Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1845)
- Date
- 1845-12-22
- Page
- Seite 769 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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769 der Träger sein sollte, Ln ihrer nieder» Bedeutung beließ. Daher heißt es zwar: der Herr sprach: es werde Licht und es ward Licht, aber auch: sechs Tage machte er Himmel und Erde und am siebenten Tage hörte er auf und erholte sich, wobei der Talmud die Frage, was Gott seitdem ihue, nicht nur aufwirft, sondern sie auch beantwortet. Ebenso wie die Allmacht Gottes ist seine Liebe nicht frei von den Schlacken niederer Anschauungen. So übet Gott Barmherzigkeit, aber auch Rache; er handhabet Gerechtigkeit sonder Bestechung und doch wählt er ein versunkenes Volk vor allen anderen Völkern sich aus, weil er an ihren Vätern Wohlgefallen gefunden; er bewahret zwar die Gnade bis in's tausendste Geschlecht, ist aber auch eifervoll und ahndet die Schuld der Väter an den Kindern und dem dritten und vierten Geschlechte. Jedoch sinden wir auch die Heiligkeit Gottes ausgesprochen, worin seine Unzugänglichkeit und Unachtbarkeit für die Sünde ausgedrückt ist. Die heidnische Beimischung des Judenthums nun suchen unsere nachmosaischen Lehrer immer mehr aus demselben zu beseitigen. In den Propheten, besonders in Jesaias, Jeremias und den Psalmen, die wir für unfern Zweck wol auch zu den Propheten zählen können, wird die Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart Gottes schon vielfach in ergreifender Weise geschildert; doch bleiben diese Eigenschaften uoch immer mehr nur äußerliche Attribute Gottes, ohne daß sie zur engen Sittlichkeitsidee zusammenschmelzen. Der Talmud hat sich nicht mit der Ausbildung der eigentlichen Lehre des Judenthums, sondern nur, wenigstens seinem überwiegenden Bestandtheile nach, mit der genauem Bestimmung des Gesetzes beschäftigt und bildet zwar eine nothwendige Stufe unserer religiösen Entwickelung, ermangelt aber einer tiefem Auffassung und Begründung des biblischen Lehrgehalts. Dagegen dringen unsere nachtalmudischen Weisen auf eine höhere Auffassung der göttlichen Allmacht und Liebe, und wir finden daher auch eine solche höhere Auffassung besonders in Maimuni, Spinoza und Mendelsohn. Und fragen wir uns doch selbst! glauben wir wol an einen Gott der Rache, des Schreckens und der Furcht, oder an einen Gott der Barmherzigkeit, an einen Gott, der das Weltall mit seiner Liebe umfängt, der nicht bloß Liebe übt, sondern selbst die Liebe ist? Können wir wol von unserm allmächtigen Gotte glauben, daß ihm die Weltschöpfung so viel Mühe und Anstrengung gekostet habe, daß er der Ruhe und Erholung bedurfte? Oder fragen wir unsere geistlichen Führer, ob sie einen solchen Glauben dem Judenthum für angemessen halten? Wir müssen daher die göttlichen Eigenschaften der Allmacht und der Liebe mit derselben geistigen Strenge und Konsequenz auffassen, wie die Einheit, Unendlichkeit und Unkörperlichkeit; wir sagen, mit derselben geistigen Strenge und Konsequenz, damit wir nicht wie der Jslam und das Christenthum mit der andern Hand nehmen, was wir mit der einen geben, daß wir der Freiheit Gottes nicht ein Fatum, dem Gott der Liebe keinen Satan, dem Reich der Liebe keine Holle an die Seite setzen. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen I^Ngr. (I gGr.) { Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakanz. Mit taP‘,K HS b. I. wird die Stelle des Vorbeters und Schächters bei der hiesigen jüdischen Gemeinde vakant. Individuen, die hinlängliche musikalische Kenntnisse besitzen, um Synagogen-Gesange mit Chor vorzutragen, die hebräische Sprache mindestens grammatikalisch lesen können, und über ihre religiöse und moralische Führung mit guten Zeugnissen versehen sind, wollen sich baldigst zur Probeablegung hier einsinden. Wir bemerken, daß obgleich das sixirte Gehalt nur 200 Lhaler beträgt, wir dennoch ein jährliches Einkommen von 400 Thalern zusichern können. Reisekosten werden nicht vergütet. Graudenz in Westpreußen, den 9.Dezember 1845. Der Vorstand. Herrmann Lachmann, Moritz Hirschberg, Wolf Bohm. Anerbieten. Ein von einer preußischen Regierung geprüfter Lehrer (Staatsbürger), der außer den gewöhnlichen Schulgegenständen auch im Hebräischen und im Französischen gründlichen Unterrcicht ertheilen und zugleich das Amt als Kantor und Schächter (letzteres nur ungern) mit übernehmen kann, wünscht zu Ostern oder Johannis 1846 in einer ansehnlichen Gemeinde angemessen placlrt zu werden. Derselbe hat eine regelmäßige Gymnasialbildung genossen, in gedachten Eigenschaften bereits seit einer Reihe von Jahren fungirt, besitzt auch hinlänglich musikalische Wissenschaft, als Kanror einen Chor zu leiten und ist auch im Stande, bei mäßigen Ansprüchen, gottesdienstliche Vorträge zu halten. Sehr vortheilhafte Zeugnisse können bekgebracht werden.