Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 32 (31.7.1848)
- Date
- 1848-07-31
- Page
- Seite 467 (sequence 15)
- Language
- German
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467 damit man sich über die Zweckmäßigkeit der R.schen Methoden aus der Anschauung überzeugen könne. Hierauf theilten Cahn und Schneidacher ihre Beiträge zur hebräischen Fibel nach realistischen Grundsätzen mit. Das Urtheil der Konferenz über beide Arbeiten war durchaus befriedigend; man hielt es jedoch im Interesse der Sache für sehr wünschenswerth, beide Arbeiten vor ihrer Veröffentlichung einer strengen Revision zu unterwerfen. Nachdem die Abfasser sich hiermit einverstanden erklärt hatten, wurde Leser in Vorschlag gebracht, die Arbeiten durchzusehen und zu prüfen. Mit der Erklärung Lesers, das Geschäft der Revision bereitwilligst zu übernehmen, wurde die Sitzung Abends 8 Uhr geschlossen. Freitag den 28. April Morgens 7 Uhr. Die Konferenz versammelte sich wieder im Schullokale zur Prüfung der aus der Gemeinde Hovestädt- Herzfeld kombinirten Schule. Gegebene und wenige Tage vorher eingesandte Thematas waren: 1) Katechifation über das vierte Gebot: 2) Samuel und Saul (ihre Charaktere, ihre Beziehung zu einander, Rechtfertigung des Samuel) in der Form eines Gespräches abzuhandelru Außer diesen beiden Gegenständen wurde noch gewünscht: 3) hebräische, 4) deutsche Sprache. Um 10 Uhr wurden die Kinder entlassen. Um 10 ^/2 Uhr wurde die Debatte über den Schulbefund' eröffnet. Das Gesammtcesultat war, daß die Leistungen des Lehrers Blumenau während der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit an einer früher sehr verwahrlosten, Schule in jeder Beziehung Anerkennung verdient. Namentlich wurde lobend hervorgehoben: ad 1) Das Bestreben des Lehrers, das Zeremonialgesetz möglichst zu vergeistigen. ad 2) Spezielles und gründliches Eingehen in die Sach- und Zeitverhältnisse, so wie das Hervorheben alles Bedeutungsvollen und Hervorstechenden beider Persönlichkeiten. ad 3) Daß auch in dieser Schule wie in der zu Neukirchen die Mädchen besonderes Interesse am hebräischen Sprachunterrichte nahmen. Als eine didaktische Ausstellung glaubte man indeß bemerken zu müssen, daß der Lehrer ad. 1 die streng kathechetische Lehrform häufig mit der dialogischen-verwech-. feite, ein Fehler, in welchen junge Katecheten gewöhnlich zu verfallen pflegen. 12^/2 Uhr Schluß der Sitzung. Nachmittags 2*/2 Uhr dritte Sitzung. In dieser wurden bis zum Beginn des Abendgottesdienstes nachstehende Gegenstände besprochen und erledigt. 1) Es wurden mehre Schreiben verlesen. a) Ein Schreiben des Herrn Rabbiner vr. Phllippson, worin derselbe seine Theilnahme an dem Erblühen der Konferenz so wie seine. Bereitwilligkeit dieselbe tatsächlich zu fördern und nach Kräften zu unterstützen, aussprach. Hieran knüpfte sich eine kurze Debatte über die Nothwendigkeit exegetischer Studien für jüdische Lehrer; und wurde in dankbarer Anerkennung des Anerbietens des Herrn vr. Ph. und in Erwägung der Zweckmäßigkeit und Tcefflschkelt seines Bibelwerks, der Konferenzvorsteher ermächtigt 7 Exemplare der Philippsonschen Bibel zu verschreiben. Drei Mitglieder befanden sich bereits im. Besitze des genannten Werks. d) Ein Schreiben des Herrn Konsi'storkalrabbkners vr. Bodenheimer an Herrn Leser, dessen Sprachbuch betreffend. Die Konferenz war über den Inhalt dieses Schreibens um so mehr erfreut, als sie in demselben ihre früher ausgesprochenen Ansichten bestätigt fand. e) Ein Schreiben des Herrn Buchhändler Winker aus Paderborns worin derselbe sich erbietet, sämmtliche Schulschriften, welche etwa unter der Redaktion der Konferenz erscheinen würden, in Verlag zu nehmen. Die Konferenz nahm diese Offerte an und beschloß zur Zeit das Nöthige zu veranstalten. 2) Es wurde die Einführung einer übereinstimmenden Synagogenordnung im ganzen Konferenzbezirk beantragt. Nach kurzer Diskussion entschied man sich einstimmig für den Antrag. Man wählte als Norm die braunschweiger Agende, jedoch mit wesentlichen Modifikationen. 3) Ein Antrag um Petitkonirung der Konferenz an den Landtag wurde' deshalb-zurückgewiesen, weil die Mehrzahl der Mitglieder der Ansicht war, daß bei der allgemeinen Petition der westphalifchen Lehrer auch die jüdischen Lehrer genügend vertreten gewesen waren. 4) Ein Antrag auf Erweiterung des Statuts wurde bis zur nächsten Konferenz verschoben. 5) Ein Antrag auf allgemeine Einführung von Schulkassen zur Beschaffung von Schreibmaterialien für die Schule wurde zwar als zweckmäßig erachtet, es wollten sich jedoch, die Mitglieder nicht zur Einführung verpflichten, indem-leicht örtliche Hindernisse eintreten könnten.