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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-08-25 · Heft 35 (25.8.1845) · p. Seite 539

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 35 (25.8.1845)
Date
1845-08-25
Page
Seite 539 (sequence 11)
Language
German
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539 hier zu Lande? Was kümmert ihn die Form, das Wie? Ihm ist es nur um den Inhalt, den Kern, das Was zu thun; auch die Geistesdisziplin, nicht die äußere Schuldisziplin sieht er; und wie recht hat er, wenn er seinen Talmud laut vorgetragen, in lebhafter Diskussion entwickelt haben will! Wie schlaft der Geist nicht, wenn wir ruhig und still in uns hinein über ein Buch hinbrüten; wie ist er wach und rege, wenn wir im Zwiegespräche unsere Gedanken entwickeln! Wie stumpf wird der Geist, wenn wir nur ewig erlernen; wie geweckt und gewandt wird er, wenn das Gelernte nun Stoff zum Selbstdenken bietet, und in diesem Selbstdenken das wahre Eigenthum unseres Geistes wird? Darum steht der achtzehnjährige polnische Jüngling in einer solchen Reife des Geistes vor uns, daß er im Fluge das erlernt uud gründlicher, als wir, erfaßt, was wir in achtzehnjährigen Elementar- und Gpmnasialstudien zusammengekauert haben; darum ist er dann schon Mann, während wir den goldenen Phantasien der traumreichen Jugend noch kaum entwachsen sind. — Ich weiß zwar sehr gut, wie wenige in meinem deutschen Vaterlande mit mir in dieser Ansicht übeceinstimmen; will auch mit diesen Behauptungen keineswegs dieser Lehrmethode in jeglicher Beziehung das Wort geredet haben, aber auf Abhülfe dieses Mangels an einem Denkübungsgegenstande in der Erziehung unserer Jugend möchte ich hingewiesen haben, sowie darauf, daß in der veränderten Lehrmethode Deutschlands — und nicht im Wesen der jüdischen Sprache noch in der Zeit — die Schuld an der Unkenntniß des Jüdischen liegt. — Genug, die Unterrichtsmethode der russischen Juden zeigt uns, daß die Erscheinung eines Slonimski, wenn nur Fachanlage vorhanden ist, höchst erklärlich ist; und richtig, sehr richtig bemerkt er selbst: „Wie selten lernt ein Jude nach der üblichen, jüdischen Lehrmethode rechnen, und wie gut rechnet nicht jeder Jude! In den Erholungsminuten, die der Melamed gönnt, oder nach Tische, lehrt ein Knabe dem Andern die Spezies; wenn der Melamed zurückkommt, wird das mathematische Exempel am Tische schnell abgewischt, und doch, gebt dem Juden die verwickelste Rechnung, ohne mathematische Formel, ohne Kenntniß eines Gesetzes grübelt und dreht er so lange, bis er das Resultat findet, denn die Selbstlhätigkeit des Geistes, die die Mathematik erfordert, ist seiner Denkgewohnheit am nächsten, und darum zieht er sie jeder andern Elementarwissenschaft vor. Gewiß, man könnte neue Rechnungsmethoden finden. wenn man es sich angelegen sein ließe, die Art und Weise zu ergründen, wie manche Juden zur Lösung der schwersten Aufgaben kommen! Kehren wir zu unserm Slonimski zurück. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen I^Ngr. (I gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Literarische Anzeigen. Bei Immanuel Müller in Leipzig ist soeben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Tall Jaliluteclaa. Leitfaden beim Unterricht in der mosaischen Religion S. L. Liepmannssohn. geh. Preis 4 Ngr. In der Palm'schen Verlagsbuchhandlung in Erlangen .ist soeben erschienen und kn allen Buchhandlungen zu haben: Geschichte -er Israeliten mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeschichte derselben. Von Alexander dem Großen bis auf gegenwärtige Zeit. Nach den besten vorhandenen Quellen bearbeitet von Dr. I. H. Defsauer. Mit dem Bildniß des Verfassers, gr. 8. geh. 2 Thlr. 20 Ngr. oder 4 fl. Anerbieten. Zwei jüdische Knaben aus anständigen Familien können beim Besuch hiesiger Bildungsanstalten in liebreiche Pflege unter gewissenhafter Beaufsichtigung in religiöser und sittlicher Beziehung bei einem Manne, den mehrjährige Erfahrungen und erworbenes Vertrauen in diesem Fache dazu befähigen, ausgenommen werden. Das Nähere bei B. Oppenheim in Berlin, Judenstraße No. 48.

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