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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-13 · Heft 12 (13.3.1848) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 12 (13.3.1848)
Date
1848-03-13
Page
Seite 183 (sequence 13)
Language
German
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183 Mer, „ich kenne Dich, ich kenne die Reizbarkeit Deiner Gefühle, wie so manche Leidenschaft, die in Dir schlummert, nimm Dich in Acht, -laß Dich damit nicht ein, .sonst ist der Weg, den Du bis jetzt gingest, der längste gewesen, Du verdirbst Dir Alles...." Dabei faßte er meine,-Hand, sah mir ruhig in's Auge, und schwieg. Diese Bevormundung kränkte mich. Ich antwortete ihm: „Bruder, ich kenne Deine Liebe und Deine Klugheit an — aber wenn der. Name „Polen" genannt wird, wenn der Ruf, für dieses Gut und Blut einzusetzen, ertönt, dann kann ich nicht Zurückbleiben. Wer kann ermessen, was aus Etwas noch erwachsen mag? was der Schneeball für eine Schlaglauwine werden kann?..„Um Euch und Viele zu begraben.... Ich habe gesprochen; thu, was Du nicht lasten kannst." Und er entfernte sich langsam, aber stolz." ,>Es war natürlich, daß ich mich noch denselben Abend von Kunowski in den Bund einführen ließ, wo ich bereitwillig ausgenommen wurde. Die Warnung meines Freundes war bald bis auf die letzte Spur vermischt. Was in diesem Bunde gesprochen, verhandelt, betrieben wurde, traf mich bis in's Innerste, stimmte zu sehr mit all meinem Sinnen und Fühlen überein, als daß es mich nicht gänzlich überwältigen sollte. Hier war das ideale Polen vorhanden, das ich von Kindheit an erträumt, hatte; hier wurden Freiheit und Gleichheit als die, Basis des zukünftigen Polens aufgestellt; ein Feuer, rein schwärmerischer Enthusiasmus, ein Außersichsein beherrschte alle Theilnehmer der Versammlungen. Ich ward bald ein thätiges Mitglied des. Bundes, oft hielt ich Reden in demselben, in denen mich eine unbegrenzte Begeisterung über mich selbst hinausriß., ich wurde zugleich der Dichter des Bundes, der meine feurigen .Gesänge mit Beifall aufnahm. Bald bemerkt? ich, daß in dem Vereine noch ein engerer Ausschuß, bestand, der die Leitung des Ganzen in Händen hatte und auf die Verwirklichung unserer Pläne hinarbeitete. Nach einem Jahre wurde ich in denselben ausgenommen. Hier war meine Thätigkeit bald so in Anspruch genommen, daß ich meine Arbeit aufgab, und eine Unterstützung aus der Vereinskaffe erhielt, die zwar kärglich, mich aber bei meinen geringen Bedürfnissen frei leben ließ." „Ich habe Ihnen ausführlich den Weg geschildert, auf welchem ich noch . einmal mitten in die revolutionären Bewegungen und Bestrebungen hineingeworfen wurde. .Was nun in diesem Kreise geschah, kann Sie weniger interessiren. Es wird , genügen, -über . Jahre hin. zum Ende zu eilen, Das leitende Konnte, besten Mitglied ich war, war von einem eigenen Geiste beseelt. Gerade im Gegensatz zu dem stürmischen und schwärmerischen Feuergeiste, der in den Versammlungen zum Ausbruch kam, hielt es die kälteste Berechnung fest, und schritt auf dem logischesten Wege vorwärts. Es legte seinen Kalkülen eine bestimmte Voraussetzung zu Grunde und baute auf dieser die strengst geregelten Folgerungen auf, wie die Operationen zu leiten, die Masse des Volkes in den Provinzen zu versammeln, die Festungen einzunehmen, eine sofortige provisorische Regierung einzusetzen rc. rc» sei. Welche war aber jene Voraussetzung? Daß die Masse des polnischen Volkes bereit sei, sobald die Führer sich zeigten, aufzustehen. Und wie anders, sagten wir, könnte dies auch sein, da wir kämen, das Volk als Solches zu befreien und zur Herrschaft zu bringen? — Nachdem daher alle Entwürfe vollendet, alle Pläne zur Einheit gebracht, die Sammelplätze bezeichnet, die Führer ernannt, die Art und Weise der Einnahme der Städte bestimmt, die Züge der Heere festgestellt waren — wurden die Emissäre nach Polen gesandt. Es sollte diesmal im preußischen Polen begonnen, und Krakau der Hauptplatz sein. Ich war einer dieser Emissäre, und mir war eine Hauptrolle zugedacht." „So kehrte ich in mein Vaterland nach eilfjähriger Abwesenheit unter fremdem Namen zurück. Allerdings hatten wir schon vorher Verbindungen angeknüpft, und als .ich. an meinem Bestimmungsort glücklich angelangt, fand ich schon eine Anzahl Männer aus allen Ständen/ welche sich um mich schaarten." . „Die Größe und Schwere meiner Aufgabe drückte jedes andre Gefühl in mir nieder. Ich hatte mir geschworen, diesmal alle Phantasie, alle Schwärmerei zu unterdrücken, und mit dem kältesten Blute die Verhält- .nisse abzumessen und meine Schritte abzuwägen. Die Verantwortlichkeit, die ich vor dem Genius Polens auf mir trug, machte es mir zur Pflicht, Nichts zu verabsäumen, aber auch Nichts zu übereilen und dem Zufall .zu überlassen." : „Meine Verbündeten empfingen mich mit Jubel; die kühnste Zuversicht beseelte sie; .sie Hielten Alles für reif; sie machten mir die lockendsten Schilderungen vom Geiste der Masse; der Sieg war ihnen gewiß. Aber ich fühlte das Exaltirte, das Ueberspannte aus ihnen heraus, und beschloß, selbst zu sehen. Auch ich war von der stntrüglichkeit unsres Planbaus überzeugt, wenn — die Voraussetzung richtig wäre, von der wir ausgegangen.

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