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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-06-12 · Heft 25 (12.6.1848) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 25 (12.6.1848)
Date
1848-06-12
Page
Seite 367 (sequence 15)
Language
German
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367 Beim Deutschlesen bediente matt sich des AeenaUrena rc. Welcher krasse Unsinn, welcher staunenswerthe Aberglaube von Hexen und Engeln, Beschreien rc. durch sülche Lesebücher in . das Gemüth des Kindes gesäet werden mußte, ist klar. Zum Glücke scheinen es aber die Kinder nicht gerade sehr weit darin gebracht zu haben, da die jüdischen Frauen bekanntlich iinbi», Letzteres o! ha! lasen und dabei an einen Sinnfehler nicht dachten. Beim jüdisch-deutsch Schreiben, zu welchem die Mädchen nicht einmal beigezogen wurden, wurde auf bloßes Nachmalen gesehen, das Lesen trat erst später ein. Man schrieb dem Kinde mit Bleistift vor und dies mußte sodann mit Tinte dieselben Formen nochmals überziehen, was als Anfangsübung eigentlich nicht, zu verachten ist. Der Pentateuch wurde in Extenso ohne Rücksicht auf die Fassungskraft*) des Kindes von Wort zu Wort, ohne den geringsten Vorbegriff von Grammatik beider Sprachen in einer ganz korrumpirten, oft vom Lehrer extemporirten Uebersetzung vorgenommen.' Bei Substantiv und Adjektiv wurde weder Geschlecht, noch Zahl und Endung, beim Verbum weder Person noch Zeit berücksichtigt. Verhältniß- und Bindewörter wurden ohne Ausnahme mit zu, von und und gegeben und die Empfindungswörter — wozu diese, da ja Nichts empfunden wurde! An Zusammenhang der Satze, geschweige denn der Perioden war kein Gedanke. Statt die Kinder auf die im Pentateuch so reich fließenden Quellen der Tugend und Religion, statt sie auf die wahrhaft rührenden *) Gegen solchen Unterricht eiferten zwar einige einsichtsvolle Männer, ihre Stimme ward aber gegen taube Ohren gerichtet. So spricht der Autor des Joseph Omez: „Ich kenne aus eigener Erfahrung viele verständige Personen, die nicht einmal recht lesen können, nur deshalb, weil sie in ihrer Jugend nicht gehörig unterrichtet wurden und man sie zu frühzeitig zum Unterrichte anhielt. Sie gleichen Pferden, die zu früh Berge zu besteigen hatten, so daß sie unfähig wurden, gewöhnliche Wege zu begehen. Man sollte durchaus keine Mischna und keinen Talmud lehren, bevor die Bibel gehörig ducchgenommen. Leider giebt es aber bei uns Rabbinen, die nie die Bibel gesehen." Aehnlich äußert sich der Verfasser des "isö!rna Er sagt unter Anderm: „Man fange mit dem Kinde keine neue an, bevor die begonnene ganz durchgenommen wurde, damit der Schüler etwas Zusammenhängendes und Vollständiges erhalte, und erst nach dem Jnnehaben der Bibel gehe man zur Mischna über, ich habe aber Keinen gesehen, der dies beachtet hatte." Musterbilder der darin auftretendm begeisterten Heroen mit Eifer und Nachdruck aufmerksam zu machen und so die Jugend für alles Große und Erhabene zu begeistern, wurden sie mit theologischer Spitzfindigkeit, mythischen Sagen der Vorzeit vollgepfropft, der Verstand zu verschobenen Ideen geleitet und so blieb Kopf und Herz wüste für's ganze Leben. Der Religionsunterricht — denn außer der Bibelübersetzung gab es keinen — wurde so zur schlechtesten und unhaltbarsten Grundlage, ohne Erläuterung und Belebung des Gemüthes, ohne Einwirkung auf Vorsatz und Entschließung, höchstens kamen kleinliche Erörterungen ohne Geist und Salbung und ohne Deutlichkeit und Klarheit für das kindliche Fassungsvermögen. Das Wesen der Religion zu lehren, die Hauptpflichten dem Kinde voczufühcen war weniger als Nebensache, kaum eines Seitenblicks werth. Natürlich, war es doch eben so heilige Verpflichtung, daß man die Nägel außer der Ordnung abfchneiden und den linken Schuh morgens nicht vor dem rechten anziehen dürfte, als: du sollst nicht stehlen, nicht betrügen, nicht verleumden. Es waren blos einige gelernte Formen, Zeremouieen und gelehrte Menschensatzungen, die man dem Schüler beibrachte und zu deren Befolgung anhielt und so wurden, genau betrachtet, nur ungesunde Religionsbegriffe unterhalten und gehegt, verderbliche Wahnbegriffe gepflegt und die Pflicht mißkannt, die der Mensch gegen die Menschen zu vollziehen hatte. Hatte der Knabe auf diese Weise den Pentateuch inne, so ging es nicht zu den Propheten und Hagiographen — diese blieben ewig versiegelte Briefe — sondern zu Ra sch i und Mischna über und doch waren es nur Wenige, die ungeachtet ihres langjährigen Unterrichts in den heiligen Schriften und trotz des Hinbrütens im Talmudischen einige reelle Kenntnisse in der Religion sich erworben, die Meisten verließen vielmehr die Schule fast ebenso leer, als sie in dieselbe traten, und wurden als allgemein tnisnati stigmatisier. Es waren immer nur Einzelne, die die täglichen Gebete verstanden oder den Inhalt des sabbatlichen Toraabschnittes loshatten, von einer grammatikalischen Auffassung ganz zu geschwekgen. Fragte man die Mehrheit des damaligen Volkes nach Zweck und Bedeutung einer Religionssatzung, nach dem Grunde der Festtage oder anderer Zeremonien, so würden ste sicher die Antwort schuldig geblieben sein. (Fortsetzung folgt.)

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