Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 10 (28.2.1848)
- Date
- 1848-02-28
- Page
- Seite 149 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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149 waren geschlagen; es war Ruhe eingetreten, aber eine äußerliche. Schon halten sich zahlreiche Parteien unter den Polen gebildet; schon hatte jede ausgezeichnete Persönlichkeit eine Schaar Anhänger um sich versammelt, durch die sie das Ganze beherrschen und sich auf Kosten der Anderen voranstellen wollte; schon schlichen Verrather unter uns um, die mitten im Siege die Sache des Vaterlandes für verloren ausgaben. O, wie wurde mein glühendes Herz enttäuscht! Wie schnell entkleideten die Helden sich ihres Glanzes! wie schnell erblickte ich in den Verfechtern der Freiheit die zukünftigen Despoten, in den Streitern der Unabhängigkeit Menschen, die ihren eigenen Vortheil verfolgten! Wo war da Sympathie für die Leiden des Volkes, wo ein Herz für die Befreiung der leibeigenen Sklaven, für die Selbstständigkeit des Bürgers! Der Adel und Nichts als der Adel wollte sich zur alten Höhe schwingen, um die alte Herrschaft zw erlangen, und damit waren die alte Zwietracht, die alte Spaltung, der alte Egoismus wieder eingezogen." „Alles dies gewahrte.ich mit blutendem Herzen. Noch wollte die Hoffnung nicht weichen. Ich griff zur Feder. Aus der Tiefe meiner Seele, mit allem Schwünge der Jugend, mit aller Hingebung schrieb ich mehrere Artikel für den „Warschauer Courier", worin ich diese Zustände schilderte, worin ich zur Eintracht, zur Gemeinsamkeit aufforderte, worin ich die Freiheit für Jedermann und den Patriotismus von Allen verlangte — — bald ließ ich feurige Gesänge folgen, bald an die Jugend, bald an die Alten gerichtet --- sie machten Aufsehen, man sprach davon — ich glaubte noch an die Allmacht des Wortes — nicht lange mehreines Morgens ließ mich mein Oberst rufen, und sagte mir mit strengem Gesicht und herbem Tone: man hätte in Erfahrung gebracht, daß ich der Verfasser jener Aufsätze und Gedichte sei; man freue sich, ein schönes Talent in mir entdeckt zu haben; aber die Sache billige man nicht; es seien aufregende, aufrührerische Dinge, die bei dem unzuverlässigen Stande der öffentlichen Angelegenheiten nur noch mehr Unruhe und Bewegung hervorriefen; die Jugend müsse schweigen, bis eine feste Ordnung eingetreten, die sie nicht zu leiten und nicht zu begründen verstehe; vor Allem müsse der Soldat schweigen, und die Sorge für das Allgemeine seinen Chefs überlassen; wohin solle es kommen, wenn die Armee aus Schreibern bestünde, die es besser wissen wollten als ihre Oberen; - es-sei mir daher hiermit voü Amtswegen verboten, nn den Zektungen mich vernehmen zu lassen; thate ich es trotz dem Verbote, so würde ich' degradirt und bestraftim Wiederholungsfälle fortgeschickt ' un d aus Wa rfchau entfernt.. .: ' n! '1 „Ich hörte gelassen zu, und wandte mich, betäubt■ ab. Ich war bis in's Innerste getroffen.Ich fühlte,- es sei für dies Mal aus, das. Ende würde nun kommen über Nacht; ich. hätte Nichts mehr zu^thun, als dem Schicksale zu überlassen, ob ich auch körperlich verbluten solle, wie ich es geistig schon that. Ich nahm nur noch ■ geringen Antheil, an der .Entwickelung dieser: Tragödie. Ich focht mit, wohin man mich zu fechten , kommcmdkrte, mit dem Muthe des Verzweifelnden,, dem sein Leben Nichts mehr gilt.... Lassen Sie mich da-, her über die Kriegsszenen, bei denen ich zugegen war, hinweggehen; es hat dies ja keine Bedeutung. Nur.?das Ende muß ich Ihnen mitthejlen, denn es war entscheidend für meine Zukunft." . „WirBrüder waren glücklich aus allen Gefechten unversehrt zurückgekehrt. Der mütterliche Segendie mütterliche Fürbitte schien wie ein Schild über uns zu schweben/'und dem feindlichen s Schwerte und der feindlichen Kügel, so sehr wir uns ihnen aussetzten, zu wehren. Die Russen hatten Warschau eingeschlossen, der Sturm auf-Wola : begann. Wir befanden uns bei unsrer Kanone auf ' den Wällen von Wola. Wir bedienten sie eifttgji. “Uittf uns sielen unsere Kameraden. Wir blieben unverwuÄ- " det. Wir, arbeiteten unablässig.' Da fuhr'vielleicht'W'- letzte Kugel des ganzen Krieges heran — und traffmW'" nen Bruder, traf meinen Konstantin, und riß iHit, b!ec0 treue Brust entzwei.^.. Die' Lunte;entftef - Händen, er sank in meine Arme, „meine Mütter hauchte er, und war todt...." „O, wo könnten- Worte den Schmerz'/beschreiben/, der mich durchwühlte, den Schmerz, der mich seitdem/ nicht verlassen, der mich noch heute erfüllt. .'. . Ich ', war betäubt, ich war sinn- und bewußtlos — aber nicht " einmal seinen Leichnam sollte ich haben/... Ein Strom'/ Flüchtiger stürzte fast in demselben' Augenblick auf mich^/ her, ergriff mich, drängte, riß mich mit fort', ich' ^stMe ' mit aller Macht "entgegen, ich wollte' hindurch/ z'urü^ ...ich konnte nicht; fort fluthete. der Haufen, imnier anwachsend, und ich feinÄ' Mitte, im dichtesten Ge- ' dränge konnte' Nicht anders, als mit ... hinausbrängte " es sich zum Thore, hinaus nach einet noch offmen fehlte^ weit über das Feld ... jetzt 'theüte sich' 'die' Masse^m' / kleinert Haufen) aber ich konnte Nimmer cheraü^... '