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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-08-14 · Heft 34 (14.8.1848) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 34 (14.8.1848)
Date
1848-08-14
Page
Seite 482 (sequence 2)
Language
German
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482 Iudenheit als Solche ein allgemeines, gemeinsames Interesse hat, 2) die lange Gewöhnung des Juden nur einen passiven Widerstand zu leisten, zu dulden, aber nicht zu kämpfen, zu vertheidigen, aber nicht den Feind anzugreifen, daß diese beiden Gewöhnungen, denen die Masse sich noch nicht entschlagen kann, die Hauptursachen der Lässigkeit, Trägheit, Unbeweglichkeit in den gemeinsamen Angelegenheiten sein mußten. Dies ist nun die Frage: wird es anders werden? wird jetzt, wo es überaus nothwendig ist, daß die Herzen und Geister ergriffen werden, um unter dem Flügelschlag einer neuen Zeit den alten Bau des Judenthums von Neuem zu begründen, daß sich auch auf ihm die neue Zeit lebendig aufzubauen vermöge, wird jetzt dergleichen vor sich gehen? Wird es jetzt gelingen, mehr als eine kurze, oberflächliche Erregung zu bewirken? Wird jetzt mehr daraus werden, als daß, um volksthümlich zu sprechen, Einige die Köpfe zusammenstecken, und, wenn sie sie wieder auseinander thun, Alles eben wieder vorüber ist? Es gilt hier jetzt die Sache der Synode. Eine aus dem Volke selbst hervorgehende Synode ist die letzte Instanz, ist der letzte Versuch, eine Neugestaltung da hecvorzubringen, wo sie nothwendig geworden, und wo alle anderen Versuche scheiterten, und zwar scheiterten, weil He nür theklweise Versuche waren; steift eine Appellation an die Masse, um durch sie zu bewirken, was sonst Niemand bewirken konnte. „Eine Neugestaltung, wo sie nothwendig geworden." Daß eine solche nothwendig geworden, brauchen wir nicht lange zu erweisen. Es sehe nur Jeder um sich herum, es sehe nur Jeder auf das aufwachsende Geschlecht, und die ihm eingepflanzte Richtung, es sehe nur Jeder darauf, ob das alte Judenthum mit Allem, was jetzt vorgeht, sich noch lange vereinbaren lasse — dann hat er sich selbst die Antwort gegeben. Zu dieser Neugestaltung wurden viele Versuche gemacht, man verschönte den Kultus, die Presse arbeitete, Rabbinerversammlungen wurden abgehalten. Alle diese Versuche haben denselben Erfolg gehabt — nach kurzem Leben starben sie ab, siedrangen wenig in die Masse ein, sie überwältigten dieselbe nicht, einige Athemzüge und es war wieder vorbei. Man fragt: warum? Sehr einfach, weil die Bewegung nicht aus der Masse selbst hervorging, und weil sie eben überall nur ein theilweises Uebertünchen einiger wunden Flecken waren, nicht aber auf den Kern der ganzen Frage eingingen. Dieser Kern der ganzen Frage im heutigen Judenthum ist offenbar: hat das Formgesetz für die gegenwärtigen Bekenner des Judenthums noch religiös verpflichtende Kraft oder nicht? Es Hilst wahrlich Nichts mehr, um den Brei herumzugehen, ohne ihn zu berühren, weil man sich die Finger daran verbrennen könne. Es gilt endlich einmal die Wahrheit unumwunden auszusprechen. Die Rabbinerversammlungen fühlten wol auch, daß dies die Lebensfrage sei — aber sie nahmen nur immer ein Stückchen vor, statt die ganze Frage. Sie debattirten über die Verpflichtung zur hebräischen Gebetsprache, über die Verpflichtung zur Sabbatgrenze, zu den unbiblischen Festtagen rc. Aber diese Brocken konnten eben die Sache nicht zu irgend einer Entscheidung bringen. Das Leben stand an der Pforte und klopfte mit der Frage an: hat das ganze Formgesetz noch religiös verpflichtende Kraft oder nicht? aber sie wiesen es mit dieser Frage ab, und suchten es mit kleinen Schnittchen zu sättigen. Da wollte es denn zuletzt Nichts mehr davon wissen. Als nun gar die Rabbinerversammlung unter Geig e r's Leitung diese Frage nicht einmal in der Verhandlung über den Sabbat zulassen wollte, war jene von selbst lobt. Also dies ist die Frage, dies ist die ganze Frage, und eine Entscheidung über diese Frage kann und soll von einer Synode, die aus allen Theilrn der Masse zusammengesetzt ist, getroffen werden. Indem im Leben ein sehr großer Theil der Juden, namentlich der Jugend, das ganze Formgesetz verlassen hat und sich höchstens nach Belieben bald dieses, bald jenes Stück bewahrt; indem andrerseits ein großer Theil der Juden, namentlich der an Jahren älteren, das Formgesetz in seinem ganzen-Umfange noch festhält—ist es eben die Lebensfrage: ob das Formgesetz religiös verpflichtende Kraft habe oder nicht? Also die Synode. Wir sagten, daß diese die letzte Instanz, der letzte Versuch sei, in und aus der Gesammtheit eine Antwort für die Frage zu erlangen, und das Leben der Gefammtheit nach einer bestimmten Richtung zu konzentriren und zu bewegen. Würde die Synode nicht zu Stande, bei wiederholten Versuchen nicht zu Stande kommen, oder würde sie zu keinem Resultate führen — dann müßte man die Sache sich gänzlich allein überlassen, und ruhig Zusehen, was daraus würde, was in der allgemeinen Gährung der Zeit sich daraus von selbst gestalte.

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