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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-08 · Heft 37 (8.9.1845) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 37 (8.9.1845)
Date
1845-09-08
Page
Seite 560 (sequence 4)
Language
German
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560 Zeitungsnachrichten. Dänemark. Kopenhagen, 7. Mai. (Privatmitth. Verspätet"). Einen der schönsten Frühlingsmorgen begrüßten wir in dem 4. Mai. Wir begingen in ihm ein Maifest unvergeßlicher Natur. Das Neugebäude der Freischule für israelitische Knaben wurde nämlich an diesem Tage eingeweiht. Giebt es für den Menschenfreund nicht leicht eine wohlthätigere Erscheinung als ein Fest, wo der Fortschritt der Volksbildung gefeiert wird, und ist ein solches Ereigniß in dem Bereiche einer israelitischen Gemeinde doppelt erfreulich, weil sie ohne Volksschule keine Bedeutung, keinen Bestand, ja kaum eine Begründung als Gemeinde hat — denn woher sonst und wodurch sollte ihr das Bewußtsein werden, was sie ist, will und soll, als wenn die Lehre Israel's der Jugend tief eingeprägt wird? — so war dieser Weihetag eine neue Aera in der kopenhagener Gemeinde, ja ein Werkzeichen aus der ganzen Zeitgeschichte Israels. Wir übergehen die Ausschmückung des prächtigen Schulgebäudes, das die Mildthätigkeit begründet, die Wohlthätigkeit zu herrlicher und zweckmäßigster Vollendung gebracht hat, auch das Fest selbst, wie es in zahlreichem, geselligem Kreise feierlich, mit Mahl und Gesang, Toasten und Reden begangen worden, sondern halten uns insbesondere an den Einweiheakt, der dem Ganzen die göttliche Weihe verlieh. Wir sahen hier versammelt die ganze Geistlichkeit Kopenhagen's, vom Bischof bis zum Katecheten, die ersten Staatsbeamten, vom Adjudanten des Königs an bis zu Subalternen, den Magistrat, die Universitätslehrer, die Dozenten der höheren Unterichtsanstalten, wie Alles, was nur zur Elite gehört — auch an getauften Juden fehlte cs nicht, die der höheren Sellen wegen, die sie jetzt bekleiden, sich hier einfanden. Man wird gestehen, daß vor einem solchen Auditorium die Weihrede zu halten, keine kleine Ausgabe war, und wenn wir auch vom Dr. Wolfs gewohnt sind, die schwierigste mit Leichtigkeit erfaßt und mit Meisterschaft gelöst zu sehen, so sahen wir ihn diesmal doch nicht ohne Bangen *) Erst den 28. August per Post von Hamburg uns zugekommen. Redakt. die Rednerbühne betreten. Er hat aber auch dies Mal seinen Ruf bewährt, und vielfaches Verlangen hat die Rede seitdem in Druck erscheinen lassen. Der Redner ging von dem Satze aus: „Es sind feierliche, heilige Augenblicke, die uns hier versammeln." Dass sie dies sind, erläutert der Redner, weil es schöne Räume zur Bildung der Jugend sind, die sie eröffnen, weil Schulen die Glanzpunkte der Gemeinden sind, weil in dieser Schule die Religion als ein Hauptzweig des Unterrichts, der Jugendbildung gepflegt wird, weil die dankbare Erinnerung an die Wohlthäter der Freischule (die von D. A. Meyer mit 50,000 Rbthlr. dotirt ist; das Gebäude wurde insbesondere aus dem Legat Hekmann Gerson's von 7500 Rbthlr. errichtet;) gefeiert, weil das Gebäude im Namen Gottes zu seiner Bestimmung geweiht wird. Aus dem zweiten Satze heben wir folgende Stelle hervor: „O, es muß schon erhebend sein, eine Schulanstalt desjenigen Religionsvcreines zu betreten, der von jeher Erziehung und Unterricht so hochgeachtet, als das erste Erforderniß für seine Genossen obenan gestellt. Nicht nur die heilige Schrift verpflichtet nämlich den Israeliten frühe und spät die Kinder zu unterweisen, setzte einen ganzen Stamm ein, der das Lehramt verwalten sollte, erzählt uns, wie in den Prophetenschulen Weisheit, Geschichte, Dichtkunst gelehrt wurden; nicht nur wird übereinstimmend hiermit in den spateren Satzungen als höchste Anordnung ausgesprochen, daß die Kinderlehre über Alles gehe, jede religiöse Verpflichtung dem Unterrichte nachstehe, daß jede Gemeinde vor Allem Sorge tragen müsse, eine Schule einzurkchten, zu deren Erhaltung Jeder beizutragen verpflichtet sei, daß die Lehrer der Jugend, um ihres erhabenen Berufes willen, am Meisten zu achten und von allen Gemeindelasten zu befreien seien, sondern auch überall, wo Israel auf seiner dornenbesaeten Wanderschaft sich niederließ, erkannte es die Wichtigkeit solcher Anstalten; und durch die dunkle Nacht seiner Jrrfarth, wo es den mühsam errungenen Heerd tausendmal vertauschen mußte, leuchtet als Fackel seines Ruhmes, daß es kein Ruheplätzchen einnahm, ohne eine Stätte zur Belehrung seiner Kinder zu nächst zu errichten, daß es inmitten seiner düsteren, elenden Wohnungen zuförderst ein Lehrzimmer erbaute, und wie hochheilig ihm dies erschien, nicht selten darin darlegte, daß es'seine Bethäuser dazu benutzte, wie

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