Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 38 (11.9.1848)
- Date
- 1848-09-11
- Page
- Seite 551 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225590--09655-3237928- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
551 an der Sekte ihres Vetters zur Stadt hinaus. Denn der Hausirer wohnte draußen in der Rossau*). Seine Frau und Kinder hießen die Angekommenen freundlich willkommen, wiewol sie selbst in zwei kleinen Stuben sich ganz enge behelfen mußten. Auch ihnen mußte Resel den Zweck ihrer großen Fahrt nach Wien berichten, aber auch sie wunderten sich nicht im Geringsten. Nur der Student, der den Lehrer der Kinder Szimches vorstellte und dafür Kost und Quartier bekam, zeigte darüber einiges Befremden. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Debatten über das jüdische Schulwesen. (Fortsetzung aus No. 81. 32. 35. 36. 37.) IX. Von dec Warthe, 22. August. Erwiderung an Herrn Jakob Wedell in Anklam von einem Lehrer an der Warthe. Zuvörderst/ verehrter Herr Kollege, einen herzlichen Brudergruß und Händedruck von einem Amtsbruder in der Ferne. Ihr wackeres Auftreten in diesem Blatte für die Interessen der Schule und Ihrer Amtsgenoffen sichert Ihnen kollegialische Achtung in einem weiten Kreise Ihrer Amtsbrüder. Nun, Sie wünschen in Num. 32 die Aeußerungen anderer Lehrer über den dort beregten Gegenstand. Ich hatte es bereits gethan, ehe mir dieser Wunsch zu Gesicht gekommen war, und muß zur Rechtfertigung meiner Ansicht, die mit der Ihrigen divergirt, hier noch Manches nachholen. Sie bekämpfen die Simultanschule selbst als Staatsanstalt, weil die Anstellung jüdischer Lehrer an solchen Schulen nicht zu erwarten steht, und dann der Wächter fehlt, der die jüdischen Kinder vor der Aufnahme spezifisch-christlicher Lehren wahren soll. Mir erscheint diese Furcht ganz unbegründet. Wenn die Schule Staatsanstalt wird, dann muß auch der Staat sich die Anstellung der Lehrer Vorbehalten, und kann die Vokation derselben mindestens den Gemeinden allein nicht überlaffen. Konfequenterweise müssen dann auch Simutanseminarien entstehen, und für die Anstellung der Se- *) Eine Vorstadt Wiens am Donauufer/ mknarksten, natürlich auch der jüdischen sorgt er dann, wie er schon heute für die der christlichen sorgt. Dann ist es aber auch vom Geiste der Simultanschule zu erwarten, daß jeder Lehrer an derselben bemüht fein wird, seine Vortrage von der konfessionellen Färbung zu befreien. Anfangs wird das freilich etwas schwer halten, weil die Eichhornsche Christlichkeit allen Beamten seines Refforts noch zu sehr in den Gliedern steckt. Nach und nach wird sich das schon machen. Man kann wol das Kind für seine konfessionelle Anschauung gewinnen, nicht nur beim Geschichtsunterrichte, sondern bei fast jedem Unterrichtsgegenstande, aber man kann auch von der Konfession ganz abstrahiren und dennoch ein tüchtigen Lehrer der Geschichte sein. Wäre das nicht möglich, dann könnten wir auch nicht mit gutem Gewissen die Zulassung der Juden zu den Gymnastallehrerstellen annehmen. Warum sollte aber der Professor wol nicht ebenso gut den Idealismus im Griechenthum, den Republikanismus der Römer, den Geist des Ritterthums im Mittelalter und den des Humanismus in der Neuzeit auffaffen, wie der Professor Christian? Alle historisch merkwürdigen Personen und Ereignisse lassen sich ganz gut begreifen und darstellen, ohne dabei von feiner konfessionellen Anschauungsweise influirt zu werden; ja, das ist sogar nothwendige Eigenschaft eines Geschichtlehrers. Will aber der christliche Lehrer Proselyten machen, dann nützt der jüdische Lehrerwächter Nichts, denn ist das Klassensystem an der Schule herrschend, hat er ja nur Einstuß auf seine Klasse. Gilt das Fachsystem, so kann ec doch nicht erlangen, daß man ihm den Geschichtsunterricht der christlichen Kinder übertrage. Man muß aber dem guten neuen Geiste vertrauen, der wird solche Auswüchse schon unterdrücken. Der Sabbat ist auch nicht gar ein so großes Hinderniß. Der Nachmittag ist in der Regel vakant. Um 9 oder 10 Uhr wird ihm die Entfernung zum Gottesdienste gestattet, und früher braucht nicht gerade Zeichnen von ihm gegeben zu werden. Bei einer vielklassigen Schule läßt sich das schon einrichten. Durch einen Brief noch besonders veranlaßt, wünschen Sie, lieber Kollege, von der Redaktion energisches Auftreten im Interesse der jüdischen Privatlehrer. Mich däucht, daß der verehrte Redakteur, wie immer, auch hier den richtigen Takt inne gehalten. Die öffentlichen jüdischen Lehrer sind den christlichen jetzt gleichgestellt und in den Konferenzen zugelassen. Die jüdischen Privatlehrer können vor den christlichen durchaus keinen Vorzug beanspruchen. Das Argument des Nichtvertretenseins ist