Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1845)
- Date
- 1845-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ix. Jahrgang. Allgemeine No. 31. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Versag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 19. Mai 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.f. tr. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — I Lhlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 a Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Jeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Was und wie im Judenthume reforinirt werden'soll? (Fortsetzung). Zeitungsnachrichten: Frankreich: Paris. Deutschland: Altona, Heidelberg, Heidelberg, Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg. Preußen: Berlin (Schluß), Berlin, Breslau, vom Norden, Berlin. Leitender Artikel. Magdeburg, 13. Mai. Was und wie im Judenthume reformirt werden soll? (Fortsetzung.) IV. Die Gegner wissen nichts Besseres, als Genußsucht und Bequem lichkeitsliebe als die Triebfedern der Reform immerfort auszugeben. Sie haben es dann selbst so bequem zu schimpfen. Indem sie so innere N'othigungeu von sich weisen, weisen sie uns selbst auf ein Gebiet, wo es so leicht ist, sie zu widerlegen. Ich habe dem Kampfe armer, zahlreicher Familien zugesehen., Es waren ehrliche Handwerker, die gern den Gesetzen der Väter gelebt hätten. Aber es ging nicht. Sie. hätten dabei Hungers sterben müssen. Gesellen konnten sie nicht halten, denn die wollten nicht zwei Tage ruhen in der Woche, auch war die jüdische Küche für sie zu kostspielig. Die Bestellungen konnten nicht ausgeführt werden. Die Kundschaft verlor sich. Der Mann sah sich dem Untergange nahe, ein Blick auf seine Frau, seine Kinder brachte ihn zur Verzweiflung. Zuerst riß er sich los, und übertrat den Sabbat, dann seine Frau und übertrat die Speisegesetze — jetzt wissen sie vom zeremoniellen Judenthum gar nichts mehr, und leben ganz ohne den Beistand der Religion. — Ist hieran ein Wort der Uebertreibung? Erweist es mir. Was ich hier von einer Familie erzählt, habe ich bei vielen gesehen. Ich habe auch dem Kampfe bemittelter Familien zugefehen. Der Vater war nicht allein fromm, er war bigott. Aber seine Knaben waren tüchtig, er ließ fle das Gymnasium besuchen; sie zeichneten sich aus; der eine bestimmte sich zur Medizin, der andre zum Maschienenbau. Kaum waren sie den Angen des Vaters entrückt, so hielten sie die jüdischen Gesetze nicht mehr. Als sie von der Universität zurückkehrten, konnte freilich der Vater dem Arzte nicht heißen, am Sabbat kein Rezept zu schreiben, oder wenn er auf eine entlegene Dorfschaft gerufen worden, nicht hinzufahrm. Aber der Maschinenbauer? Er konnte eine Anstellung in einer großen Fabrik erhalten, aber die wollte am Sabbat und Festtag nicht stille stehen. Der Vater verbot es ihm, er habe noch Brod für ihn, jüdisches Brod. Aber nun ging er beschäftigungslos umher, brütete in seinem Zimmer über erfolglose Pläne; er zehrte sich ab. Da sandte ihn endlich der Vater nach einer andern Stadt, da solle er thuu,