Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1845)
- Date
- 1845-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Allgemeine Zeitirna des No. 1». Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. . (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 5. Mai 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!, Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Gedanken über die Frage: was und wie soll im Judenthume reformirt werden? — Vom mosaischen Zeremonkalgesetz. (Fortsetzung). Zeitungsnachrichten: Nordamerika: Kanada. Preußen: Berlin, von der Warthe, Kulm, Elberfeld, Posen. Deutschland: Leipzig, Mannheim, Frankfurt am Main, von der Saale, Mannheim, Leipzig. Antikritik: Einhorn gegen Holdheim über den Eid nach dem rabbinrschen Judenthume. (Fortsetzung). : Leitende Artikel. Magdeburg, 27. April. Gedanken über die Frage: was n nd wie soll im I u d e n t h u m e reformirt. werden? I. Das Vorwärts in Israel. Bruchstück einer jungst' gehaltenen Predigt. i ’ 7 . . i. Wenn Viele erstanden sind, die auch im Lager Jsrael's ein lautes Vorwärts! rufen: so sind doch nicht minder solche vorhanden, welche mit aller Kraft sich dem. gegenüberstellen, und mit Bann und .Verwerfung.geradezu aussprechen: „in Israel giebt .es kein Vorwärts? Da ist Alles so fest und unabänderlich, -daß kein Stein von dem andern verrückt werden darf; jeder Schritt vorwärts würde ein Schritt abwärts sein!" — Derohalben ist es unsre erste Frage: giebt es in Israel ein Vorwärts oder nicht? Darüber müssen wir die Geschichte fragen. Und stehe, haben wir diese befragt, so stellt sich die Frage ganz anders: war jemals in Israel ein Stillstand? Wie — die Zehn-Worte des Herrn waren gegeben, unmittelbar gegeben: blieb es dabei stehen? Nein! es lehnte sich sofort eine ganze Gesetzgebung daran im zweiten und dritten B. Moscheh. Blieb es dabei stehen? Nein! auch auf den Zügen durch die . Wüste wurden neue Gesetze hinzugefügt, im vierten B. Moscheh. Blieb es dabei stehen? Nein! noch in seinen letzten Lebensstunden, am Ufer des Jarden, fügte Moscheh neue Gesetze hinzu, im fünften B. M. Das heil. Gesetzbuch war nun abgeschlossen," blieb es dabei stehen? Nein, es folgten die Propheten, die einen ganz neuen Fluß des Geistes hrranbrachten, den der Erkenntniß und Moral mehr als der Zeremonie. Das letzte Prophetenwort war verhallt, blieb es dabei stehen? Nein, ' die Mnner der großen Versammlung erstanden, und gaben neue Äorschriflen, neue Richtungen. Blieb es dabei stehen? Nein, die Tradition erhob ihr Haupt, eine neue AusleAUngsweise wachte sich geltend im Midrasch, die Halachah schwoll arr wie^ ein GebirgSstrom, die Agadah fponn -ihr-buntfarbiges! Werk. Blieb es dabei stehen? Nein! aus dem lebendig gen Worte ward der Buchstabe, die Mischna wurde nie