Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1845)
- Date
- 1845-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ix. Jahrgang. Äkkgemerne No. 311. Zeitung des Zndenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnatigsier Konzession.) Leipzig, den 8. September 1845. ’.SMefe Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste .Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrigmit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (l Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGk.) für das Vierteljahr vngesetzt worden. - Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptfpedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitendei: Artikel: Ueber Reform im Judenthum und Christenthum, und was hat sie Verschiedenes und Uebereinstiininendes? Harfenklänge: Ost und West. Zeitungsnachrichten: Dänemark: Kopenhagen. Preußen: Berlin, Berlin, vom Niederrhein (Schluß). Deutschland: aus dem Württembergischen, Oberndorf. Oesterreich: aus Ungarn, Papa. ' a Literarische Nachrichten: Magdeburg, Magdeburg. Korrespondenz: Russisch-jüdische Skizzen. (Fortsetzung). Leitender Artikel. Magdeburg, 31. August. Ueber Reform im Zudenthum und C'hristeuthnm, rmd was hat sie Verschiedenes und Ilebereinstimnrerrdes? Die Reformbestrebungen im Judenthume werden so ©ft mit denen im Christenthume zusammengestellt, ja, die Häupter der protestantischen Reformer lieben es sogar, „die freien Juden" zu den „freien Protestanten" und „freien Katholiken" zu rechnen — daß es wol angemessen ist, das Vcrhältniß Beider zu einander etwas schärfer rn's Auge zu fassen. Die Reform im Protestantismus hat es lediglich mit Len Ernndlehrcn des christlichen Glaubens zu thun. Die Reform im Katholizismus hat es mit den Glaubenslehren und dem Zeremonialgesetze zu thun. Die Reform im Judcnthume hat es lediglich mit dem Zeremonialgesetze zu thun. In den protestantisch-reformatorrschen Bestrebungen wird das ganze Wesen der christlichen Dogmen in Frage gestellt und vernichtet. Vergebens will mau sich vor den Konsequenzen augenblicklich noch verwahren: wenn die Ansichten der „Lichtfreunde" Geltung haben, so bleibt von dem, was bis jetzt Christenthum war, Nichts übrig. Die Lehren von der Erbsünde, von der Trinität, von der Menschwerdung, von der Versöhnung durch den Tod Jesu, von der Auferstehung, bilden den Kern der Glaubenslehren des Chriflenthums. Wer diese leugnet, leugnet das Christenthum und bildet sich ein Neues. Die Reform der Protestkatholiken läßt sich in den Dogmenstreit des Protestantismus vorerst gar nicht ein, obgleich sie ibn früher oder später doch, nicht wird vermeiden können. Sie hat sich durch das leipziger Konzil eine sehr weite Formel geschaffen, in die jede'Gemeinde ihr Glaiibensbekenntniß hineinrangiren kann. Aber diese Reform bekämpft die Glaubenslehren und das Zeremo- Nlalgesetz der katholischin Kirche ganz und gar. Was auch die Phrasen von der Erhaltung der Tradition sind, wie sehr auch darauf gehalten wird, den Namen „katholisch" beizubehalten: dieses ist Täuschung, beiin' diese Reform hebt das Wesen der katholischen Kirche und der kirchlichen Tradition geradezu auf. Indem sie die ganze Autorität der ganzen katholischen Hierarchie verwirft und