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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-15 · Heft 21 (15.5.1848) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 21 (15.5.1848)
Date
1848-05-15
Page
Seite 311 (sequence 15)
Language
German
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311 rechten Hand und mit bedecktem Haupte gesprochen wird. Einer Meineidsverwarnung durch den Landesrabbiner oder einen Religionslehrer bedarf es bei diesen Eiden nicht; jedoch hat die den Eid abnehmende Behörde den Schwörenden auf die Wichtigkeit der Handlung aufmerksam zu machen. §. 5. ■ In allen Fällen, wo eine schriftliche Vollziehung der Eidesformel oder eine bloße Versicherung anEid.esstatt hinreichend gefunden wird, ist, rücksichtlich der Förmlichkeit bei Vollziehung derselben, weder bei den Gerichten, noch bei anderen Behörden ein Unterschied zwischen Christen und Juden zu machen. §. 6. -. Alle älteren, den Judeneid betreffenden Verordnungen, auch diejenige vom 11. Mai 1832 wegen Eidesleistung jüdischer Aerzte und in Fällen, wo Juden als Kunstverständige einen Eid Mulegen haben, werden hiemit aufgehoben. Gegeben durch Unsere Regierung, Schwerin am 8. April 1848. (gez.) Friedrich Franz. (gez.) L. v. Lützow. — Wunder nimmt es jedoch, daß, während in dem großherzoglichen Wahlgesetze zur Beschickung von Abgeordneten in die frankfurter Nationalversammlung die aktive und passive Wahlfähigkeit, als nicht vom Glauben abhängig, ausgesprochen ist — in dem proponirten großherzoglichen Wahlgesetze für die künftige Landesvertretung dagegen dieser Punkt ganz unberührt gelassen wurde. — Hoffen wir von der gegenwärtigen Ständeversammlung, daß sie nicht stillschweigend darüber hinweggehen wird! 8. W. Galizien. LembevK, 2 Mai. Auch hier gab es einen Judenkrawall, aber in umgekehrter Weise., Die orthodoxen Juden stürmten das Haus des deutschen. Rabb. Abr. Kohn, der soeben aus Wien, wohin er an der Deputation der Stadt an . den Kaiser Eheil. genommen, zurückgekehrt war, um ihn zur Abreise nach Deutschland zu zwingen. Die Bürgergarde trieb die Meuterer zu Paaren. Ungarn. Pesth, 30. April. Dem Konst. Bl. aus B. wird geschrieben: Einen großen Fehler begehen die Deutschen im Lande, daß sie den durchwegs deutschsprechenden ungarischen Juden zurückstoßen, sie könnten an diesem rührigen, wohlhabenden und unterrichteten Volke einen tüchtigen Bundesgenossen haben. Statt den Juden an sich heranzuziehen, drängen sie ihn durch'kleinlichen Haß in die Arme des Magyaren, der sich seiner mit Wärme annimmt. In der letzten Zeit artete diese engherzige und schädliche Abneigung in die empörendste Versolgungssucht aus. In wol zehn von Deutschen bewohnten Städten wurde Leben und Eigenthum, der Juden bedroht; der aufgehetzte Pöbel versuchte sogar hier, in dem Sitz der Regierung und des Palatins, einen Angriff in Masse gegen einen Stadttheil, wo viele Juden wohnen, und nur die aufgebotene Nationalgarde und eine bedeutende Truppenmaffe konnte die beabsichtigte Plünderung verhüten. Dagegen ging es am Ostersonntag in Preßburg entsetzlich her. Dort wurde die Judenftadt 6 Stunden lang wie eine im Sturm eroberte Stadt geplündert und Nationalgürdisten in Uniform haben mitgeholfen. Unser Ministerium besitzt entweder nicht die Energie oder nicht die Macht, dieser Barbarei zu steuern; anstatt im Namen des Gesetzes und der Menschenrechte die Juden mit allen Mitteln zu schützen, gab sie dem Drängen der hiesigen Bürgerschaft nach, ließ den israelitischen Nationalgarden im Widerspruch mit dem Gesetze, das jeden Landesbewohner vom 18. bis 50. Jahre zum Dienst in der N. verpflichtet, die Waffen abnehmen und hindert unsere städtische Behörde nicht, die hier ansäßigen Juden, die nicht vor 1838 Jnkolatsrecht haben, aus der Stadt zu weisen. Diese Schwäche der Regierung und diese Uebergriffe der Bürgerschaft dürften sich vielleicht arg rächen, denn die neue Opposition soll bereits die magyarischen Bauern im Komitate, welche. den Juden Wohlwollen, aufregen, um sie in großen Schaaren gegen die deutsche Bürgerschaft und. nebenbei gegen das Ministerium zu führen. So viel ist gewiß, daß diese Woche an 100 Dorfrichter hier waren und beim Ministerium gegen die Judenverfolgung Einsprache thaten.

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