Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1848)
- Date
- 1848-01-03
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Kampfplatze, um einer kleinen, hilflosen Schaar, deren Druck Viele sogar als einen naturgemäßen Zustand betrachten, zu ihren Rechten zu verhelfen. „Die Zahl derjenigen meiner Mitbürger, als deren Advokat ich auftrete," sagte Russell, indem er dem Parlamente seine Bill vortrug, „ist gering; einige dreißig- bis vierziglausend, welche da eine Gemeinschaft bilden, die durchaus nicht geneigt und, wäre sie das, nicht fähig ist, Lärm zu machen, Aufruhr zu stiften oder für den Fall, daß man ihre Bitte abschlagen sollte, das Land mit Erschütterungen zu bedrohen." Um aber Lord John Russell's Edelmuth in seiner ganzen Größe ermessen zu können, muß man die eingewurzelten Vorurtheile erwägen, welche in England zäher als irgend, der Vernunft, dem gesunden Menschenverstände trotzen. Man muß die mächtigen Kasten mustern, denen Russell im Namen des Fortschritts den Handschuh hinwirft, den Riesenbau des Fanatismus kennen, an welchem Jahrhunderte gebaut, daß ec zu einem Thurme von Babel heranwuchs, bis nun endlich die Zeit der Verwirrung der Sprachen über denselben hereingebrochen ist. Vergebens trat Lord John Russell zu Gunsten seiner Schützlinge in einer Rede auf, wie ihres Gleichen vielleicht noch nie in den Sälen des Parlaments erschallte. Vergebens erinnerte er an die bedeutungsvollen Worte eines großen Staatsmannes: „daß die englischen Gesetze ein Geburtscecht jedes in England gebornen Unterthans seien!" — Vergebens mahnte er an Recht und Billigkeit; vergebens erschütterte er mit Riesenkraft das ganze Gebäude der Spitzfindigkeiten, welche der Fanatismus wie eben so viele Vesten um die Eidesformel der Parlamente errichtet; vergebens bekämpfte er die Vorurtheile seiner Gegner durch Argumente, in denen er bewies, daß der Druck und nicht eigene Schuld die untergeordnete Stellung der Israeliten bedingt hatte. Vergebens! — Sic Robert Jnglis und die sonstigen Helden der Church of England zitterten schon während seiner Rede vor lauter Eifer auf ihren Bänken; sie konnten den Augenblick nicht abwarten, wo sie Lord John Russell verketzern sollten, und wie sie zum Worte kamen, erscholl es im Saale, als ob England nicht in seinem Schooße die schönsten, die edelsten, die vernünftigsten Geister aller Zeiten und Völker erzeugt, als ob eine chinesische Mauer diese Menschen seit ihrer Geburt von der Aufklärung des Jahrhunderts abgeschlossen hätte! Aber wie? Auch der biedere Lord Ashley ist unter ihnen? Auch der Menschenfreund tritt gegen seine Brüder auf? El tu quoque, Brüte? Und doch — welchen rührenden Antheil nimmt er an den Unterdrückten! Er erröthet nicht, zu gestehen, daß er für den ärmsten Juden Gefühle empfindet, welche an Ehrfurcht grenzen. Er geht weiter und legt von ihren ausgezeichneten Fähigkeiten das glänzendste Zeugniß ab: „Die Juden", spricht er, „sind Leute von mächtigem Geiste, von gebildetem Verstände und einer Ausdauer bei geistigen Arbeiten, daß sie mit dem unermüdlichsten Deutschen darin wetteifern können. Sie besitzen gegenwärtig im Verhältnisse zu ihrer Zahl eine größere Namenrolle von gelehrten und genialen Männern, als irgend ein heidnisches (sic!!) Volk aufweisen kann. Musik, Dichtkunst, Medizin, Astronomie nehmen ihre Aufmerksamkeit in, Anspruch, und sie sind in allen diesen Fächern ihren Nebenbuhlern mehr als gewachsen." Jedoch trotz aller dieser Vorzüge können sie vor Lord Ashley keine Gnade finden; derselbe Mann, welchem es Anfangs darum zu thun scheint, zu beweisen, daß sie der verlangten Rechte, der Befreiung von mittelalterlichen Fesseln allerwürdigst sind, schließt seine Rede mit einem Votum gegen die Emanzipationsbill! Und warum? aus welchen Gründen? Ungefähr aus denselben, welche sehr gescheidte Menschen bewegen, am Freitag keine Reise anzutreten, an die böse Sieben zu glauben, die Zahl Dreizehn bei Tische zu scheuen — aus Vorurtheil .... weil des guten Lord Ashley Urgroßvater so gedacht und er diese Ansicht mitsammt seinen Titeln, Gütern und Schlössern von seinen Vätern geerbt. Nicht, daß Lord John Russell den Kampf allein bestanden hätte. Edle, schöne Worte sind neben den Seinkgen ertönt. Und wenn wir bei den Reden der Jnglis, der Ashley, der Law uns außerhalb Englands versetzt glaubten, so führten uns die Gladstone, die Morpeth, die Arundel, sogar Bentinck dorthin zurück. „Mit welchem Rechte" — spricht Lord Morpeth — „empfehlet Ihr dem Sultan die Duldung gegen alle seine Unterthanen, gegen Christen wie Muselmänner? Kann er sich nicht zu Euch mit der Antwort wenden: „„Ich habe in meinem Reiche rebellische Unterthanen, Albanesen, Griechen, Maroniten, immer zum Aufstande bereit, und Ihr verlangt, daß ich sie dulde. — Ihr, Ihr habt unter Euch eine kleine Gemeinde von ordentlichen, ruhigen Bürgern, welche zum Frieden und zur Wohlfahrt des Staates beitragen, und Ihr schließt sie von Eurer Gemeinschaft aus!"" Gladstone, Mitglied für die oxforder Universität, hat