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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-14 · Heft 16 (14.4.1845) · p. Seite 236

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 16 (14.4.1845)
Date
1845-04-14
Page
Seite 236 (sequence 8)
Language
German
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236 Einigkeit. Euch aber, Ihr Gleichgesinnten, fordern wir voll Zuversicht auf zur innigsten Vereinigung auf Wahrhaftigkeit nach Innen, auf Schonung nach Außen, auf Ausdauer im Kampfe mit Anderen und auf Treue gegen unS selbst. Und so ergeht denn unser Aufruf an Euch, deutsche Glaubensbrüder nah und fern, daß Ihr mit Namen Euch zu uns gesellet, und mit Wort und That uns Beistand und Hülfe zusichert, damit wir in großer Zahl gemeinsam eine Synode berufen, die das Judenthum in derjenigen Form erneuere und festsetze, in welcher es in uns und unseren Kindern fortzuleben fähig und würdig ist. Berlin, den 2. April 1845. (gez.) Ludwig Lesscr. Carl Heymann. Dr. S. Stern. M. Simion. Dr. Fr. I. Wehrend. Adolph Meyer. I. N. Friedländer. Dr. Posner. A. Rebenftein. Dr. Breßler. B. Wolffenstein. B. Arons. Dr. Bergson. I. Löwenherz. Dr. Waldeck sen. S. W. Wolters. W. Wolffenstein. Dr. Schnitzer. W. Nathan. Joseph Wehrend. Dr. Kornfeld. S. Lissauer. Dr. Mankiewitz. M. S. Baswitz. Dr. Löwenstein. S. Heinersdorff. Louis Liepmann. Moritz Meyer. Berlin, 8. April. Die hiesige Gemeinde hat eine Summe von 1025 Thlr. an das rheinische Blindeninstitut in Folge des Votums der rheinischen Stände gesandt. Breslau, 4. April. (Privatmitth.) Es ist eine alte, ihre Wahrheit zu allen Zeiten bekundende Behauptung, daß durch Starrheit und Eigensinn nichts gewonnen, daß vielmehr das weichste und schwächste Gemüth dadurch zum Widerstand und zu hartnäckigem Entgegentreten angespornt wird. Diese traurige Erfahrung hat sich in diesen Tagen in unserer Gemeinde neuerdings bestätigt. Das starre Anklammern der orthodoxen Partei an das graue, ungenießbare, mit dem Leben durchaus nicht zu vereinigende polnische Judenthum, ihre arrogante Geltendmachung, mit der sie der mächtigen Bewegung des Geistes in den Weg fallen, und selbst jeden unschuldigen Fortschritt, jede unbedeutende Reform unterdrücken wollte, hat endlich, wie dies voraus zu sehen war, die gesinnungskräftigen willensstarken Männer unserer Gemeinde, denen die Zukunft ihrer Kinder am Herzen lag, zu einem ernsten, für das Judenthum, wie für die Juden unserer Provinz höchst bedeutungsvollen Entschluß vereinigt. Das Resultat dieser Vereinigung erfahren wir aus der heutigen Nummer der breslauer Zeitung, in der. wir die Motive ausführlich angegeben finden, die diese Männer zu einer ernsten durchgreifenden Umgestaltung nicht nur ihrer Religionsformen, sondern auch ihres Religionsbekenntnisses angefeuert. Sie wollenalles das, was eine freundliche Verbrüderung mit unseren christlichen Mitbürgern aufhält, was mit den Pflichten als Bürger und Staatsmitglied nicht im Einklänge steht, als ungültig, als für sie nicht existirend verwerfen; demgemäß wollen sie die Sabbatgebete, dm Umständen gemäß modisizirt sehen, die Speifegesetze, als die am meisten hindernden Elemente im Leben aufheben und einen Geist und Herz anregenden Gottesdienst, gereinigt von jedem unwahren hohlen Inhalt, einführen. Als einen ihrer Ueberzeugung, wie ihren Wünschen schroff entgegenstehenden Punkt in dem annoch für heilig gehaltenen Bekenntniß, verwerfen sie den Glauben an. einen persönlichen Messias, den die harten Leiden des Mittelalters als einen erhebenden Trostgedanken unseren Vorfahren in die seufzerschwere Brust gegraben; sie erklären vielmehr, dem deutschen Vaterlande und seinen Interessen mit ganzer Seele anzugehören, nie nach Jerusalem zurückkchren zu wollen, um daselbst ein eigenes unabhängiges Volk zu bilden, demnach können die bestehenden Gebete für sie keine Heiligkeit haben, und ihren religiösen Bedürfnissen keine Befriedigung gewähren. — Alles dieses ist zwar in der ernstesten schonendsten Weise, aber nicht minder kraftvoll und überzeugend geschrieben. - Daß diese offene Erklärung hier in allen Kreisen die größte Sensation erregt, ist sehr natürlich, da sie ja die Geigersche Partei mit ihren Bestrebungen weit hinter sich zurück läßt. Doch wie auch die öffentliche Meinung über diesen Schritt, der keineswegs "neu im Judenthum ist, sich feststellen mag, so ist es doch erfreulich zu sehen, wie das langsam, aber sicher tödtende Gift des Kaltsinns, des Jndifferentismus gewichen, und eine rege Lebendigkeit, ein religiöses Erraffen sich der Gemüther aller Juden bereits bemächtigt, und zu einem ernsten Nachdenken, zu ei-

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