Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1845)
- Date
- 1845-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IX. Jahrgang, Allgemeine No. SV. des Zu-enthums. unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 12. Mai 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 98 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 224 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Was und wie reformirt werden soll? Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aschaffenburg, Offenbach, vom Main, Frankfurt am Main, aus dem Würtembergischen. Preußen: -Breslau, Berlin, Posen. Oesterreich: Prag. Großbritannien: London. Rußland und Polen. Antikritik: Einhorn gegen Hold he im über den Eid nach dem rabbinischcn Judenthume. (Fortsetzung). Leitender Artikel. Magdeburg, 3. Mai. Was und wie .reformirt werden soll? II. Es sind in der neuesien Zeit mehre Versuche gemacht worden, eine ostensible Reform im Judenthume zu bewirken. Mehre solcher Versuche sind schon gescheitert, und haben so nur erwiesen, daß das Bedürfniß vorhanden ist, daß aber das Rechte und die rechte Weise noch nicht gefunden worden. Machen wir uns daher vor Allem deutlich, wie reformirt werden sollte, um eine nachhaltige Wirkung hervorzubringen. 1) Die Reformirung muß ohne alle Ostentation geschehen. Anstatt ein solches bedeutungsvolle, tief eingreifende Werk in der Stille, im Kreise Gleichgesinnter, jedenfalls allein in den Kreisen Zsrael's zu beginnen, zu fordern und zum Gedeihen zu bringen: ist es bis jetzt das Erste gewesen, in» die öffentlichen Blätter es hinauszuschreien, 'öffentliche Aufrufe zu erlassen, Unterschriften zu sammeln, bevor noch Einer recht weiß, was man wolle. Die Folge davon war ein Geschreibe sonder Ende; Schimpfen und Stoßen auf öffentlichem Markte, bevor man noch einen Fuß Terrän erobert hat; kein Blatt kann man öffnen, ohne daß man dafür, dawider, darüber lesen muß; die ganze Sache wird in den Koth gezogen und breit getreten, noch bevor Etwas geschehen. 2) Sie muß geschehen, ohne daß irgend Politisches hineingezogen werde. Was hat Emanzipation, was hat Vaterland — mit der Religion zu schaffe», mit der Läuterung der religiösen Formen? Hiermit ist gleich verbunden: 3) sie muß geschehen, ohne daß wir uns selbst in's Angesicht schlagen. Die Reform muß als nothwendig erwiesen werden aus den veränderten geistigen und sozialen Verhältnissen und Bedürfnissen; nicht aber als ob das Judenthum feindliche Elemente gegen Gesellschaft und Intelligenz in seinem Innern habe, welche die Reform hinausschaffen wolle. So hätte man Recht, uns bis jetzt die bürgerliche Gleichberechtigung verweigert zu haben? So hätte man Recht, dieselbe an die Bedingung einer Reform knüpfen zu wollen? Bei solchem Vorgang wird die Versicherung, die Einheit der Glaubensgenossenschaft erhalten zu sollen, zur Phrase, zur Täuschung— man hat sich sofort in eine getrennte Stellung gebracht.