Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1848)
- Date
- 1848-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 sich ihr, wenn auch oft aus verkehrte Weise, in die Arme wirft) Za, wir können sagen, daß. der Skeptizismus selbst eine Anerkennung der Religion leinschließt. ' Wir müssen darum die Religion als zu den anerschaffenen Elementen des Menschengeistes zählen; sie ist mit dem Menschen geworden, und wird immer wieder mit ihm. Wollte man sie heute abschaffen, würde sie morgen wieder da sein. Wir können dieses anerkennen, ohne zu irgend Mystischem unsre Zuflucht zu nehmen. Denn dieReligion ist dasVerhältniß desMenschen zur Gottheit. Sobald aber nur der Mensch zu beobachten anfängt, , muß er für, die.Wirkungen, die er gewahrt, nach einer Ursache fragen, und diese Ursache, kann er nicht immer wieder in der Wirkung selbst finden wollen, sondern er must sie über diesi hinaus verlegen, in eine Gottheit. Sobald aber der Mensch sich bewußt wird, daß er beobachte, daß er nach der Ursache der wahrM genommenen Wirkungen frage, und diese Urs^e in ein? Höheres verlege: so fühlt er sich selbH^a^^ü b e r di5^ Dinge um ihn, über die ^Beobachtungen anstellt, hin-' ^ausgehoben, er fühlt sich in einer andern, höher» Stellung, er fühlt sich zu dieser höchsten Endursache alles Seienden, zur Gottheit, in einem besonder» Verhältnisse, da er ja die Dinge beobachtet und die Endursache erkennt — und somit hat er Religion. So ist also"" die Religion für. den Menschen ein unmittelbaresdas ihm integrirend einwohnt, das in ihm sofort^tsden einfaHsten Operationen des Geistes wird. JbdÄ Denken dzs Menschengeistes ist unmittelbar mit .Um Wttden/der Religion Ln ihm verbunden. Kein Denken Hlso ^öhne Religion. jp . Je lebhafter wir aber dies anerkennen, ^mehrM^M Einzelne in der Tiefe seiner Seele fühlt, wieunzertreMlich die Religion von unserm ganzen Wesen ist, und wie viel in ihm bewußt und unbewußt M Religion schon gewirkt, und bei etwaigen Verirrungen ihn vor noch größeren, in verzweifelten Lagen, .d^,Lebens vor gänzlicher Mutlosigkeit, bei Stockungen Mnes Geistes vor gänzlichem Zerfallen bewahrt habe—.ich sage, bewußt und unbewußt — aber Niemanden kann" ich ausnehmen — desto mehr fühlen wir uns gedrungen', über die Wirksamkeit der Religion im Großen und Ganzen uns klare Rechenschaft zu geben. Denn es ist einmal unsrer Zeit glücklicher Weise eingepflanzt, mit dem bloßen Gehenlassen, wie es geht, nicht zufrieden sein zu können. Unb* soll es einmal in der Menschheit., zu einer wahren und ganzen Heilung kommen, oder soll diese wenigstens vorbereitet werden,, so ist mit dem Verdecken und Bemänteln Nichts gethan, sondern die Schaden und Gebrechen müssen bloß gelegt, müssen mit der Sonde genau und, im Mzen Umfange untersucht werden: mögen wir auch selbst^abek die größten Schmerzest empfinden. M ist dies cder erste unumgängliche SchriH zur Besserung. Wir habenfn Nro. I. die positiven verderblichen FolqewMerkannt, welche durchs die falsche Stellung der -Religm^^^GesellschaHt für die Menschheit entstanden, mb^^^^Mts die Wuprematkk der Kirche über den StaM unWie Priesterherrschaftandrerseits die Suprematie/des Staates über die Kirche, endlich die i^gions- , fehde - und Religionsbeschränkungen diefür chtb üMM Kämpfe hervorrieftH-: so nchffen wir nuMquchH^Miv verfahren. Wir'verstehen hier unter Ä^gion^Eeine einzelne, bestimmte, wir verstehen unter Religion hier auch nur, ^.wie sie den Thatsachem^nach in der Geschichte dasteht — ustd fragen uns^darW was " hat die Religion in den kgWn Wehm^ünd Kämpfen der Gesellschaft, die diese aus sichHMWs entwickelte und zu bestehen hatte, gewkrkt^geholfen,^ um die Menschheit daraus zu erlösen, und auf bestimmten Bahnen zu gedeihlichen Zielen zu "führen? Zn den Zeiten, wo die Menschheit in Herren und Sklbvest getheilt war, - wo eine geringe Zahl herrschender Manschen ^zahllose Menschenbrüder zu bloßen Dingen herabwürdigte: °iB»die Religion ausgetreten und hat dagegen Protests^ und hat gemahnt und gekämpft, bis sie die Herstellung der--zertretenen Menschenwürde und des zertretenen Men^^rrechts errungen hatte? Hat sie ihre Anathema's dazu verwendet, um Sklavenketten zu ^zerbrechen? Als in Europa die ungeheure'Landbebauer Leibeigene waren, und ihr^Schweiß Anderen gehörte, hat die Religion diese B.ürde von ihreASchultern genommen? wenigstens dies versucht? — Neistl Im grauesten Alterthume sehen wir den MosaismuMdas Sklaventhum in Miethlingsschaft auf^ sechs Jahre verwandeln, also es vernichten, sehen wir den Mosaismus jedem Israeliten sein Erbgut .frei zuertheilen und bewahren — sonst aber ist es nur die entwickelte Humanität, welche das Sklaventhum zu verdrängen, die Leibeigenschaft aufzuheben versuchte, und noch sindrsi'e lange nicht von der Erde verschwunden. Wenn irgendwo auf Erden Nationen unter das Joch des absolutesten Despotismus verfielen :'war es die Religion, welche sich dem gegenüberstellte und auf der Seite der Unterdrückten stand? Oder schwieg sie, ja schmiegte sich selbst demüthig unter das Joch, und vergoldete dies/