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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-11-24 · Heft 48 (24.11.1845) · p. Seite 715

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 48 (24.11.1845)
Date
1845-11-24
Page
Seite 715 (sequence 11)
Language
German
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715 an, und drohete ihnen. Die beiden Matrosen sahen sich an, baten, um sich seiner Gnade ganz würdig zu zeigen, nur um die Erlaubniß, dem Kaiser noch ihre Geschicklichkeit im Tauchen zu beweisen/sprangen in's Meer, und kamen — nicht wieder zum Vorschein. Oesterreich. Wien, 9. November/ Es haben sich zum nachahmenswerthesten Beispiele Mehrere der achtbarsten und reichsten galizischen Israeliten mit Genehmigung der hohen Behörde zu einem Komik« gebildet, um Getreidevorräthe anzukaufen, um Brod und andere Piktualien zu sehr billigen Preisen an die ärmere Volksklaffe zu vergeben. Es wäre zu wünschen, daß man auch hier auf die Bildung ähnlicher Vereine, die in größter Vollkommenheit am Rhein und in Belgien bestehen, hinwirkte. Korrespondenz. Israelitische Zustände im ' königgrätzer Kreise Böhmens. Mitgetheilt von M. T. (Fortsetzung.) Als ein wichtiger Theit der Zustande der Israeliten km königgrätzer Kreise müssen die Erwerbsquellen derselben angeführt werden. Wenn jedoch Ln dieser Beziehung der Bericht dahin ausgeht, daß der allergrößte Theil der Israeliten dem Handel ergeben, der allergeringste sich den Künsten und Wiffenschaften gewidmet, und ein verhaltnißmäßig kleiner Theil sich als Handwerker ernährt: so darf dabei nicht 'unberücksichtigt blei-' den, daß die Theilnahme für Künste und Wiffenschaften erst seit den letzten Dezennien unter den Israeliten Böhmens rege wurde, und daß den jüdischen Handwerkern zur Erlangung des Meisterrechts uyd zur Ansiedelung als wirkliche Meister oft von Sekte des Zunftwesens und oft von anderer Seite nicht selten unübersteigbare Hindernisse in den Weg gelegt werden. Vorzüglich mag das bestehende Zunftwesen die abschreckende Ursache sein, daß sich noch immer wenige Israeliten den Handwerken widmen; und wie kann es anders kommen, wenn man bedenkt, daß sie bei der Zunftlade den israelitischen Handwerkslehrling aufnehmen, fceisprechen und dann nicht selten verlangen, daß ec auf immer als Geselle, niemals als Meister bei derselben Zunftlade erscheine, wie dies bei einem Bäckergesellen in Prag stattgefunden, der dann das Handwerk verließ und sich dem Handel gewidmet. Hieraus gehr hervor, daß die meisten Jscaestten der handeltreibenden Klaffe angehören. Und wenn auch der Handel sich in verschiedene Zweige ausbreitet — denn wir haben Kaufleute im ausgedehntem Sinne, dann Spezerei-,. Produkten-, Leinwand-, Garn-, Holz-, Getreide-, Leder- und Viehhändler — so beschäftigen sich doch die Meisten der Handel treibenden Israeliten mit dem Ausschnitthandel, ein großer Theil dieser Schnitthändler zieht als Kramer, und ein noch größerer als Hausirer im Kreise herum. Wie schlimm es aber mit diesen, vorzüglich mit den Letzteren, bestellt ist, wie sie bei ihrer kümmerlichen aber kaum genügenden Lebensweise sowol von oben herab als auch von der nr'edern Volksklaffe wie die Parias betrachtet werden, laßt sich durchaus nicht beschreiben, und würde auch ein wehmüthiges Bild geben. Zwar wird dies mit der Zeit aufhören, denn die Ergebnisse des Kleinhandels genüg'en nicht mehr den vervielfachten und vergrößerten Bedürfnissen des Lebens, auch wird von Seite der hohen Regierung dem Hausirhandel ein immer mehr sich ansdehnender Damm entgegengesetzt; indeß dürfte durch die Bildung eines Vereines zur Beförderung des Handwerksbetriebes unter den ‘ Israeliten des königgrätzer Kreises—so wie er vor Kurzem unter kräftiger Mitwirkung des Herrn David Kann in Eidlitz im saager Kreise entstanden— weit mehr Heil zu erwarten und zu finden sein; und dies um so eher, da schon viele Israeliten als Handwerker in unserm Kreise sich einer anständigen Lebensweise und eines ziemlichen Grades von Achtung erfreuen. Unter den jüdischen Handwerkern findet man im königgrätzer Kreise: Schneider, Tischler, Drechsler, Essigsteder, Weber (?), Goldarbeiter, Kürschner, Leimsieder, Gerber, Riemer, Stärkemacher, Bäcker, Glaser (?), Tuchmacher (?), Fleischhauer, Schuster (?). Auch findet man in diesem Kreise viele Israeliten, welche sich als obrigkeitliche Branntweinhauspächter mit der Destillation geistiger Getränke und der damit verbundenen Oekonomke beschäftigen, andere haben obrigkeitliche Bierbrauereien in Pacht, und wieder' andere beschäftigen sich mit der Leitung von Baumwollen- Manufakturen. Dann soll es in diesem Kreise auch

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