Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1845)
- Date
- 1845-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Allgemeine No. 4L. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Nr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den J3. Oktober 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig» mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. sl Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 224 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesrtzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Dle Verhältnisse der israelitischen Gemeinde zu Berlin. Zeitungsnachrichten r Preußen: Berlin, Breslau, Breslau. Deutschland: Frankfurt am Main. , Literarische Nachrichten: Groß-Kanischa (Schluß). Leitender Artikel. Berlin, 7. Oktober. DW Verhältnisse der israelitischen Gemeinde zu Berlin. Es vereinigen sich die bedeutendsten Momente, um die Gemeinde zu Berlin zu einer der wichtigsten und entscheidendsten für das deutsche Judenthum, und somit für das ganze gegenwärtige Israel zu machen. Daß die berliner eine der wenigen zahlreichen Gemeinden in Deutschland ist, die noch dazu immerfort im Wachsthum begriffen, daß sie in der Hauptstadt der preußischen Monarchie besteht, in welcher ein Zusammenfluß der Wissenschaft, Kunst, Bildung und des Geschmacks stattfindet, wie in wenigen Städten, daß ihr so bedeutende Kräfte zu Gebote stehen, die in vielen und herrlichen Instituten bereits ihre segensreiche Wirksamkeit gefunden, ja daß dort durch Mendelssohn und seine Freunde für die Bewegung im Zudenthume der erste Impuls gegeben worden — alles dies' muß schon s priori der Gemeinde zu Berlin eine Prävaleriz geben im Kreise der preußischen Gemeinden und weiter. Rechnen wir hinzu, daß jedenfalls, da diese Gemeinde an dem Sitze der höchsten Staatsbehörden sich befindet, das, was in ihr geschieht, auch in staatlicher Beziehung maßgebend für die anderen preußischen Gemeinden sein muß. Eine jede Bewegung, die in Berlin stattfindet, muß daher eine nachhaltige fördernde, forlbewegende Kraft auf andere Gemeinden üben, sowie anderweitig jeder Stillstand in jener, auch einen hemmenden Bann hinsichtlich der übrigen bewirken muß. Um so geeigneter wird es erscheinen, unseren Lesern durch Aktenstücke und Skizzen, die wir bei unferm Aufenthalte allhier sammeln, eine schärfere Einsicht in das Ganze dieser Gemeinde zu verschaffen. Wir brauchen es nur anzudeuten, daß die israelitische Gemeinde zu Berlin, nachdem sie lange alle Bewegungen und Bestrebungen, die in' neuester Zeit im Iudenthume stattfanden, gänzlich ignorirt, an ihnen auch nicht den geringsten Antheil genommen hatte, durch - die Aufnahme des Herrn Dr. Sachs als dritten Rabbinatsaffeffor erwies, daß sie aus dem Hintergründe, in welchem sie sich bisher gehalten, heraustreten wolle, und daß sie durch die in ihrem Schooße entstandene „Reformgenossenschaft" schnell in den Vordergrund getreten ist. Um das Bild der Gemeinde daher genau zu fassen, muß man diese beiden Umstände im Auge behalten, und den Gang, sowie die Resultate beider verfolgen. Zur