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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-08 · Heft 20 (8.5.1848) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 20 (8.5.1848)
Date
1848-05-08
Page
Seite 295 (sequence 15)
Language
German
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295 jährlich sich erneuerte *). Hatte sich nun ein Lehrer auf 2 Jahre mit der Gemeinde vereinbart, so war mit dem Artritte des Amtes auch sogleich die Verpflichtung für das 2. Jahr ausgesprochen und die Gemeinde konnte ihn nun nicht mehr vor dem Abläufe des 2. Jahres entlassen**). Aber auch der Lehrer konnte nicht eigenmächtig den Vertrag lösen, da dem Prinzipal oder der Gemeinde Verluste dadurch erwachsen könnten**). Sobald sich aber beide Parteien nicht mehr gefielen, so konnten sie sich durch eine Looskündigung sehr leicht wieder trennen, eine Sitte, die heutigen Tages von höchst schädlichen Folgen für den Unterricht sein müßte. Damals scheint es aber weniger schädlich gewesen zu sein; man brauchte so wenig zu wissen, um seinem Amte vorzustehen und dies Wenige konnte ohne materiellen Nachtheil fast ganz entbehrt werden, es fanden sich jederzeit auch wandernde pädagog. Kunstritter in genügender Zahl vor, so daß die Wiederbesetzung einer Stelle nicht viel Zeit und Mühe kostete. Daher gab auch oft ein unbedeutender Umstand zur gegenseitigen Verabschiedung Anlaß und war auch der Verabschiedete deßwegen in nicht so trauriger Situation, da er bald wieder ein Unterkommen fandindem es theils häufige Vakanzen gab, theils weil er auch einen schon engagirten Lehrer verdrängen konnte, sobald er diesen übertraf.. „Kömmt ein Lehrer zu einer Gemeinde, der größere Lehrfähigkeit als der dort anwesende besitzt, so stellt man den Erstern an und sagt dem Andern das Vale"***). „Wenn 2 Lehrer zu gleicher Zeit in einer Gemeinde fungiren, wovon der Eine viel aber ungründlich, der Andere aber wenig und gründlich unterrichtet, so bevorzuge man den Letzter»" f). Der schon angenommene Lehrer konnte es einem zweiten nicht wehren t+), wenn er eine Schule neben der seinigen anlegen wollte und ihm die Schulkinder dadurch entzog. Man wollte durch diese Lehrfreiheit, den Wetteifer entflammen und die Gelegenheit zum Unterrichte erweitern. Insbesondere war man bedacht, nur verheiratheten Personen' den Jugendunterricht zu übergeben, da die Mütter ihm gewöhnlich die Schulkinder zuführen, „hinwiederum sollen auch nicht Frauen Lehrerinnen werden, da auch Väter ihre Kinder zur Schule bringen" DerUnver- *) Cboschen Mkschpat 333, 3. **) Das. 333, 2. ***) Jore Dea 245, 18. t) Das. 245, 19. fi) Das. 245, 20. ftt) Das. 245, 22. heirathete genoß in damaliger Zeit überhaupt ein geringeres Maß von Achtung und Rechte, man hielt nicht viel auf des Junggesellen Moralität und wollte nun den Lehrer vorzüglich in diesem Punkte ohne Makel wissen, bsn aba *wbn n^nb 'pa*) galt als Hauptgrundsatz und mit vollem Rechte. „Von einem Lehrer, der einen schlechten Leumund hat, soll man nicht lernen und wenn er auch viele Lehrbefähigung habe, man nöthigt ihn so, sich eines bessern Wandels zu befleißigen"**). Und viele Anzeigen lassen in der That schließen, daß die Lehrer unsrer Periode ein gottesfürchtkges Leben führten, so daß man auch ihr streng moralisches und religiöses Leben hochachtete, dies zur Richtschnur nahm. Das von ihnen Gelehrte war ihnen so hoch heilig, daß sie es mit aller Genauigkeit in Vollzug brachten und diese Uebereinstimmung in Wort und Werk konnte natürlich nicht ohne gute Wirkung auf Eltern und Schüler, wie im Benehmen dieses gegen den Lehrer bleiben. ä) Zucht. Die sogenannte seidne Pädagogik, die da fordert, verzogene, rohe Kinder mit der Lippen süßem Worte zu heilen und den Urtheilschwachen, aber an Trotz und Bosheit Starken, durch bloße Rafonnements dem Bessern zuzuführen,, konnte das alte Israel nicht. Aber ebenso wenig billigte es eine wilde, unüberlegte, grausame, "körperlich schädliche Züchtigung. Es galt ihm als Maxime: “raba “pDprr Nb***). „Der Lehrer strafe nicht auf feindliche, grausame Art, bediene sich weder des Stockes, noch einer Ruthe, sondern nur eines ledernen Riemchens."'s) Den Schwachkopf sollte man auch nicht mit des Stockes Kraft zum Philosophen machen wollen, sondern Nachsicht mit ihm'haben und seine Entwickelung ruhig abwarten. „Verstehen die Zöglinge den Unterricht nicht sogleich, so erbose sich der Lehrer nicht, sondern erkläre zu wiederholten Malen, bis der Schüler es endlich erfasset und inne bekömmt, denn des Gegenstandes Schwierigkeit und Tiefe ist dem kindlichen Auffassungsvermögen nicht immer nahe." -s-s) Bemerkt er aber beim Zöglinge Unaufmerksamkeit, Trägheit und Nachlässigkeit, dann zürne er, um die Schüler künftighin zu größerer Aufmerksamkeit zu zwingen, j-j-s) Ueberhaupt sollte das gegenseitige *) Jore Dea 245, 17. **) Das. 246, 8. ipü . ***) Das. 245, 10. -s) Abot 11, 5. it) Das. 246, 10. fff) Das. 246, 11.

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