schiff bei seinem Fluge durch.die Fluchen beobachten. Dann weiß er auch, daß wir just nicht geneigt sind, schnell zu verzagen. Wir haben unsere Brust an den Wechsel deS Wetters gewöhnt, und Sonnenschein und Re'gen zu ertragen gelernt. Wir haben uns einen unverwüstlichen Sinn, eine nimmer zu erschütternde Zuversicht auf die Lenkung der Geschicke von oben her angeeignet. Aber die Geschichte lehrt uns, daß die göttliche Vorsehung der Menschheit großen Wandel nicht erspart, und oft ganze Geschlechter aufgiebt und hingiebt für die Zukunft. Wie? sind wir vielleicht noch zu leicht befunden worden auf der Wageschale des Gerichts? Sind wir noch nicht würdig und befähigt für. das köstliche Geschenk der Freiheit? Muffen wir erst noch eine große Schule des . Kampfes und der Mühsal durchwandern, bevor wir hoffen können, ein Dauerndes zu erlangen? Ja, so weit wir sowol die wirklichen Verhaltniffe