Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1845)
- Date
- 1845-06-16
- Page
- Seite 367 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sonntage anstatt rim sechs Uhr Morgens, um acht Uhr, macht ihn feierlich und erhebend, wie eigentlich jeder Gottesdienst, am Sabbat und Werkeltage, sein sollte, verbindet eine predigt damit — das Wort Gottes soll ja zu aller Zeit gelehrt werden, und nicht weichen von unserm Munde und dem Munde unsrer Kinder — und jenem Theile der Israeliten ist der israelitische Gottesdienst wieder geöffnet, und wird sie wieder anziehcn in Menge. Ich meine so. Dieser Gottesdienst beginne um acht Uhr, im Winter um 8*/2 Uhr. Es wird üVitf 'fmn gesungen, zwei oder drei Psalmen deutsch vorgetragen, dann von an bis zu Ende der vom Vorbeter einfach und würdig vorgebetet, wo die Gemeinde an den üblichen Stellen einfällt; dann folgt ein deutsches Lied, die Predigt, in Respousorienweise, ein Prophetenstück deutsch, und Lied und Responsorien, 9'k und 'b? werden von Instrumenten begleitet. Es ist kein jüdisches Gesetz vorhanden, welches dLosen Gottesdienst verböte. Mau wird einwenden: dieser Gottesdienst würde den Sabbatgottesdienst verdrängen. Aber — diejenigen, welche unter uns den Sabbatgottesdienft besuchen, werden mit Nichten ihn darum zu besuchen unterlassen. Diejenigen aber, die den Sabbatgottesdienst nicht besuchen wegen ihrer Gewerbebetreibung, die bekommen wir, so weit unser Blick reichet, in denselben nicht wieder hinein, wir mögen machen, was wir wollen. Der Sabbatgottesdienst wird immerfort für den frömmer» Israeliten den Vorzug verdienen: aber es gilt hier, eine große Anzahl Israeliten wieder zu israelitischem Gottesdienste zu bringen. Gut, will man den Sabbatgottesdienst noch mehr verwahren und würde dieser Gottesdienst in jeder Woche zu viel Kräfte in Anspruch nehmen, so halte man ihn wenigstens alle vier Wochen einmal. Man sieht: ich gehe nur vom praktischen Standpunkte aus; ich beklage die Konflikte des religiösen uud bürgerlichen Lebens; ich beklage, daß in diesem Konflikte das religiöse Leben den Kürzern zieht; aber ich will halten und stützen, was zu halten uud zu stützen ist. Zn beten, zu singen, zu lehren ist zu aller Zeit erlaubt — sagt doch auch Rambam, daß zur Zeit des ersten Tempels gar keine Zeit zum Beten bestimmt war. Können wir durch Beten, Singen,- Lehren zu irgend einer Zeit unsre Religion stützen und erhältö», ja, können wir einem Individuum durch dasselbe zu irgend einer Feit eine religiöse Befriedigung, eine Erhebung zu feinem Gotte schaffen — dann ist es eine passende Zeit. Rein! keine Verlegung des Sabbats im Zudenthume! Aber denjenigen, die thatsächlich den Sabbat nicht halten, irgend ein Band, eine Verbindung mit ihrer Religion zu schaffen -— das ist ein preiswürdiges Werk! Es gilt hier keinen Konflikt mit den Alten. Denn diese werden in Nichts damit gestört, verletzt. Es ist Etwas, was Keinem widerspricht, Viele aber befriedigen wird. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 1. Juni. Die Proselytenjägerei in Frankreich nimmt jetzt einen Ungeheuern Aufschwung, wie namentlich ein gut geschriebener Artikel von E. H. im Junihefte der Arch. isr. de Fr. darlegt. Wir werden, so wie der Raum es gestattet, ihn in unseren Blättern mittheilen. Neben jener berüchtigten Taufe des tobten Terquem sigurirt darin die Taufe eines wahnsinnigen Mädchens im Jrrenhospital, über das der Arzt noch einen Tag zuvor als völlig abwesend berichtet hatte. Dieses offene, unverhüllte Auftreten hat das Gute, daß sich unter den französischen Juden der wohlthätige Geist der Reaktion dagegen regt. Mögen die beiden französischen Blätter des Judenthums nicht ermüden, diesen Geist der Reaktion auszubeuten und zu fester Richtung und bestimmter Thätigkeit zu drängen. —. In Paris hatte sich vor vier Jahren unter den Schuhmachern eine Genossenschaft gebildet, welche sich gegenseitig unterstützte und Arbeit sicherte. Dieselbe wurde im vorigen Jahre von der Regierung aufgelöst. Sie wandten sich an Cremieux, der dem Ministerium über die Statuten und das Betragen dieses Vereins das nöthige Licht verschaffte, so daß derselbe vom Minister des Innern die Autorisation erhielt. Aus Dankbarkeit lassen die Schuhmacher jetzt eine Medaille mit dem Bildnisse Crömieux' prägen, mit der Umschrift: A Cremieux, la societe 1aborieuse des ouvriers cördonniers de Paris. (Arch. isräel.) — Wie weit ist es in unsrer Zeit gediehen, daß eine christliche Genossenschaft einem jüdischen