Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1845)
- Date
- 1845-09-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Zeitung Allgemeine No. SS. -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippfon, Rab biner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 22. September 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich, einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfasien. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrigmit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate— 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Zur Sabbatfrage. (Fortsetzung). Zeitungsnachrichten: Frankreich: Paris. Die Schweiz: Paris. Preußen: Breslau. Deutschland: Mainz, Stuttgart, Landau in der Pfalz, aus der baier'schen Pfalz, Frankfurt am Main, Dessau, .Hannover, Mannheim. Personal- und Lokalnachrichten: Moskau, Wien. Korrespondenz: Russisch-jüdische Skizzen. (Schluß). Leitender Artikel. Magdeburg, 15. September. Z«r Sabbat frage. 3. Kritik des Geiger'schen Berichts über diesen Gegenstand in der 10. Sitzung der zweiten Rabbinerversammlung (s. No. 33 S. 504 d. Ztg.) Sobald die Reform über den Kultus hinausgeht und in einigen Stücken schon bei diesem, kann man leicht die Bemerkung machen: daß Alles auf die Bildung eines neuen Talmuds hinausläuft. Wir stehen beim Aussprechen dieser Beobachtung in Gefahr, von einer Menge Radikaler verketzert zu werden — allein nur ruhig, wir wollen uns erklären. Indem die talmudische Ausarbeitung des Zeremonialwesens des JudenthumS fowol den Verhältnissen des Lebens, als der geistigen Kulturstufe nach in vielfacher Hinsicht unmöglich und die Umgestaltung uothwendig geworden, ist man genöthigt, von Neuem zur Schrift zurückzukehren und mit einer einfachen, wistenschaftliche» Exegese ln der Hand, das von der Schrift eingesetzte Zeremoniale zu beleuchten und als Kern der Umgestaltung aufzustellen. Dadurch eben erlangt man — einen neuen Talmud, aber auf einfache, rationale Exegese, die ja schon in der talmudischen Zeit von der Halachah und Hagadah unterschieden ward, (üttis), gegründet. Gerade darum wird sich aller- . dings diese neue Auslegung wesentlich von der talmudifchen unterscheiden. Aber für den Liefern Beobachter, welcher die historischen Erscheinungen Ln ihrer Wahrheit, von dem Sturmdrang der Gegenwart ungestört, zu erkennen sucht, wird es offenbar sein, daß die Hauptfaktoren des Talmuds wie der gegenwärtigen Reformbestrebungen dieselben sind: die Schrift .als Grundlage, die Richtung und der Charakter der Zeit, und die Erhaltung, der Religion Jsrael's. Diejenigen, welchen es Ernst ist, werden auch mit unsrer Erklärung ganz einverstanden sein. Wir rechtfertigen den Talmud in suo genefre damit, und wir rechtfertigen die Reform, indem sie ebenso als Ausfluß der Geschichte anerkannt wird, wie der Talmud ein Ausfluß der Geschichte war. Gerade dieses gegenseitige Tragen, dieses Anlehnen im Geiste (nicht im Stoff und in der Richtung) verdrängt das Willkürliche, das Gemachte, und ist der Frieden. Nirgends aber wurde uns dieses Streben der Reform klarer, als beim Geigerffchen Bericht über die