Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 22 (22.5.1848)
- Date
- 1848-05-22
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225574--09402-3237659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Recht auf Regierungen zu schimpfen. Alles, was geschah, zu, bekrittln, und sich auf das hohe Roß der Freisi'nnigkeit und; .der bessern Einsichtstzsi Hey.; -Äbex. als die FemrsrrÄs'd^ses'Liberasismüs kam) ÄS ekÄüf benkMetzs stein erwerblicher Schwierigkeiten und der materiellen Verluste gebracht ward — da hielt er nicht Stich, und zeigte sich als unechtes. Metall. 1 , Die Juden wären noch übler daran. Gegen sie kam noch der alte Haß, das alte Vorurtheil hinzu; .kaum durch die-Schwingen des.allgemeinenFreiheitaars gedeckt,, kamen die Antipathien sobald '/wieder zum Vorschein, als man sich wieder ein Wenig auf die Erde niederließ. Wenn die obere Schicht, wenn Alles, was dem gestürzten Systeme angehängen, die Juden als Theilnehmer der Volksercegung haßte,, so stand das Volk auch,, das untere,, seinenfeindseligen Triebengegen-die Juden offen'; die Einflüsterungen,, daß diese an allen Uebeln Schuld wären,, fanden ein-offnes Ohr; die Ausnahmestellung, welche die Juden an so. vielen Orten-noch einnehmen,, und .der geringere Schutz, den man-für sie voraussetzte,. mußte sie den AugendesPöbels sichtbar machen; und so blieb die Reaktion von oben und unten gegen sie nicht aus. Wo sie in Deutschland, und den angrenzenden Landern nicht wie im Fluge die bürgerliche Gleichstellung erlang! hatten, und dies, nicht..sofort gesetzlich ausgesprochen worden — da ist . sieschnell in's Stocken gerathen, undwird wol noch langeauf sich warten-lassen. In .Ungarn ist-sie geradezu. suspendier,, in Oesterreich auf. die erste Standeversammlung verwiesen-worden,, (und aus dieser ersten wird wol eine zehnte werden —), in den süddeutschen Staaten, Baden,. Württemberg, Großh.-Hessen, wosie zu den ersten.Errungnisien gehörte» wird sie-verschleppt, in Baiern. nur eine „Verbesserung" in irgend-eine Aussicht gestellt, in Hannover, Hamburg, Frankfurt ist.sie so. gut wie abgewiesen, in-Sachsen werden offenbare Umtriebe^ gegen sie gemacht. Kurzum-, die Reaktion hat überhaupt, hat aber insonders gegen die Juden ihr Haupt mächtig erhoben,, und wir werden nach einiger Zeit wieder nur die Lander,einzeln auszuzählen haben, in der die Gleichstellung .vollendet .ist, undeine Menge,, wo die Frage noch-auf demselben. Fleck-steht,.wie. eheoem.- Fürwahr, das darf uns nicht verzagt machen^ Unsere Leser kennen uns wol schon, wie wir Feinde. aller-Jllusionen sind,,wie wir gernder Sachlage offen in's Antlitz schauen, und.nicht, gutmüchsg..träumen,.wo.die Wirklichkeit zu sprechen angethan-.ist.--daß wü aber gerade darum den Much.nicht sinken lassen, freudig die Schritte. messen, die vorwärts gethan sind, un§ darauf die Hoffnung.-bauen, daß das Ziel erreicht werdewenn auch nichts tN,or.S?n, wenn auch erst in weiterer Zukunft. Der Weg ist Ägesieckt, wenw-auch uoch'«lange nicht geebnet, wenn auch noch mit großen Steinen besäet und holperig. Der Weg ist abgesteckt. Haben sich erst die Leidenschaf- .ten wieder beruhigt, dann wuH der Grundsatz der Freiheit, der Gleichheit vor dem Gesetze, der trotz allen Anfeindungen siegreich Fuß gefaßt, und unwiderruflich die Herrschaft errungen; hat,. dix I bürgerliche Gleichstellung herbeiführen, sei es nach geringerm oder größerm Aufschübe! Zeitungsnachrichtei». Deutschland. Hamburg, 13. Mai. (Privatmitth.) Soeben, Mittags, kommt Rießer von Lauenburg zurück, wo er-mit 63 Stimmen gegen 31 zum Parlamentsmitglied für das Herzogthum Sachsen-Lauenburg gewählt ist. Welch eine Zauberwelt! In dem ganzen lauenburgischen Gebiete darf Rießer nach den bestehenden Gesetzen nicht wohnen; in seiner Vaterstadt, die er bewohnt, steht-ihm nicht die geringste seiner Stellung entsprechende Karriere offen und da geht er hin als Repräsentant einesder ältesten und echtesten deutschen Volksstämme in das konstituirende Pangermanikon! Hamburg, 13.-Mai. (Privatmitth.) Ich habe mir aus allen die hiesigen Juden betreffenden Vorgängen der letzten Zeit eine kleine Chronik gemacht, die ich Ihnen hier mittheile. Am 4. März, ward im Hauseder patriotischen Gesellschaft eine vom0r. Wille abgefaßte Supplik an den-Rath, um politische Berechtigung sänumlicher bisher nicht berechtigten Staatsangehörigen, .worunter vornehmlich die Nicht-Grundeigenthümer. zu verstehen sind, .mit vielen Unterschriften versehen. Am selben Abendentstand ein Straßentumult, der mit-.Spolirung.des Hauses.des Bürgermeisters Kellinghusen endete und die ganze Stadt noch 4 . bis 5 Tage im Allarm erhielt, obgleich-, wenig oder Nichts nachsolgte. - Inzwischen berief-der-, Senat auf dem 13, eine Bürgerschaft zur Niedersetzung einer Reformdeputation. Am 9. ward, nachdem sich die verschiedenenpplitischen Vereine, namentlich der der