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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-05-05 · Heft 19 (5.5.1845) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 19 (5.5.1845)
Date
1845-05-05
Page
Seite 291 (sequence 15)
Language
German
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291 Herr Dr. Holdheim geht nun zu meiner Vertheidigung des Kol-Nidre über und giebt sich alle erdenkliche Mühe zu beweisen, daß, die Juden alljahrkg auch solche Eide faktisch auflöfeu, die sie ihrem Nebenmenschen schwören und daß sonach Eisenmenger selbst die Narrheit beging, sich von den dummen unwissenden Apologeten des Kol-Nidre foppen zu lassen. Sehen wir, ob es ihm damit besser gelingt, als mit dem Beweise, daß das rabbinische Judenthum den Meineid gestatte. Er versichert uns zunächst, in seinem frühem Aufsatze, wo er das Kol-Nidre total geschlagen wähnte und triumphirend alle Welt in die Schranken rief, eine ganz andere Vertheidigung, als die unsere, im Sinne gehabt zu haben, was gewiß als eine sehr vortreffliche Widerlegung gelten kann; er versichert ferner, nachdem er mich wieder einmal so recht in die Schule genommen und mit seiner wässerigen Katechisation für den endlichen Eintritt in das innerste Heiligthum seiner Weisheit überschüttet, daß wenn alle rabbinischen Autoritäten über die Beschaffenheit der Kolnidre-Eide als zukünftiger Eide übereinstkmmten, meine Behauptung mit einigem Rechte ausgesprochen werden könnte, daß nach allen rabbinischen Autoritäten Eide und Gelübde, die sich auf Andere beziehen, mittelst Kol-Nidre nicht aufgelöst werden können. Und warum, fragen wkr Hrn. vr. Holdheim, warum auch dann nur mit einigem Rechte? Wird etwa mit einem solchen Zugeständnisse der Wahrheit freiwillig die Ehre gegeben? Vermochte Herr vr. Holdheim mit allem Aufwande seiner hohlen Dialektik auch nur das Geringste gegen meinen Nachweis der unbestrittenen Unstatthaftigkeit -des Vibei allen, auf Andere sich beziehenden Eiden und Gelübden vorzubringen? Doch nach all' diesen nutzlosen Wendungen und Drehungen wird endlich der entscheidende Schlag geführt.. Es ist wol wahr und kann nicht geleugnet werden, daß Tham die ehemalige Formel nr d>v SV» in sftm -12 srn umsetzte; es ist eben so wahr, daß die bei uns allgemein rezipirte Fassung die des Tham ist und ausdrücklich von den Eiden und Gelübden des künftigen Jahres spricht; weil jedoch, argumentirt Herr vr. Holdheim , weil nach dem (bereits von den Tosaphot und Anderen gegebenen) Zeugnisse Heidenheims in dem klar und unzweideutig von künftigen Eiden handelnden Kol-Nidre ein inkorrekter Styl herrscht und in den Verdis noch Spuren der alten Version sich zeigen, so sei es völlig ungewiß, ob hier von geschehenen oder noch zu geschehenden Eiden die Rede ist. Ich frage nun jeden unbefangenen Leser, ob man bei den Worten: „Alle Eide, die wir von diesem bis zum künftigen Jahre geschworen haben" trotz aller Inkorrektheit des Ausdrucks auch nur einen Augenblick zweifeln könne, daß nicht von der Vergangenheit, sondern blos von der Zukunft gesprochen wird? Gewiß nicht! Man kann, wie dies vom größten Theile der Menschen geschieht, äußerst sprachwidrig und doch zugleich auch ganz verständlich sich ausdcückem So auch bei der Fassung des Kol-Nidre. Der Passus." von diesem bis.zum künftigen Versöhnungstage duldet wahrlich keinen Zweifel mehr über den Charakter der Eide als zukünftiger Eide, obgleich man lediglich aus Sprachunkunde, welche, wie wir gleich sehen werden, ein und dieselbe Verbalform für Vergangenheit und Zukunft passend fand, und weil die von Tham auch mit den Verdis vocgenommene Korrektion abhanden gekommen war, in seiner Rathlosigkeit diese für doppelt sinnig gehaltenen Verba aus der früheren Version beibehielt. So lautet buchstäblich das Urtheil Heidenheims in seiner ''Ttt bdb nrpnö, von welchem Herr vr. Holdheim wohlweislich gerade die ihm scheinbar aus der Noth helfenden Schlußworte mit Verschweigung alles Vorangehenden zitirt, woraus erhellt, daß Hekdenheim mit seinem harten Urtheile keineswegs einen Zweifel über die Beschaffenheit der Eide im Kol-^idre als zukünftiger Eide ausdrücken, sondern lediglich die Inkorrektheit des Styls tadeln wollte, welche er übrigens am Schluffe seiner Abhandlung in so ferne rechtfertigt, als die Synagoge nach dem Beispiele in Genes. 48, 6 das Perfekt, für Futur.' exakt., nahm. Man sieht also, wie das stürmisch wogende-Meer, in dessen Fluthen Herr vr. Holdheim das Kol-Nidre begraben will, zuletzt in das winzige Bachlein eines.halben Zitats sich verwandelt, was an ein gewisses Sprichwort von kreisenden Bergen erinnert. ' Es ist also unwahr, durchaus unwahr, daß das Kol-Nidre von anderen , als zukünftigen Eiden handelt, und folglich nach allen rabbinischen Autoritäten ohne irgend eine Ausnahme nur Unwissenheit, bei demselben an eine Auflösung solcher Eide zu denken, die dem Nebenmenschen 'betreffen. Doch was diesem halben Zitat an K käst fehlt, das sucht Herr vr. Holdheim hinterher durch eine Rekapitulation zu ersetzen; er hat sich nun einmal vorgenommen, 'Kol-Nidre zu Tod zu pladiren. Die Ansicht, refumirt er, daß das Kol-Nidre nur von zukünftigen Eiden han-

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