Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-07-24 · Heft 31 (24.7.1848) · p. Seite 451

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 31 (24.7.1848)
Date
1848-07-24
Page
Seite 451 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225583--09548-3237814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

451 drießlichkeiten dabei entstanden zu sein; denn Aldobrandini droht mit seinem Abschiede als General der Bürgergarde." Korrespondenz. Debatten über das jüdische Schulwesen. Vorbemerkung der Redaktion. Wo so viele Dinge in einer bedeutsamen Krise begriffen sind, wo fast alle geistigen und materiellen Momente der Gesellschaft einer Neugestaltung entgegengehen, da ist es nicht zu verwundern, daß, so wie das Judenthum an sich, so auch das jüdische Schulwesen insbesondere in die Strömung der neuen Zeit hineingerissen ist. Glücklicherweise trifft es sich, daß, in einer langen Zeit der Apathie, sich ein tüchtigerer Lehrerstand auch unter den Juden herangebikdet hat, der nun, was vor einem Jahrzehend kaum der Fall war^ die Waffen selbst zu führen vermag. Es walten hier aber so bedeutende Fragen vor, daß sie mit einem Male nicht abgethan werden können. Darum eröffnen wir 'sehr gern, weil pflichtgemäß, mit dieser Korrespondenz einen Sprechsaal für diesen Gegenstand. Wir haben zwar unsere Ansicht schon in Nr. 26. und 27. kurz skizzirt, bemerken aber willig, daß die Frage noch nicht abgeschlossen ist. Wir werden daher mehrere Korrespondenzen und Entgegnungen mittheilen, bevor wir in einem Resume zu einem Schluffe zu kommen suchen werden. In Einer Nummer kann natürlich nicht Alles gegeben werden. Wir bemerken nur im Voraus, daß wir stets neben der Theorie auch den praktischen Verhältnissen Rechnung tragen, und zugeben, daß die Letzteren nicht sämmtlich von den Ecsteren überwältigt werden können. I. Steele <*. d. Rrrhr, 13. Juli. (Privatmitth.) Ich glaube Ew. Hochwürden, wie auch dem allgemeinen Interesse es schuldig zu sein, über die in unsrer Kreis- Hauptstadt am 10. d. M. abgehaltenen Zentral-Lehrer- Konferenz unter Vorsitz des Landraths und 8 Schulinspektoren berichten zu müssen, und bitte Ergebenst nach eignem Dafürhalten,'dasselbe in die Spalten Ihres hier vielgelesenen Blattes zu veröffentlichen. Ew. Hochwürden bin ich nachstehenden Bericht aus aufrichtiger Dankbarkeit schuldig, für das so warme Interesse, das Sie der Hebung unsres Schulwesens, und insbesondere dem Lehrerstande widmen. Aber auch von allgemeinem Interesse wird die Mittheilung ssein, da sie uns die Gesinnung von 121 versammelt gewesenen Lehrern unseres Kreises giebt, worunter ich der einzige jüdische war. Eine solche Gesinnung ist wissenswerth, da sie der Kernpunkt der Saat ist, die in das zarte, aber empfängliche Herz der werdenden Generation zur allgemeinen Erziehung uns sein muß. Daß ich der einzige Lehrer jüdischer Konfession war, lag in dem Uebel, daß alle jüdischen Lehrer bei der Einladung unbeachtet geblieben waren, obwol dieselbe auf Erlaß des Oberpräsidenten durch Landräthe, Bürgermeister und Schulinspektoren an alle selbstständigen Lehrer erfolgen sollte. Ich hatte mich nach geschehener Einladung sofort an den hiesigen Bürgermeister gewandt mit der Anfrage, ob ich besonders eingeladen würde, widrigenfalls ich um Bescheid der höhern Behörde antrüge. Gleichzeitig wendete ich mich an die katholische Lehrer- Konferenz, deren einziges jüdisches Mitglied ich schon seit 6 Jahren bin, auch aus diese Einladung für mich zu bestehen. Diese trug nun ebenfalls durch ihren Aeltesten darauf an, und bemerkte noch besonders, daß ich bestimmt sei, jedenfalls Theil zu nehmen. Das heißt Brüderschaft und Kollegialität! Da erfolgte nun unter Reskript vom 7. d. M. von der landrathlichen Behörde, „daß der jüdische Lehrer einzuladen sei." Nach Ablesen der Namen der versammelten Lehrer, vermißte ich dennoch den meinen, und auf die Anfrage des Vorsitzenden Landraths, ob Jemand anwesend sei, dessen Name nicht verlesen, trat ich auf, bemerkte dann, daß zwar ich nach geschehener Beschwerdeführung ringeladen, dies jedoch bei den jüdischen Kollegen des ganzen Kreises nicht geschehen, weßhalb ich jetzt erwarte, ob meine Theilnahme eine geduldete oder stimmberechtigte sei. Dies ward dadurch erledigt, daß ich, wie der später hinzugekommene jüdische Lehrer des Orts, der erst am Morgen nicht amtlich dazu aufgesordertwar, als stimmberechtigt aufgeführt worden. Dann erklärte der Landrath die Versammlung für eröffnet, und ich gebe im Nachstehenden die Beschlüsse in gedrängter Kürze. - Einstimmig war der Wunsch, Gleichstellung der verschiedenen Konfessionen im Volksschulwesen. 1. Der Staat behalte die oberste Leitung über daß-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.