Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 29 (10.7.1848)
- Date
- 1848-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225581--09504-3237768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. SS. xh. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums.; Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. ' Redakteur Verlag von I»r. Ludwig PHLlippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ju Leipzig. , Leipzig, den 10. Juli 1848. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen.. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für ,den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22^ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Vüchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohlldbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. I n h alt. Leitender Artikel: Ein Blick in die gegenwärtigen Zustände.- Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Posen, aus dem Großherzogthum Posen, aus Oberschlesien, Zülz, Berlin, Berlin, Hoppstätten, aus dem Fürstenthum Birkenfcld, Frankfurt a. M., Wien, Wien. Ungarn und die Nechsnländer: aus Siebenbürgen, Bonphüd, Pesth. - Nordamerika: New-Uork. Korrespondenz: Die Geschichte des jüdischen Schulwesens. Von Emanuel Hecht. Fünfte Periode. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 3. Juli. Ein Bliök in die gegenwärtigen Zustände. Fürwahr! die Zustände.der Menschheit, der europäischen Menschheit sind. In eine maßlose Verwirrung gestürzt, und, wie sie daraus zu lösen, ist Niemandem ersichtlich. Wir können sie allerdings nicht als die Folge irgend eines momentanen Ereignisses, wir können sie nicht als die Wirkung einiger Jahrzehenden, sondern nur als die Resultate der Entwickelung seit Jahrhunderten erkennen. Wir haben zunächst die politische Wirre zu beachten. Daß es im Mittelalter dem Adel gelang, das Volk seiner Freiheit zu berauben, daß es in der neuern Zeit der fürstlichen Macht gelang, den Adel zu brechen und sich zur absoluten Gewalt zu machen, und daß dieser ganze Gang einen solchen Zustand der Unfreiheit herbeiführte, daß die Völker ihn mit den Waffen des Aufstandes zertrümmern mußten, sieht der tiefer Blickende, und es wird ihm daraus klar, daß die politische Verwirrung, an der die Gegenwart krankt, ihren Ursprung in der frühest mittelalterlichen Zeit hat. Weit größer, weit furchtbarer ist die soziale Verwirrung, in die, wie ln eisten Abgrund, die Gesellschaft gestürzt ist. Sind es die Besitzlosen allein, welche zu klagen haben? SHen die Besitzenden nicht ihren Besitz von Tag zu Tag mehr schwindend Sehen die Gewerbtceibenden ihren Erwerb nicht immer mehr zusammenschmelzen? Und werden die Besitzlosen nicht dadurch der Noch immer mehr zugetrieben, daß die bisherigen Besitzenden an Zahl und Kraft unendlich sich verringern? ^— Aber auch hier sehen wir die Ursache nicht in Tagesereigniffen gelegen; auch hier sind es längst vergangene Zeiten, welche die Schuld tragen. Von der Zeit her, wo die germanischen Eroberer die Landstriche ungleich vertheilten, und zu Lehen machten, wo der Boden in den Besitz Weniger gerieth, welche den Landmann zu Leibeigenen knechteten; von dir Zeit her, wo die Industrie und der Handel allein die Stätten der Freiheit schufen und zu freien Menschen machten, wo daher Industrie und Handel als die alleinigen Hilfsmittel erschienen — von der Zeit her schreibt sich das Uebel. Was half die Aufhebung der Leibeigenschaft? Sie gab Freiheit,, aber keinen Besitz. Ein ungeheuer großer Theil der Menschheit war nun einmal auf eine übertriebene Industrie als alleiniges Erhaltungsmittel hingewiesen. Es kam ein