Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1845)
- Date
- 1845-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. Allgemeine No. 45. Zeitung -es Judenthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von ör. Ludwig Philippsorr, Baumgartners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ZU Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnüdigfter Konzession.) Leipzig, den 3. November 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrigmit 3 Thlr. für den Jahrgang; — i Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 £ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspeditibn für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Ucber den Gang der Reform im Judenthume. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Stuttgart, aus der baierscheu Pfalz, Frankfurt am Main, aus dem Unterrheinkreise, aus dem Hannoverschen, Hanau. Preußen: Magdeburg, auö Oberschlcsien. Oesterreich: aus Mähren. Frankreich: Paris. Personal- und Lokalnachrichten: Wien, London. Literarische Nachrichten: Leipnick. Leitender Artikel. Magdeburg, den 26. Oktober. Ueber den Gang der Reformen im Zndenthume. Es wird dem Judenthume so oft Böses nachgesagt, von Feinden und Freunden, daß cs wol werth ist, wo sich seine Vorzüge so klar vor die Augen stellen, man betrachtet sie gründlich und bringt sie sich zum Bewußtsein. Das ermuthigt. Alles, was geschieht, es sei noch so groß und lauter, wird in seiner Gegenwart durch Mängel und Schwächen auf seiner Oberfläche getrübt und. befleckt. Zn der Vergangenheit aber schwinden diese und das Produkt sieht in seiner Größe und Lauterkeit da. Vergessen wir daher jener lokalen Kämpfe, welche die Reform im Judenthume zwischen den verschiedenen Parteien hier und da hervorgebracht,, mit ihrem ganzen Gefolge von Zntriguen, Ränken, Verlaumdungen, vergessen wir all' der Persönlichkeiten, Schmähungen, Addressen, Antiaddressen ff. ff., die die jüngste Zeit so zahlreich cm's Licht gefördert — all' dies sind kleinliche Flecken, welche im Strome der Zeit so schnell, verwischt werden, wie sie gekommen, Irrlichter, die bald wieder in ihren Sumpf zurnckkehren. Betrachten wir also ganz an sich den Gang, den die Reform im Judenthume genommen: so können -die, die es ernst weinen um das Letztere, wahrhaftiges Hochgefühl empfinden. Kaum hat sich je eine große Bewegung innerhalb einer welthistorischen, uralten Erscheinung so lauter und tüchtig gemacht. Die Reform im Judenthume ist eine wahrhaft religiöse geblieben. Wir können es freudig gestehen, sogar mit Ängstlichkeit sucht man zu vermeiden, was bei der Reform im Judenthume als aus emanzipationssüchtigen Motiven hervorzugehen scheinen könnte. Alles, was geschieht, geschieht lediglich in religiösem Interesse. Wohl wissend, daß die Religion die geistige Grundlage der ganzen Menschengesellschaft ist, und daß, wenn sie erst in Wahrheit und im Geiste die ganze Menschheit durchdrungen haben wird, die Gesellschaft von selbst das soziale Ideale erreichen wild, hat unsre Reform nirgends ein politisches, nirgends ein soziales Interesse in Anspruch genommen, sondern sich lediglich ans das religiöse Gebiet begrenzt. Der zweite Vorzug ist, daß sie sich fern von allem Tumultuarischen, von allem Volksaufregenden, von al-