Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 11 (6.3.1848)
- Date
- 1848-03-06
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225563--09233-3237479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hanau 1× ep/1047937
OCR text
156 stützungskasse für Wittwen und Waisen israelitischer Geistlichen".. Dgß die - Änstalt-Hch.'^uf/'b^ Unterstützung de^Wäifen: ausdehne, versteh^sich-von selbst, und ist nur der Kürze halber in unserm ^irkulärschreiben der betreffende Ausdruck weggeblieben. — Herr Dr. Einhorn wünscht, „daß die Unterstützung auch auf Wittwen zeitgemäß gebildeter israelitischer Lehrer ausgedehnt werde." Wir zweifeln sehr, ob dieser edle Wunsch praktisch wird auszuführen und die Grenze des „zeitgemäß" wird festzustellen sein, so wie es uns überhaupt sehr fraglich erscheint, ob die Statuirung eines solchen Unterschiedes auf irgend eine Weise sich wird rechtfertigen lassen^). — Herr Dr. Levi halt einen jährlichen Beitrag von zehn Thalern für viel zu geringe, um einen gehörigen Fonds zu begründen. Er schlägt ein namhafteres Eintrittsgeld vor, und wir können ihm hierin nur beistimmen. Ein Solches, glauben wir, würde gewiß auch von minderbemittelten Amtsbrüdern gern gezahlt werden,, indem besonders ihnen die zu errichtende Anstalt zur großen Beruhigung über die Zukunft der Ihrigen gereichen würde. Dieses Eintrittsgeld müßte sich dann für. die nach Begründung der Anstalt Hinzutretenden in ein zu erhöhendes Einkaufsgeld umgestalten 3). — Herr Rabbiner Leb recht dagegen wünscht den jährlichen Beitrag auf zehn bis zwölf Gulden festgesetzt, indem die Summe von zehn Thalern für viele Kollegen eine sehr starke Ausgabe wäre. Auch verlangt derselbe, daß Unterstützungen nicht erst nach fünf Jahren, sondern sobald nur ein Fall sich ereignete, verabreicht werden sollten. Das Letztere ist die Ansicht mehrerer benachbarter Kollegen, und scheint uns dieselbe ganz auf dem Grunde der Billigkeit zu beruhen 4). ffiit bem Erstem jedoch möchte der geehrte -Kollege ziemlich allein stehen. Denn gesetzt auch, die Summe von 10 Thalern sei wirklich für Manchen eine starke Ausgabe, so ist doch die dadurch zu erlangende Beruhigung gerade für den schlechtbesoldeten Rabbinen, der an Ersparnisse selten denken kann, um so größer und die verhältnißmaßig kleine Ausgabe weit überwiegend. — Von Seiten mehrerer Kollegen wird auf die Nothwendigkeit von Kollekten für den betreffenden Zweck in den israelitischen Gemeinden hingewiesen, und zweifeln wir keinen Augenblick, daß der Sinn für Wohlthätigkeit sich auch bei dieser Gelegenheit unter unseren Glaubensgenossen rühmlich bewähren wird. Es ist im deutschen Vaterlande nur ein Staat (Kurhessen), der sich zur völligen Gleichstellung der Juden mit den Christen erhoben hat. Dort sind. wie wir aus einer Mkttheilung unsers Herrn Kollegen Felse n stein zu Hanau entnehmen ---der deshalb den Beitritt ablehnt, aber zur Realisicung diesig löblichen Zwecks durch freiwillige Beitrage sich freudig bereit erklärt— „die definitiv angestellten Rabbiner verordnungsmäßig Mitglieder der von der -Staatsregierung für die Zivilbeamten errichteten Wittwen- und Waksenkasse". Im übrigen Deutschland nun sind wir gezwungen, durch die Macht der Assoziation das zu bewirken, was staatlich uns versagt ist, und in diesem Vorhaben durch den Beistand , und die kräftige Unterstützung unserer strebsamen Glaubensgenossen gefördert zu werden, hegen wir die gegründetste Hoffnung und Zuversicht. Vor dem Schließen unsers Briefes senden uns noch folgende Herren Kollegen ihre Beitrittserklärungen zu: 36) Ben-Israel, Prediger zu Koblenz; 37) Aron März, Bezicksrabbknec zu Dürkheim in der Pfalz; 38) Dr. Wormser, Bezirksrabbiner zu Naffau-Diez. Herr Rabbiner Fürst zu Heidelberg entschuldigt seinen Nichtbeitritt durch sein Familienverhältniß als Wittwer, spricht aber sein lebhaftes Interesse für ein Unternehmen aus, das „nicht nur den Dank und die Anerkennung der israelitischen Geistlichen, sondern aller Menschenfreunde verdient, deren Herz beim Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen nicht ohne Theilnahme bleibt." Der geschätzte Kollege verspricht, „diese so wichtige Angelegenheit, soweit es ihm möglich sein wird, kräftigst zu empfehlen." Indem wir nun die Bethätigung so lebhafter Theilnahme von Seiten unserer Kollegen nah und fern für diese gemeinnützige Angelegenheit hiermit zur öffentlichen Kunde bringen, geben wir uns der Hoffnung hin, daß diese Anzeige nicht versäumen werde, das Interesse an der guten Sache noch mehr zu steigern, und die noch nicht beigetretenen Amtsbrüder anzucegen, zur Förderung eines Unternehmens eifrigst heranzutreten, das so geeignet ist, uns das Wirken in unserm Berufe zu erleichtern, indem es uns den Blick in die Zukunft unserer Frauen und Kinder erheitert. Mögen wir daher in unserer Denkweise noch so verschieden sein, so wollen wir doch eins sein in der Gefühls weise für die geliebten Unsrigen. Auf diesem neutralen Boden lasset uns einander die Hände reichen zur Errichtung eines edeln Werks, das bestimmt sei, uns und unsere Kämpfe zu überdauern, und von - dem das schöne Wort des Propheten gelte: np-rLN 'rri-n Leopold Stein, Rabbiner.