Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1848)
- Date
- 1848-01-03
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
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29 „Wir müssen — wie wir Ihnen auf Ihre Eingabe vom 1. d. Mts. eröffnen zunächst dafür Sorge tragen, daß der Findling Moses Unterricht im christlichen Glauben erhält, weil nicht überzeugend nachgewiesen werden kann, daß der Moses von jüdischen Eltern abstammt. Da auch das Alter des Findlings nicht feststeht, so ist kein Grund vorhanden, diesen Unterricht jetzt schon auszusetzen. Durch Ertheilung des christlichen Unterrichts an den Moses wird übrigens — was sich von selbst versteht — seinen künftigen Entschließungen über Annahme eines bestimmten Glaubens, so weit die Gesetze selbst kein Hinderniß in den Weg legen, nicht zu nahe getreten. Jastrow, den 3. Dezember 1847. Königl. Land- und Stadtgericht." An den Lehrer Herrn Wedell hier. Wahrend die königl. Negierung also auf das Zeugniß des Arztes gehörig Rücksicht nimmt, was doch hier allein schon kompetent wäre, wenn nicht andere Indizien für das erforderliche Alter des Knaben zur eignen Wahl sprechen würden (denn diese Indizien sind unsers Erachtens gerade in dieser zweifelhaften Sache sehr gewichtig, weil erwiesen werden kann, daß nur ein 13jähriger Knabe “pb^n legt u. s. w.), umgeht das Stadtgericht die Ansicht der Regierung und schiebt einen Grund vor, der kein Gewicht hat. Weil — so prajudizirt das Gericht — das Alter nicht fest zu ermitteln ist, so muß das bisher jüdische Kind christlich erzogen werden! — Ein sonderbarer Grund, um so mehr, als nach dem richtigen Bescheid der königl. Regierung hier die Befugnisse der Pflegeeltern nicht in Anwendung kommen können. Es ist freilich nicht ganz überzeugend nachgewiesen, ob.des Knaben Vater Jude gewesen, aber wie alle Umstande dafür sprechen, doch sehr wahrscheinlich. Sollte eine moralische Ueberzeugung hierbei gar Nichts in die Wagschale legen? —- Sollte das Gericht wirklich ein Recht haben, den Knaben, der bisher Jude gewesen, zum Christen zu machen? — Sollte das hohe Staatsgesetz, das doch allen Konfessionen vollkommene Gewissensfreiheit zusichert, wirklich vorschreiben, daß ein Knabe, der als Jude geboren und erzogen, dessen Vater, wie gesagt, höchst wahrscheinlich dem Judenthum angehört und der durchausJude bleiben will, zur Taufe und zum Christenthum gezwungen werden könne? Hat der Staat irgend einen Nutzen davon, einen sich bisher zum Judenthume bekennenden Knaben auf seine Kosten in der christlichen Religion erziehen zu lassen, der, wie sich voraussetzen läßt, doch nie ein wahrhafter Anhänger des Christenthums — also keiner Konfession angehörend und dadurch in seinem Gewissen beunruhigt— eher ein unglücklicher oder vielleicht gar ein schlechter Mensch werden würde? — Das Judenthum ist von aller Proselytenmacherei fern: das müssen ihm seine Feinde nachsagen! Das Judenthum spricht Keinem die Seligkeit ab, der menschlich denkt und fühlt und ein gottgefälliges Leben führt! Der Talmud sagt (Sanhedrin 59): Die Frommen aller Nationen können selig werden. Und dennoch ist es Pflicht, heilige Pficht, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen und den Knaben (wie er den Schreiber dieses erst neulich unter Thränen bat) dem Judenthum zu erhalten. Hier die Hand in den Schooß legen wollen, wäre Verrath — nicht am Judenthum, das ist wahrlich nicht von der Anzah seiner Bekenner abhängig — aber Verrath an der Wahrheit, an der Menschlichkeit, Verrath an der Heiligkeit einer Menschenseele. Hier gilt, wie uns jüngst ein achtungswerther jüdischer Gelehrterbemerkt: qnTO?: ibas Va'-nirtt nna wsu ü^p/aJrbs ^2722 rsHphb. Wir werden also die Angelegenheit höhern Orts zur Sprache bringen und Ihnen, bester Herr Doktor, die etwaigen Resultate zu seiner Zeit mittheilen. W-ll. Oesterreich. Preßburg, Ende November. (Ungarische Briefe. VII.) Nicht weil es mir an Stoff oder an Lust gefehlt hätte, habe ich Ihnen in den letzten Wochen nicht geschrieben; in der Thal gebricht es mir weder an jenem noch an dieser, und ich gedenke — mit Ihrer Einwilligung, meine Briefe auch kommendes Jahr — mindestens von Monat zu Monat — fortzusetzen, zur wahren Freude aller kernhasten Altorthodoxen, und zur herzlichen Betrübniß der modernen mystischen, archäologischen und septuagintlichen Neoorthodoxie. Daß ich meine Briefe seit einigen Wochen unterbrochen, ist einzig und allein den nationellen Festlichkeiten zuzuschreiben, welche in letzter Zeit unsre ganze Aufmerksamkeit und Theilnahme in Anspruch genommen haben. Unsre Gemeinde hat sich freilich