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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-07-28 · Heft 31 (28.7.1845) · p. Seite 479

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 31 (28.7.1845)
Date
1845-07-28
Page
Seite 479 (sequence 11)
Language
German
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479 richterstatter -fort, wurde mit allgemeiner Freude begrüßt." Bei Vieser Veranlassung können Wir die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Lsraelit. Lehrer von Seiten ihrer christlichen Vorgesetzten, wie von Christen überhaupt, sich stets -einer geziemenden Begegnung zu-erfreuen haben, wahrend der Dael. Vorstand, wie der israel. -Vater überhaupt, seine Echre-r mit bezeichnet, und ihnen auch großentheils sehr verletzend begegnet. — Dem gemeinen Juden freilich kann man dies nicht verargen, aber womit soll man Euch entschuldigen, dir Ihr Euch so gerne zu den „Gebildeten," zu den „Besseren" zählet? Aus Ungmm, im Juli. (Privatmitth.) Die allgemeine Augsbargerin läßt einmal wieder sehr human sich folgendermaßen expektoriren. No. 175 s. e. Beilage, Karlsbad, 12. Juni. „Wir „wünschen den Israeliten die Erreichung -aller bürgerlichen Rechte, wünschen aber in ihrem eignen „Interesse nicht, daß sie sich, einem Übeln Zuge ih- „rrs Charakters gemäß, ungebührlich vordrängen. „Dies thun sie leider auch bei uns, und zwar insbesondere im Fache der ärztlichen Praxis. Ueber- „reich an Aerzten, sehen wir gerade Aerzte mosai- „schon Glaubens ff." Friedliebend, wie ich seit einigen Jahren geworden bin, hatte ich die Redaktion dieser Blätter nicht gerne wieder bemühet; aber pro aris et focis ziehet man doch wol noch vom Leder, wenn man auch glaubt, bereits im Hafen der Ruhe zu wohnen. Schreiber dieses ist auch ein Arzt, ein -praktischer, aber kein jüdischer Arzt, wie es den Christen -fast überall beliebt uns zu nennen. Er ist zwar seines Glaubens ein Jude, hat aber seinen Kursus weder in Jerusalem noch in Bethlehem, sondern in der „Scientiarum universitate celeberrima et antiquissima“ gemacht, von christlichen Lehrern unterrichtet, geprüft und promovirt, und übt nun seine Praxis so gut unter Christen, gleich seinen übrigen Kollegen, denen Allen es aber nicht einsallt, in seinem Wissen irgend jüdisches oder im Charakter seiner Glaubensgenoffen etwas Zudringliches zu finden. Im Gegentheile rühmt man -uns Juden als die bescheidensten, genügsamsten, anspruchlosesten Leute, und dies gewint uns das Outrauen in Allem was wir treiben und betreiben dürfen. — Seit Prof. Rosas den berüchtigten Vortrag gehalten, über die Unzulässigkeiten der Juden zur ärztlichen Wissenschaft und Praxis— die -in unseren Staaten immer verbunden, — seit er von Kollegen unseres Glaubens zurechtgewiesen, ein ehrsames Schweigen beobachtet, hätten wir nicht geglaubt, sobald wieder -auf solche Gemeinheit in der höhern DeffeMlichkeit stoßen zu müssen. Konnten wir nicht sagen, wenn -die jüdischen Aerzte zudringlich sind, so sind die christlichen arrogant, neidisch, abergläubisch u. dgl.? -daß sie die jüdischen Kollegen -von der Konkurrenz aus fette Stellen, Sinekuren u. s. w. wegdrängen, wenn sie NN Wissen und Verdienst auch gar nicht voranstehen iu s. w.? Aber wir kennen keine jüdische -und keine christlichesondern blos wissenfchastliche Aerzte- und wir stehen für den Charakter aller unserer Glaubensgenossen ebensowenig, als der Korrespondent der allgem. Zeitung dies für die seinigen wird thun wollen, und wer in dem Arzte nicht den Grad des Wissens, der Bildung, der Erfahrung, des Charakters, den ihm die Würde seines Berufes aufdrückt, sondern den konfessionellen Unterschied voranstellt, der kann wol selbst ein Doktor und ein guter Christ sein, jedenfalls aber ist er ein gemeiner Mensch, den weder seine Konfession und nicht einmal seine Wissenschaftsstudien von den Lehren seiner Kindermagd und von den Gewohnheiten feiner Jugend, hinter jeden Juden mit Spottruf einherzUlaufen, befreien konnte.— Der Jude ist nicht zudringlich wie -der Korrespondent heute sagt und nicht feige, wie er morgen sagen wird, wenn ein solcher mit ihm etwa auf einer militärischen Laufbahn ko Nkurriren sollte. Der Jude ist was der Christ und was jeder Mensch ist, und nicht um ein Haar -ist der Herr Korrespondent der allg.Zeit. besser, als ein Jude an seiner Stelle wäre, mit dem Unterschiede, daß der Jude gegen den Christen weit billiger denkt, sobald er Anspruch'auf Wissen und 'Bildung-Macht. -— Für seine Gaptatio 4eaevolentiae, daß er den Juden jdie Erreichung aller -bürgerlichen Rechte wünscht, danken wir ihm schönstens. Cr weiß vermuthlich, daß in unseren Staaten die bürgerlichen Rechte dem Juden unerreichbar sind, und daß man Edelmann, Ritter und Freiherr als Jude werden könne, nur nicht bürgerlicher Schuster und Käsekrämer, und wäre das Vertrauen in die jüdischen Aerzte nicht älter als alle christlichen und wissenschaftlichen Institute, so dürften die gelehrtesten Juden wol eben so wenig das Leben und die Gesund-

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