Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1845)
- Date
- 1845-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 50 der Allg. Ztg. d. Zudenthums. Altenmuhv in Mittelfranken Baierns. Meine, in den israelitischen Zeitblättern so günstig Leurtheilten „Bilder aus dem jüdischen Volksleben" haben in den Kreisen,-für welche sie zunächst bestimmt, eine Sensation erregt, die mir so unerwartet als unangenehm war. Mit Verkennung ihrer Tendenz und die zahlreichen, das Gegentheil bekundenden Stellen und Szenen in derselben ignorircnd, nennt man mein Büchlein eine Schmähschrift, mich einen Judenfeind, und beschuldigt mich geradezu, ich hätte meine Glaubensgenossenschaft in den Augen der Christen herabsctzen und schmähen wollen, ja selbstViele, welche sich angeblich nicht verletzt fühlen und die aus solche „Geschichtlern" nur vornehm herabsehen, glauben doch durch Einstimmung in das Verdammungsurtheil ihre Liebe zu den Glaubensgenossen bethätigen zu müssen. Man geht mir daher scheu aus dem Weg und feindet mich an; müssige Köpfe verbreiten die unsinnigsten Lügen über die nachtheiligen Wirkungen, welche mein Büchlein bereits verübt; mehre Subskribenten verweigern die Annahme desselben; ein Kaufherr — wie es scheint ein Schwabe — hat sogar seinem Aerger in einer anonymen Epistel an mich Lust' gemacht und Einige hielten es sogar der Mühe werth, darüber Rath zu Pflegen, wie nicht nur ich, sondern sogar auch ihr Lehrer, welcher die Substription gefördert, für diesen Frevel büßen sollen, wobei diejenigen Gemeindeglieder, welche sich der Sache oder meiner Person annahmen, kaum Insulten entgingen; ja nach glaubwürdigen brieflichen Nachrichten ging man sogar damit um, mein Merkchen öffentlich zu verbrennen! An diesem gewaltigen Lärm hat vornehmlich, eine Aeußerung Schuld, welche ich S. 4L einem jüdischen Handelsmann in den Mund gelegt habe. Wenn es nun schon überall, 'auch im Handelsstande, besonnene Männer genug gab, die dem Merkchen ihren Beifall zollten; wenn Dr. Salomon in Hamburg eine, tausend lieblose Urtheile aufwiegeude Zuschrift vom 24. Sept. mit den Worten beginnt: „Ihre „„Bilder rc."" kann ich nicht aus der Hand legen, ohne Ihnen vorher erst aus der Ferne meinen aufrichtigsten Dank zuzurufen für den Genuß, den mir das inhaltreiche Büchlein bereitet hat"; wenn allö öffentlichen Beurtheilungen von einer solchen Beschuldigung gar keine Ahnung haben: so wird ihr Ungrund noch mehr aus folgendem gutachtlichen Schreiben des Herrn Rabbiners Di. Loewi in Fürth hervorgehen, zu welchem derselbe veranlaßt worden ist. „Furth, den 6. August 1845. „Herrn N. N. in N. „Ihrem Wunsche und meinerZusage gemäß habe ich die im Druck erschienene „Schrift „„Bilder aus dem jüdischen Volksleben von Simon Krämer"" mit Aufmerksamkeit durchgelesen, habe aber nichts darin gefunden, was den Verdacht „rechtfertigen könnte, als habe der Verfasser einer judenfeindlichen Gesinnung Stoff „und Nahrung geben, oder wol gar das Judenlhnm in der Meinung der christ- „lichen Mitbürger herabsetzen und schmähen wollen. Wenn ich auch einzelne AuS- „drücke nicht billigen kann und namentlich die Stelle S. 41 und S. 113 Z. 2 „dahin rechne: so bin ich doch überzeugt, daß selbst diese Stellen nicht einer bös- „willigen Gesinnung entsprungen, vielmehr der redlichen Absicht entflossen sein „dürfte, den christlichen Mitbürgern den Beweis, zu liefern, daß weder die Relt- „gion noch die Lehrer der Juden irgend eine unmoralische Handlung des Juden „gegen seine Nebenmenschen billigen. Zu dieser Rechtfertigung bestimmt uns „schon der durch die ganze Schrift wehende Geist der treuen Anhänglichkeit und „Liebe gegen die Religion der Väter und die unverkennbare Pietät in der Deutung und Anpreisung herrkömmlkcher Sitten und Gebräuche, denen weder Un- „sittliches noch Mißbräuchliches anklebt. Seien Sie daher über die Wirkung dieser „Schrift ganz unbesorgt; ich Lin überzeugt, daß sie bei christlichen Lesern nur gute „und durchaus keine schlechten Folgen haben wird. Nachtheilige Folgen jedoch , „könnte sie dann nur haben, wenn sie zur Streitquelle zwischen dem Verfasser