Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1845)
- Date
- 1845-11-03
- Page
- Seite 680 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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680 den toleranter ist, als manche Provinzialhauptstadt. So machen z. B. Brünn, und Olmütz, trotz der Toleranzedikte, ihre mittelalterlichen Ausschließungsrechte, die, um nur eins zu gedenken, den Juden den Aufenthalt über Samstag nicht gestatten, immer noch geltend. — Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1^/»Ngr. '(1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Literarische Anzeige. Im Verlage von Friedrich Vieweg und Sohn ist erschienen: Gesänge für Synagogen. Eingcführt in der^ Synagoge zu Sraunschweig« Zusammengestellt von H. Goldberg,- Cantor und Lehrer der israelitischen Schule daselbst. Zweite Auflage, vermehrt mit einem Anhänge für Cantoren. , gr. 8. Velinpap. geh. Preis: 15 Ngr. (12 gGr.) taainHHiEnS Am 28. September d. I. starb zu Pceßburg, nach kurzem Krankenlager, in einem Alter von siebzig Jahren, Herr Michael Kitseer. Ein Mann, in welchem diese Gemeinde eines ihrer vorzüglichsten Mitglieder betrauert und beweint. In und mit ihm ward eine große allgemein gefeierte talmudische Autorität zu Grabe getragen. Ein langjähriger Schüler des. berühmten ehemaligen Landesrabbinen Marcus Benedikt, mit funkensprühendem, Alles zermalmendem Scharfsinne begabt, und mitunermüdetem, fast ununterbrochenem Fleiße dem Talmudstudium obliegend, belqchelte er die schicfgängige Richtung der jüngeren und zum Theil auch alten Rabbinen in diesem Gebiete, als ein armseliges, zielloses Treiben. Erst vor einigen Jahren legte ec in einem zweirheiligen Foliowerke, betitelt:. ‘’üVtü Schalme Nedabah (Pceßburg, bei Schmid), einen Theil des Ergebnisses seines unbblässigen Forschens nieder. Ein Werk über verschiedene Traktate und'Stellen, das als. Produkt unerschöpflichen Scharfsinns und redlich ernster legaler Richtung (Ni-DV'i-n arr?» Tausende seiner Art löblich und rühmlich überraget, und das ec übrigens gänzlich unentgeldlich vertheilen ließ. Selbst von strenggläubiger, orthodoxer Frömmigkeit, so daß er wahrend seines ganzen musterhaften Lebens fast keine Betstunde in der Synagoge, die er im eignen Hause hatte, versäumte, ließ er, die Richtung der Gegenwart wohl erkennend und in's Auge fassend, seinen Kindern eine zeitgemäße Erziehung angedeihen. Wohlthätig, wo die Armuth und das Elend sein Mitgefühl in Anspruch nahmen, war andrerseits feine < Redlichkeit und sein Rechtsgefühl im Weltleben musterhaft und nachahmungswürdig. Zu jeder Zeit, die er seinem Geschäfte entziehen konnte, in seinem Studierzimmer abgeschlossen und seinem Studium rüstig obliegend, war er der einzige der alten Partei, der bei etwaigen projektirten Neuerungen sich toleranter Weise neutral verhielt und dem Hange der vorschreitenden Zeitverhältnisse schweigend zusah, -ohne ihm feindlich und hemmend in den Weg zu treten. Ueberhaupt war das ganze Leben dieses wahrhaft from-' men, ehrwürdigen Mannes, ein heiliger Werktag der Weihe und des Gottesdienstes, ein 'nb ■pm ä-p; sein Streben ein gott- und menschengefälliges, und sein Thun und Wirken ein musterhaftes, nachahmuugswürdiges. Nur am Abende seines schönen Daseins umdämmerte ein wirrer Nebel den lichten, klaren Horizont seiner hohen Einsicht, indem durch angestrengtes, rastloses Studium herbeigeführt, die Kraft seines Geistes und Gedächtnisses ihn verließ, und ihn zu jeglicher Denkthätigkeit unfähig machte, die bis zu seinem Tode fortwährte, wo er in das Reich des ewigen Lichtes einging, und es ist somit das schöne talmudische Bild auf ihn anwendbar: "ins 'vnNS bvci» mmb ■’-Dpi. mtrte. Und somit ist nrm wieder ein schöner, fruchtreicher Baum rigoröser Glaubensreinheit und ausgezeichneter talmudischer Gelehrsamkeit im Bereiche des Judenthums gefallet und abgebrochen worden; in welchem die Gemeinde eines ihrer vorzüglichsten Mitglieder, die Gattin und Kinder,ihren liebevollen Vater und Schirmer beweinen und betrauern. Friede seiner Asche! Bemerkungen. Von einer beträchtlichen auswärtigen Gemeinde bin ich beauftragt, einen Rabbinen, der sowol tüchtiges talmudisches Wissen, als auch homiletische Befähigung besitzt, vorzuschlagen. Einkünfte: eu. 650 Thlr. Ich bitte, etwaige Bewerber sich bei mir zu melden. Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner. Herrn L........n's Einsendungen werben uns auch unsrankirt willkommen sein, wenn wir auch die letztere über Kdf als zu lokal nicht aufnehmen konnten. Die Redaktion. Druck von I. B. Hirfchfeld,