Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 15 (3.4.1848)
- Date
- 1848-04-03
- Page
- Seite 233 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225567--09314-3237564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
233 Gelingens, wenigstens nach menschlichen Berechnungen — entworfen,/ daß die Minister glaubten, weit Henug gegangen zu sein, um die-Zufriedenheit ihres Kaisers sich zu erringen. Mein dem Kaiser, der die Räthe der Krone auch mit - Belohnungen, für ihre Mühen überhäufte, schien auch dieses Werk zu langsam; und seiner Feder ist das Gesetz entflossen, daß über 150,000 Seelen von der Grenze entfernt, sie unter die übrigen brotlosen Gemeinden treibt, und beide in ein schauererregendes Elend stürzt. Der Kaiser, der nur an die irdische Krone seiner Macht, -nicht aber an die himmlische Krone jüdischen Martyrthums glaubt, denkt mit solchen Maßregeln eher zum Ziele zu kommen, als wenn er auf. die natürliche .Entwickelung/der Pläne seiner Staatsmänner wartet. Die Minister bebten selbst vor diesem Ukase vom 8. April 1843 zurück^ und einstimmig baten sie den Kaiser, das harte Edikt zurückzunehmen. - Der Justizminister erklärte, eS wäre ckein Rechtsgrund zu einer solchen Maßregel vorhanden; der Finanzminister erklärte, die Krone Hätte einen bedeutenden . jährlichen Verlust, wenn der Ukas in Erfüllung gebracht würde; der Minister des Innern erklärte, der Ukas würde die Juden in solches Elend bringen,; daß der moralische Nachtheil gar nicht in Betracht käme gegen den Umstand, daß die Juden ihre Millionen Rubels von Kopfsteuern nicht mehr zahlen könntest — der Kaiser blieb auf seinem'Entschlüsse, und somit war das Unglück der Juden entschieden. Es ist nun meine feste Ueberzeugung, daß —- wenn Gott sich nicht unserer armen Glaubensbrüder annimmt, und das muß unsre Hoffnung sein ‘pba *6 — die Juden und das Judenthum in Rußland verloren sind. Scheingründe sind, es, die man Europa in die. Augen streut, um mit der Ünverbesserlichkeit der russischen Juden die herben Maßregeln zu beschönigen; leere Versprechungen sind : es, die man dem hochherzigen und edeln. Montefiore machte— die Juden sollen das griechische Kreuz anbeten, dann ist der Kaiser befriedigt, die getauften Juden mögen dann so schlecht oder so gut sein, als sie wollen. , - Es ist. hart, eine solche Hoffnungslosigkeit als Resultat jahrelanger Versuche und Erfahrungen hinstellen zu müssen — aber wir sind es uns als Juden schuldig, vor der Welt uns zu rechtfertigen. Wir müssen den Verdacht /yc>n uns. abwälzen, als wären, die russischen Juden " allein der Grund und die Veranlassung zu allen diesen Verfolgungen; wir müssen der Welt zeigen, daß nicht in der hartnäckigen Aufrechthaltung gern eingestan- ' bester Fehler, sondern in dem Panslavonksmus der Schlüssel zuallen diesen räthselhaften Maßregelst liegt. Diese Gedanken, so wie hie Ueberzeugung, daß von Rußland für unsere Juden Nichts mehr zu hoffen ist, haben mich bewogen, diese Notizen zu veröffentlichen. So lange der Kaiser die. Bitten seiner eigenen Minister noch nicht verworfen hatte; solange seine Unterschrift die Pläne derselben noch nicht sanktionirt hatte, war von der einen wie von der andern Seite zu hoffen; da Thatsachen diese Hoffnung vernichtet, da Nichts mehr'dasteht, als die eiserne Gewißheit — wenn Gott nicht hilft das Judenthum soll in Rußland untergehen, so sind wir uns die Rechtfertigung vor der Welt schuldig, daß der Fehler nicht an dem Willen unserer Brüder, sondern in der Proselytenwuth lag. Mögen unsere christlichen Brüder, die diese Seilen lesen, sie nicht mit dem Geiste durchfliegen, den selbst preußische. Minister des Unterrichts? noch heute an den Tag legen, wenn jüdische Angelegenheiten zur Sprache kommen. Was den Juden bevorsteht, haben auch die Protestanten und Katholiken im Zarenreiche zu gewärtigen; es ist ein Becher der Wermuth, den wir zu leeren haben. Mögen sie das beherzigen. vr.-Lilienthal. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1V* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. . Die Verlagshandlung. Die Stelle eines Gemeindelehrers ist zu Johanni.e. bei uns vakant. Sie trägt 80 Thtr. Gehalt, freie Wohnung,; Kost und Feuerung.^/Reflektirende-wollen sich melden beim ' . Gemeindevorsteher A. S. Goldschmidt. Güsten, im März.? ::n V «1 an z. Die hiesige Stelle eines Lehrers, der auch den Gottesdienst, welcher mitChorgesang geführt wird, zü dkngiren hat, welche neben freier Wohnung, Feuerung und Beköstigung, jährlich 50 Thlr. beträgt, undniit welcher mehrere Nebeneinkünfte verbünden sind, wirb nächste Ostern vakant. Bewerber wollen sich unter portofreien Briefen an den Unterzeichneten Vorstand wenden»? Uthlede im Amte Hagen, dey 14. März.?1848.., Der Vorstand der Synagogengemeinde daselbst. I. A. Freudenberg.