Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1845)
- Date
- 1845-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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„Md seiner Gemeinde werden würde. Ich rathe Ihnen daher von ganzer Seele^ „Sich von leidenschaftlichen falschen Eiferern nicht verleiten zu lassen, der wohl- 7,meinenden Absicht feindlich entgegen zu treten, sondern zur Ehre Gottes zu wah- „ren den Frieden. Mit Achtung zeichnet Dr. Lo ewi." Weil aber auch in diesem Schreiben die beregte Aeußerung S. 4L beanstandet' wird (denn die S. 113 Z. 2 wird in dem Munde eines Christen kaum einer Rechtfertigung bedürfen); weil auch andre wohlmeinende Beurtheiler jene Saite nicht berührt wissen wollten, so wird es nöthig, daß ich mich erkläre, was ich da-, mit gewollt. Laut meiner Ankündigung sollten die Erzählungen das jüdische Leben in seinen Berührungspunkten des Sonst und Jetzt darstelleu. So wenig sich daher die Rabbiner durch meinen R. Jechiel und die Lehrer durch meinen R. Tafel verletzt fühlen, obzwar es von beiden Sorten noch Eremplare giebk, eben so wenig hätten sich Handelsleute durch meinen Götz Silber verletzt fühlen sollen; und so wenig alle Lehrer meinem Eisen gleichen, eben so wenig war ich gemeint, in meinem Götz Silber einen Typus aller Handelsleute aufzustellen. Ganz arglos zeichnete ich einen Charakter, der mit seinem Schein von Bildung und Orthodoxie, der in seinen geschäftlichen, wie häuslichen Verhältnissen nicht aus jüdisch religiösen Boden steht, und der, sobald ihm sein Abgott, sein Geld, .genommen ist, weder in seiner Religion, noch in sich selbst, noch auch an den Herzen seiner Angehörigen einen Strebepunrt gegen die Widerwärtigkeiten des Lebens findet, da er nur mit jenem steht und fällt. 'Diesen Nester sollte die Erzählung „Götz Silber" bei jüdischen Lesern bewirken und ^nebenbei auch christlichen Lesern zeigen, wie solche Menschen, die man fälschlich für Repräsentanten der Judcnheit hält, durchaus keine Glanzpunkte in derselben bilden und von ihren Schriftstellern selbst gebrandmarkt werden. „Ja, sagt man, gerade das ist das Tadelnswerthe, daß mau v.or christlichen Lesern unsere Blößen aufdeckt, denn man ist von dieser Seite gar sehr geneigt, das Vergehen des Einzelnen der Gesammthcit der Juden zur Last zu legen." Darauf erwidre ich: Von den zahlreichen christlichen Lesern meiner Schrift — und sie hat deren wegen der herrschenden Aufregung mehr gefunden, als sie außerdem gefunden hätte — fjat nicht Einer einen solchen Schluß gezogen. Sie würden dies gegen mich-gewiß am ersten geäußert haben. Alle aber konnten nicht begreifen, wie sich die Gesammthcit verletzt fühlen könne, da ja AehnlicheS und Schlimmeres in Büchern für christliche Leser und über Christen gar oft dargestellt werde; und ein hochgebildeter protestantischer Geistlicher, der früher auf den Bildungsgang einer großen jüdischen Gemeinde nicht ohne Einfluß war, äußerte: „Das ist die jüdische Empfindlichkeit' die flch sogleich in G.esamiutheit beleidigt fühlt, wenn man nur den Fehler eines Einzelnen berührt! Haben wir nicht auch "solche Leute und wenn sie auch nicht Götz Silber heißen? u. s. w." Was daher Uebles über den jüdischen Charakter gesprochen wird, so geschah es nvr in Folge der Art.und Weise, wie mqn über das Büchlein in Wirthshüusern rc. debattirte und wie man über mich herfiel, wenn nur ein ferner christlicher Freund sich nach meinem Befinden erkundigte. . Bei allen diesem gestehe ich aber, daß ich den bewegten Passus weggclassen, so ich nur geahnt hätte, daß er so viel böses Blut machen würde und zwar einmal, weil ich nicht mehr hoffen darf, bei ferneren literarischen Unternehmungen' durch Subskriptionen unterstützt zu werden und züm andern wollte ich nur fromme Gefühlekeine Leidenschaften anregen. Diese Erklärung glaubte ich, ohne dadurch meiner Würde als Schriftsteller etwas , zu vergeben-, jetzt, da das Ströhfeuer der Leidenschaftlichkeit verglommen sein dürfte, dein Publikum geben zu müssen, um den mir so unbegründeter wie lächerlicher Weise Leigelegten Namen eines Judenfeindes mit aller Entschiedenheit von mir zu weisen. > S. Kramer, Lehrer. Druck von I. 33. Hirschfeld in Leipzig.