Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1845)
- Date
- 1845-06-02
- Page
- Seite 349 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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849 (A. A. Z.) Großes Wehklagen ertönt aufs Neue von den Juden auf der Grenze, da der für aufgehoben gehaltene Mas wegen der Lranslozirung in's Innere des Landes nur suspendirt gewesen ist, und jetzt in modifizirter Welse zur Ausführung kommen soll. Wie es heißt, sind jedoch alle großem Städte, d. h. Städte über 3000 Einwohner von der Maaßregel ausgenommen, die nur die Israeliten auf dem platten Lande und in den ganz kleinen Städten treffen soll. Großbritannien. London, 14. Mai. Dem Elobe zufolge, hat Hr. Forbes Mackenzie, welcher erst kürzlich zu einem Lord der Schatzkammer ernannt worden, dem Premierminister seine Demission eingereicht, weil er nicht mit dem Kabinet in Bezug auf die zu Gunsten der bürgerlichen Emanzipation der Juden projektirte Bill übereinstimmen könne, indem ihm dieselbe nur als eine halbe unvollständige Maaßregel erscheine, deren Verantwortlichkeit er nicht theilen wolle. Personal- und Lokalnachrichten. Krefeld, 15. Mai. (Privathmitth.) Am 8. e. fand die Einführung des zum Oberrabbiner des hiesigen Konsistorialbezirks erwählten Herrn Bodenheimer, bisherigen Landrabbiners zu Hildesheim, Hierselbst statt. Von den Mitgliedern des israelitischen Konsistoriums in Wesel begrüßt, war demselben dort fowol, als beim Eintrit in den Sprengel von den angrenzenden Gemeinden, besonders in Meurs, ein schöner Empfang bereitet. Von letzterm Orte an wurde der Oberrabbiner durch einen großen Zug von Wagen und Reitern, welche sich fast aus allen Theilen des ausgedehnten Sprengels gesammelt hatten, an das Ziel seiner Meise geleitet,; und/bei der Ankunft von beiden Lehrern uud der Schuljugend der israelit. Elementarschule unter Ueberreichung eines passenden Gedichts bewillkommr. - Tags darauf hielt der Oberrabbiner in Gegenwart der ersten städtischen Behörden, des Landtagsdeputirten und der Geistlichkeit sämmtlicher Konfessionen, in der Synagoge seine Antrittsrede, wobei sehr zu bedauern war, daß der Mangel an Raum die äußerste Beschränkung der Einladungen nöthig machte. — Die Feier des Tages wurde durch ein zahlreich besuchtes Festessen beschlossen, bei welchem allgemein die heiterste Stimmung herrschte. Unter anderen Toasten fanden diejenigen auf des Königs Majestät und die rheinischen Stände um so inniger» Auklang, als sich daran die freundigsteu Hoffnungen knüpften. Gumbinnen, 10. Mai. (Privatmitth.) Der jüdische Kaufmann und Rathsherr K. D. Jakoby in der Kreisstadt Johannisburg im Regierungsbez. Gumbinnen, ein in jeder Hinsicht achtbarer und von jeher zum Wohlthuu geneigter Mann, hat, in Berücksichtigung der besonders in der masur'schen Gegenden diesem Jahre stattfiudenden Roth, eine bedeutende Quantität guten Roggen, der ihm incl. Transportkosten 2 Rth. 8 Sg. pro Schffl. zu stehen kommt, angekauft und solchen an bedürftigen Einsassen von Johannisburg und der Umgebung zu Viertelscheffeln ä 15 Sgr. Theils gegen baar abgelassen, Theils aber auch den Leuten auf Kredit gegebeu. Bei Letzteren muß er gr'ößtentheils auf Nichtbezahlung rechnen, wodurch er ohngefähr 200 Rth. einbüßen möchte und am Eiukaufspreise durfte der Verlust ebenfalls auf 200 Rth. anzunehmeu sein. Diese den Armen bewiesene Wohlthat haben die dortigen Einwohner mit Dank anerkannt und einer der johannisburger Herrn Prediger hat durch das edle Benehmen des Herrn Jakoby sich veranlaßt gefühlt, von der Kanzel herab lobend und rühmend anzuerkenueu, wie ein Mann, der nicht christlichen Glaubens ist im Wohlthun gegen seine christlichen Mitbürger mit so gutem Beispiele vorangeht und seine wohlhabenden christlichen Mitbürger zum regen Nacheifer in Darlegung so menschenfreundlicher Gesinnungen aufgefordert. ,—. In der Stadt W.ilkowischken in Polen, 7 Meilen hinter Gumbinnen, verkauft seit Monat Januar d. I. der jüdische Holz- und Getreidehändler Moses Frank den dortigen jüdischen Bäckern guten Roggen zu 35 Sgr. per Scheffel) sie dürfen aber das Brod nicht viel höher als ^/2 Sgr. per Pfund verkaufen und nur an Städter, aber nicht nach fremden Orten. Da der größere Theil der Einwohner ans unvermögenden'und armen Leuten besteht, wie in den meisten polnischen Städten, so kommt diese Wohlthat sehr vielen zu Gute. Die alten- Getreidevorräthe. sind; indessen in Polen bereits aufgezehrt, so daß dort, wo cs auch den vorigen Sommer unaufhörlich regnete, Getreide^ besonders, Waizeu, zu dem jüdischen Passahfeste aus Königsberg zu Wagen geholt und. unter-